Das Lollapalooza-Festival in Berlin hat am Wochenende rund 50.000 Besucherinnen und Besucher angezogen, die bei sommerlichen Temperaturen und später leichtem Regen ausgelassen feierten. Auf dem Gelände rund um das Olympiastadion herrschte Partystimmung, die Dancefloors waren gut gefüllt. Die Gäste präsentierten sich in bunten Outfits, mit Glitzer, Cowboystiefeln und kreativen Verkleidungen. Nach Angaben der Veranstalter waren gut zwei Drittel der Festivalbesucher Frauen. Viele Eltern hatten ihre Kinder mitgebracht, für die ein großer Spielbereich eingerichtet worden war.
Besonders großer Andrang herrschte am Samstagabend beim Auftritt des US-Rappers Pitbull. Zahlreiche Fans trugen Sonnenbrille, weißes Hemd, Krawatte und eine Fake-Glatze aus Latex – eine inzwischen typische Hommage an den Musiker. «Es geht darum, sich selbst einfach mal nicht zu ernst zu nehmen, zu feiern und eine gute Zeit zu haben», sagte Pitbull-Fan Mila der Deutschen Presse-Agentur vor dem Konzert. «Natürlich kann man sich für Festivals immer hübsch machen und herausputzen. Aber man kann sich nicht immer als Pitbull verkleiden.» Sowohl sehr junge Fans als auch ältere Besucher über 30, die mit dem Rapper groß geworden sind, feierten zu Hits wie «Hotel Room Service» und «On the Floor». Der US-Star suchte auf der Bühne immer wieder intensiven Körperkontakt zu seinen Tänzerinnen und begrüßte unter den Zuschauern explizit alle «Glatzköpfe».
Ein Kontrastprogramm bot der britische Singer-Songwriter Tom Odell, der ruhige Balladen am Klavier zum Besten gab. Die schwedische Sängerin Zara Larsson holte eine Konzertbesucherin auf die Bühne und tanzte mit ihr zu «Lush Life». Die britische Sängerin Lily Allen performte ihre Lieder als kleine Szenen zwischen verschiedenen Möbelstücken, die auf der Bühne standen. Auf ihrem aktuellen Album «West End Girl» verarbeitet die 41-jährige Musikerin ihre Trennung von US-Schauspieler David Harbour in allen Details, bis hin zu sexuellen Vorlieben. Passend zu dem Thema holte Allen auf der Bühne diverse Sexspielzeuge heraus. Dem deutschen Sänger Zartmann jubelten am Sonntagmittag besonders viele Zuschauerinnen zu.
Für den Abend waren unter anderem Konzerte der neuseeländischen Popsängerin Lorde, bekannt für ihren Hit «Royals», und des schottischen Sängers Lewis Capaldi («Someone You Loved») angekündigt. Als es am Abend zu regnen begann, öffneten die Veranstalter das Olympiastadion für die Gäste. Die Bühnen befanden sich alle außerhalb des Gebäudes, aber wer sich vor dem Regen schützen wollte, konnte auf den Rängen unterkommen, wie eine Sprecherin erklärte. Auf das Bühnenprogramm hatte der Regen vorerst keine Auswirkungen. «Es läuft alles normal weiter», sagte die Sprecherin. Mit einem Gewitter rechne man nicht, ein Meteorologe sei vor Ort und behalte die Lage im Auge. Die Gäste würden über Push-Benachrichtigungen in der Festival-App und über Bildschirme auf dem Gelände über wichtige Hinweise informiert.
Das Lollapalooza-Festival wurde 1991 von Perry Farrell, Sänger der Band Jane's Addiction, in den USA ins Leben gerufen. 2015 feierte das Event auf dem Tempelhofer Feld in Berlin seine Europa-Premiere. Seit 2018 findet das Festival auf dem Olympiagelände statt. In diesem Jahr fanden innerhalb des Stadions keine Konzerte statt. Die Stimmung unter den Besuchern war durchweg positiv, viele lobten die Organisation und das abwechslungsreiche Line-up, das von Pop und Hip-Hop über Indie bis zu ruhigeren Singer-Songwriter-Klängen reichte. Das Festival gilt als eines der größten und beliebtesten Musikereignisse in der deutschen Hauptstadt und zieht jedes Jahr ein generationsübergreifendes Publikum an.



