Kultur 4 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
PokémonXP: The Pokémon Company räumt Enttäuschung über Lotterie-System ein
Rund 50.000 Fans besuchen die erste offizielle Pokémon-Fan-Convention PokémonXP in San Francisco. Doch über 130.000 Interessenten gingen leer aus. The Pokémon Company kündigt an, das Vergabesystem für zukünftige Events zu überarbeiten.
Die erste offizielle Pokémon-Fan-Convention PokémonXP lockt zusammen mit den Pokémon-Weltmeisterschaften rund 50.000 Besucher nach San Francisco. Doch die enorme Nachfrage hat auch Schattenseiten: Mehr als 130.000 Menschen hatten sich für ein Ticket interessiert, viele von ihnen gingen leer aus. The Pokémon Company International reagiert nun auf die Kritik und kündigt an, das Vergabesystem für künftige Events zu überarbeiten.
Chris Brown, Director of Global Esports and Events Producer bei The Pokémon Company International, räumte in einem Interview ein, dass die Enttäuschung vieler Fans verständlich sei. „Die Öffentlichkeit ist sich des Ausmaßes der Nachfrage nicht bewusst“, sagte Brown. „Leider kommen 50.000 Menschen, aber mehr als diese Zahl erleben die Enttäuschung, sich nicht anmelden zu können.“ Die Interessensliste für die dreitägigen Pässe startete im April 2026, nur wenige Monate nach der Ankündigung der Convention. Insgesamt hätten sich mehr als doppelt so viele Menschen beworben, wie Plätze zur Verfügung standen – inklusive der Teilnehmer und ihrer Familien.
Brown erklärte, dass ein Lotterie-System nach Interessensbekundung in der Eventbranche Standard sei, um eine Überlastung der Systeme zu vermeiden. „Wenn es ein ‚first come, first served‘-System gäbe, würde die Website zusammenbrechen und Nutzer würden Fehlermeldungen erhalten“, so Brown. „Das wäre für alle eine schlechtere Erfahrung und im Grunde auch nur Zufall.“ Er betonte, dass es aus Sicht des Veranstalters keine bessere Lösung gebe, um eine so hohe Nachfrage zu bewältigen. Man wolle jedoch langfristig das Angebot erhöhen.
Auch bei den speziellen Aktivitäten innerhalb der Convention, wie Autogrammstunden oder Workshops, gab es Kritik. Nur etwa 2.000 der über 50.000 Teilnehmer konnten an solchen exklusiven Events teilnehmen. Brown verglich dies mit den Vorjahren und sagte, der Prozentsatz sei ähnlich. Er räumte ein, dass die Enttäuschung groß sei, wenn man sich für eine seltene Erfahrung bewerbe und nicht ausgewählt werde. „Wir wollen diese besonderen Erlebnisse anbieten und allen die gleiche Chance geben“, sagte er. „Aber wir müssen uns fragen, ob die seltene Erfahrung die Enttäuschung wert ist.“
Für die Zukunft denkt das Team bereits über Verbesserungen nach. So könnten Fans künftig Prioritäten angeben, wenn sie sich für mehrere Aktivitäten bewerben. „Es gibt einige offensichtliche Dinge, die wir besser machen können“, sagte Brown. „Aber es gibt auch ein grundsätzliches Problem: Das Angebot ist einfach geringer als die Nachfrage. Wie geht man damit um?“ Er sei offen für Vorschläge, aber niemand in der Branche habe dieses Problem bisher wirklich gelöst.
Trotz der Engpässe betont Brown, dass es auf der Convention zahlreiche Angebote ohne Anmeldung gebe, darunter Stände von Partnern, Aktivitäten nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, Panels mit Gästen wie Aardman Animations und sogar ein Auftritt von Tsunekazu Ishihara, dem Präsidenten und CEO von The Pokémon Company. Die Veranstalter hoffen, dass die Vielfalt des Programms die Enttäuschung über verpasste Aktivitäten mildert.
Für die Zukunft will sich The Pokémon Company vor allem am Feedback der Besucher orientieren. Nach jedem Event werden Umfragen ausgewertet und in einen Net Promoter Score umgerechnet. Allein von den Weltmeisterschaften 2025 seien mehr als 3.000 Textantworten eingegangen, die das Team vollständig lese. „Das Pin-Trading war im letzten Jahr einer der am besten bewerteten Programmpunkte“, sagte Brown. „Deshalb haben wir nun zwölf Tauschstationen und 300.000 kostenlose Pins.“



