Der Rapper Danger Dan und der Starpianist Igor Levit sollten in der Jubiläumsausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ einen neuen Song präsentieren. Doch der Sender strich den Auftritt kurz vor der Aufzeichnung – mit der Begründung, der Text könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Der Fall hat eine Debatte über die Grenzen der Kunstfreiheit und den Umgang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit politisch brisanten Inhalten ausgelöst.

Die 100. Ausgabe von „Die Anstalt“ am 21. Juli sollte sich mit politischer Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie befassen. Danger Dan war eingeladen, den Song „Keine Angst“ vorzutragen, der zum Widerstand gegen Rechtsextremismus aufruft. Nach Angaben des ZDF habe man sich intensiv mit dem Text beschäftigt, auch die Geschäftsleitung sei einbezogen gewesen. Letztlich sei man zu dem Schluss gekommen, dass der Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance nicht mehr aufzulösen gewesen wäre.

Der Song „Keine Angst“ wurde in der Nacht auf Freitag veröffentlicht. Er liest sich wie eine Anleitung, wie man sich gegen Nazis und Faschisten zusammenschließen kann, ohne ins Visier von Rechtsextremisten oder Sicherheitsbehörden zu geraten. „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras“, heißt es darin. „Nie ohne Handschuhe, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen.“ An einer anderen Stelle singt Danger Dan: „Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“ und „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“ Am Ende schickt er „liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“ – eine Anspielung auf die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei Mitstreiter, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Danger Dan, mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz, ist Mitglied der Band Antilopen Gang und bekannt für sein Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Der Titelsong machte bereits vor fünf Jahren Schlagzeilen, als er ihn gemeinsam mit Levit im „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann vorstellte. In dem Stück lotete der Rapper ebenfalls die Grenzen des Erlaubten aus. Der 43-Jährige, der aus Aachen stammt, engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Mit Levit trat er unter anderem beim Festival „Jamel rockt den Förster“ in Mecklenburg-Vorpommern auf, das auf die Neonazi-Szene aufmerksam macht.

Der Rapper reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung des ZDF. „Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen“, schrieb er auf Instagram. Er und Levit hätten einen unverhofften freien Tag in München gehabt, wegen der Absage. Eine offizielle schriftliche Begründung habe man vom Sender bislang nicht erhalten. Das Lied habe dem ZDF seit Wochen vorgelegen, betonte Danger Dan. Er sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit und vermutet politische Gründe hinter der Entscheidung. In einem Interview mit dem „Spiegel“ sagte er, er rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Er verabscheue Gewalt. „Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität.“

Die Macher von „Die Anstalt“ nannten die Entscheidung des ZDF auf Instagram „mutlos“. „Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren“, hieß es – gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme. Das ZDF kündigte an, sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied zu befassen und es an anderer Stelle im Programm aufzuarbeiten. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie weit darf ein Songtext gehen, wenn er sich gegen Rechtsextremismus richtet? Und wo liegt die Grenze zwischen Kunstfreiheit und einem möglichen Gewaltaufruf? Die Diskussion darüber dürfte noch andauern.