Kultur 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
«Lanterns»: Rückblick auf Episode 3 – Die düstere Herkunft von John Stewart
Die dritte Folge der DC-Serie «Lanterns» erzählt die ungewöhnliche und verstörende Kindheit von John Stewart. Die Episode springt in die 80er- und 90er-Jahre und zeigt, wie seine Eltern ihn zum Superhelden formten – mit Methoden, die an Missbrauch grenzen.
Die DC-Serie «Lanterns» überrascht in ihrer dritten Folge mit einem ungewöhnlichen Erzählkniff: Statt die Handlung um den mutmaßlich ermordeten Hal Jordan fortzuführen, springt die Episode zurück in die 80er- und 90er-Jahre und widmet sich vollständig der Herkunftsgeschichte von John Stewart. Was zunächst wie ein bloßer Flashback wirkt, entpuppt sich als bislang stärkstes Kapitel der Staffel – und als radikale Abkehr von vertrauten Superhelden-Klischees.
Die Folge zeigt John als Kind, dessen Eltern John Sr. und Bernadette fest entschlossen sind, ihren Sohn zu einem Pionier zu machen. Beide werden als starke, charismatische Vorbilder dargestellt, die ihrem Sohn einreden, dass er in einer Welt, die ihn nicht wertschätzt, um Gehör kämpfen muss. Bernadette wird dabei zur Stimme der rassistischen Themen der Serie: Sie erinnert Vater und Sohn immer wieder daran, dass sie sich Gehör verschaffen müssen, weil das Universum sie nicht respektiert.
Doch die Kehrseite dieser Erziehung ist erschütternd. Die Eltern schießen Äpfel vom Kopf ihres Sohnes und setzen ihn auf der falschen Seite von Chicago aus, damit er lernt, sich allein durchzusetzen. Die Besessenheit, aus John einen Superhelden zu formen, gleicht einer militärischen Ausbildung – und grenzt laut der Serie an Kindesmissbrauch. Auch die anderen Söhne der Familie bleiben von dieser strengen Erziehung nicht verschont.
Die Darstellung von J. Alphonse Nicholson und Nicole Ari Parker ist dabei bemerkenswert nuanciert: Ihre Figuren sind gleichzeitig liebevolle Eltern und tyrannische Kontrolleure. Parker gelingt es besonders gut, die Widersprüche ihrer Figur sichtbar zu machen – eine Frau, die einerseits um Gleichberechtigung kämpft, andererseits ihre Kinder mit fragwürdigen Methoden drillt.
Aaron Pierre überzeugt erneut als erwachsener John Stewart, der in Rückblenden mit seiner militärischen Karriere und einem wichtigen Vorstellungsgespräch ringt. Die Serie zeigt, wie der stoische Charakter innerlich mit den Traumata seiner Kindheit kämpft – eine Leistung, die leicht hätte langweilig wirken können, hier aber beeindruckend umgesetzt ist.
Die Episode führt zudem Laura Linney als menschliche Verkörperung eines Guardians of Oa ein. Ihre Figur wirkt auf den ersten Blick gewöhnlich, entpuppt sich aber als deutlich außerirdisch – ein Kunstgriff, den die Serie bereits in der zweiten Folge nutzte. Die Dialoge zwischen ihr und John eröffnen neue Perspektiven auf die Rekrutierung in das Green Lantern Corps.
Bemerkenswert ist, wie wenig die Serie sich an den Comics orientiert. Nur wenige Elemente wie der prägende Einfluss der Mutter und die Beobachtung durch die Guardians stammen aus den Vorlagen. Der Rest der Herkunftsgeschichte ist neu erfunden – ein Risiko, das sich auszahlt, weil es eine frische, ungewöhnliche Erzählung ermöglicht.
Für aufmerksame Zuschauer gibt es zudem einige Easter Eggs: Johns Attentatsziel Gray Wolf stammt aus den «Batman Incorporated»-Comics, und ein Poster der fiktiven Firma Janus Cosmetics verweist auf den kommenden «Clayface»-Film. Solche Details zeigen, wie eng die Serienmacher das DC-Universum verzahnen.
Am Ende bleibt eine kluge, kohärente Geschichte darüber, wie ein gewöhnlicher Junge für den wichtigsten Job des Universums geformt wird. Die Serie wirft dabei die Frage auf, ob John Stewart ohne diese brutale Erziehung nicht besser dran gewesen wäre – als Künstler, der sein Leben selbst bestimmt. Doch mit Eltern wie diesen bleibt ihm keine Wahl.



