Der «Grand Prix der Volksmusik» feierte vor genau 40 Jahren, am 12. Juli 1986, in Wien seine Premiere. Die von Musikmanager Hans R. Beierlein initiierte TV-Show entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Wettbewerbe der volkstümlichen Musikszene im deutschsprachigen Raum. Über 25 Jahre hinweg bot sie etablierten Künstlern eine Bühne, vor allem aber wurde sie zum Karrieresprungbrett für zahlreiche Nachwuchstalente, die ohne diesen Wettbewerb wohl nie den Durchbruch geschafft hätten.

Beierlein, der zuvor bereits Udo Jürgens groß gemacht hatte, erkannte in der Volksmusik ein brachliegendes Potenzial, um das sich niemand richtig kümmerte. Er entwickelte das Format als internationalen Wettbewerb, an dem Deutschland, Österreich und die Schweiz teilnahmen. Organisiert wurde er über die eigens gegründete Jury «Arbeitsgemeinschaft zur Förderung musikalischer Unterhaltung», die jährlich zwischen zwölf und sechzehn Titel auswählte, über die das TV-Publikum abstimmen durfte. Als Moderatoren fungierten drei der beliebtesten TV-Moderatoren ihrer Länder: Karl Moik für Österreich, Carolin Reiber für Deutschland und Sepp Trütsch für die Schweiz.

Die Premiere in Wien geriet für die deutschen Vertreter zum Debakel: Maria Hellwig landete auf dem letzten Platz, Heino auf dem vorletzten, auch Marianne & Michael blieben chancenlos. Den Sieg holte die Schweizerin Nella Martinetti mit ihrem selbstverfassten Song «Bella Musica». Der Wettbewerb zeigte damit früh, dass nicht allein prominente Namen zählten. Ähnlich wie später beim Eurovision Song Contest bot der Grand Prix vor allem Nachwuchstalenten eine Bühne. Etablierte Künstler wie Heino, der nach seinem Debakel nie wieder teilnahm, scheuten den Wettbewerb eher.

Zu den größten Gewinnern zählt ohne Zweifel Stefanie Hertel. Die Vogtländerin stand zwar schon als Kind mit ihrem Vater Eberhard auf der Bühne und war im DDR-Fernsehen zu sehen, doch den entscheidenden Karriereschub brachte der Grand Prix. Nachdem sie 1991 zunächst den fünften Platz belegt hatte, gewann sie ein Jahr später mit «Über jedes Bacherl geht a Brückerl» den Wettbewerb. Auch Stefan Mross verdankt dem Wettbewerb einen Karriereschub – und mehr: 1989 gewann er, damals gerade mal 13 Jahre alt, mit «Heimwehmelodie», ein Jahr später lernte er bei der deutschen Vorentscheidung Hertel kennen – der Beginn einer der bekanntesten Beziehungen der Schlagerszene. Beide entwickelten sich in den folgenden Jahren zu festen Größen im Fernsehen, 1995 traten sie gemeinsam beim «Grand Prix der Volksmusik» an und belegten mit dem Titel «Ein Lied für jeden Sonnenstrahl» den zweiten Platz.

Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte besitzen die Kastelruther Spatzen. Südtirol schickte erst ab dem Jahr 2000 heimische Künstler zum Wettbewerb, die Südtiroler Band trat 1990 aber für Deutschland an. Die Formation um Frontmann Norbert Rier hatte bereits erste Erfolge gefeiert, doch erst ihr Sieg mit dem Titel «Tränen passen nicht zu dir» machte die Kastelruther Spatzen zu Superstars des Genres. Bis heute gelten die Südtiroler als erfolgreichste deutschsprachige Gruppe des volkstümlichen Schlagers. Auch das Original Naabtal Duo schaffte dank des Wettbewerbs den Durchbruch: Wolfgang Edenharder und Willi Seitz gewannen 1988 für Deutschland mit «Patrona Bavariae». Der Titel entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Lieder der volkstümlichen Musik und machte das Duo weit über Bayern hinaus bekannt.

Für die Jungen Klostertaler war der Grand Prix ebenfalls der Wendepunkt. Die Vorarlberger Formation existierte bereits seit den 1970er-Jahren, doch erst der Sieg 1993 mit «An a Wunder hob i g'laubt» brachte den großen Durchbruch. Auch Maximilian Arland startete seine Karriere auf der Grand-Prix-Bühne. Gemeinsam mit seinem Bruder Hansi und Vater Henry gewann er 1994 mit «Echo der Berge» den Wettbewerb. Später trat er insgesamt fünfmal beim Grand Prix an und etablierte sich anschließend als Moderator zahlreicher Musiksendungen. Eine ähnliche Entwicklung nahm Francine Jordi: Die Schweizer Sängerin gewann 1998 mit «Das Feuer der Sehnsucht». Der Erfolg machte sie zu einer festen Größe im Schlager und in zahlreichen Fernsehshows; so moderierte sie unter anderem 2008 den «Grand Prix der Volksmusik», zehn Jahre nach ihrem Sieg.

25 Ausgaben lang lief der Grand Prix, 2010 wurde in Wien zum letzten Mal ein Sieger gekürt: das deutsche Duo Belsy und Florian Fesl. Danach war Schluss: Im September des Jahres verkündeten die austragenden Sender ARD, ORF und SRF das Ende des Wettbewerbs. Der «Grand Prix der Volksmusik» bleibt jedoch als prägende Institution der volkstümlichen Musik in Erinnerung, die vielen Künstlern den Weg zu einer erfolgreichen Karriere ebnete und das Genre nachhaltig prägte.