Neue Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke und die Asiatische Buschmücke werden sich nach Einschätzung von Experten auch in Sachsen dauerhaft etablieren. Der Insektenkundler Matthias Nuß, Leiter der Abteilung Museum für Tierkunde in den Naturhistorischen Sammlungen Dresden, erklärte, dass die Modellierungen für die Tigermücke darauf hindeuten, dass sie sich hier fest etablieren wird. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis weitere Fundpunkte innerhalb Dresdens und in anderen Ortschaften auftauchen. Zunehmend mildere Winter begünstigen diese Entwicklung zusätzlich.
Im Jahr 2025 führten Nuß und sein Team ein umfassendes Monitoring des Mückenvorkommens im Großraum Dresden durch. Dabei wiesen sie 25 der in Deutschland bekannten 53 Mückenarten nach. Die Ergebnisse werden derzeit zusammengefasst und sollen noch in diesem Jahr in einer Fachpublikation veröffentlicht werden. Besonders die Asiatische Buschmücke ist bereits weit verbreitet, wie das Team anhand eingesendeter Proben nachweisen konnte. Die Daten, die auf dem Mitmach-Portal „Insekten-Sachsen“ online einsehbar sind, zeigen Nachweise für die Buschmücke neben dem Großraum Dresden auch in Meißen, Döbeln, Chemnitz, dem Erzgebirge und dem Vogtland.
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) sind deutlich kleiner als die in Deutschland verbreitete Gemeine Hausmücke. Sie sind an ihrem auffälligen schwarz-weißen Muster erkennbar. Während die Buschmücke der Tigermücke zum Verwechseln ähnlich sieht, ist sie weniger gefährlich. Grundsätzlich kann auch die Buschmücke tropische Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen, jedoch nicht mit der Zuverlässigkeit der Tigermücke, so Nuß.
Bislang finden sich die neuen Mückenarten vor allem im Siedlungsraum. Funde in der freien Natur gibt es bisher nicht. In dichten Siedlungsräumen finden die Insekten ideale Bedingungen vor, erklärte Nuß. Das sächsische Gesundheitsministerium und die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) haben eine Informationsinitiative gestartet, um die Bevölkerung für die neue Mückenart und die damit verbundenen Gefahren zu sensibilisieren. Ein entsprechender Flyer wurde im April veröffentlicht. „Nur wenn auch auf privaten Grundstücken mögliche Brutstätten für die Asiatische Tigermücke entfernt werden, kann diese erfolgreich eingedämmt werden“, betonte eine Sprecherin.
Die Tigermücke nutzt bereits kleinste Wasseransammlungen als Brutstätte – etwa Blumentopfuntersetzer, Kinderspielzeug und Regentonnen. Anders als in Südeuropa, etwa in Frankreich, ist in Deutschland bisher noch keine lokale Übertragung von Krankheitserregern wie Dengue- oder Chikungunya-Virus durch die Tigermücke bekannt geworden, heißt es aus dem Ministerium. Experten halten dies jedoch nur für eine Frage der Zeit. Die Tigermücke kann Erreger nur übertragen, wenn sie sich selbst vorher an einem erkrankten Blutwirt infiziert.
Neue Fundorte abseits des bekannten Vorkommens der Tigermücke in der Dresdner Neustadt sind dem Ministerium und der LUA bislang nicht bekannt. Wie im vergangenen Jahr überwacht die Behörde auch in diesem Sommer das betroffene Gebiet mit Mückenfallen. Im Jahr 2025 wurden in den Fallen nach LUA-Angaben 17 Asiatische Tigermücken gefangen. Zusätzlich haben Anwohner einige aus der Luft gefangene Tigermücken abgegeben und von Belästigungen berichtet. Insektenforscher Nuß verweist auf eine dünne Datenlage. Da ein flächendeckendes Monitoring nicht stattfinde, sei nicht klar, wo genau die Tigermücke bereits heimisch ist.
Das Ministerium ruft die Bevölkerung daher zur Mithilfe auf. Bürgerinnen und Bürger sollen helfen, die Vorkommen der Mücke einzudämmen, und Funde melden. Möglich ist das über Bildeinsendungen per E-Mail an die Landesuntersuchungsanstalt. Auch ganze Exemplare können eingesendet werden. Um das Insekt eindeutig zu bestimmen, darf es nicht beschädigt werden, so Nuß. Am besten sei es, die Mücke mit einem Glas einzufangen und über Nacht ins Kühlfach zu packen. Die so getötete Mücke könne dann etwa in einer Streichholzschachtel versendet werden – an die Landesbehörden oder auch an den sogenannten Mückenatlas. In diesem Projekt untersucht Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Brandenburg seit 2012 Mücken aus ganz Deutschland.
Ende Juni hat die Flugzeit der Tigermücke begonnen, so Mückenexperte Nuß. Bis Ende September seien Exemplare im vergangenen Jahr noch nachgewiesen worden. Anders als die in Deutschland am häufigsten vorkommende Hausmücke, deren Weibchen in warmen Kellerräumen überwintern, kommt die Tigermücke erst im Sommer in Gang, wenn die ersten Exemplare aus ihren Eiern schlüpfen. Zumindest bislang habe das Wetter keine idealen Voraussetzungen für die Mückensaison geboten, sagte Nuß. Hohe Temperaturen seien für die Insekten zwar positiv. „Wenn es natürlich extrem trocken ist und die Wasserkörper austrocknen, dann gibt es keine Entwicklung mehr.“ Davon könnten sich die Insekten aber auch schnell erholen.



