In der ukrainischen Hafenstadt Odessa hat ein Unbekannter am Abend in einem Rekrutierungszentrum das Feuer auf Angestellte eröffnet. Vier Männer wurden verletzt, einer von ihnen schwer, wie örtliche Medien berichteten. Der Schütze flüchtete zunächst; die Polizei spürte ihn später in seiner Wohnung auf, wo er sich verschanzt hatte, und nahm ihn fest. Über sein Motiv lagen zunächst keine Informationen vor.
Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund erneuter russischer Luftangriffe. Bei zwei Gleitbomben-Explosionen in Saporischschja wurden nach Angaben von Regionalverwalter Iwan Fedorow mindestens zwei Menschen getötet und elf weitere verletzt. Mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt. In Cherson kam eine Frau ums Leben, als eine russische Drohne ein Auto traf; zwei weitere Insassen wurden verletzt.
Im Gegenzug weitete die Ukraine ihre Angriffe auf strategische Ziele in Russland aus. In Nowosemeikino trafen Drohnen in der Nacht ein Warenlager des Versandhändlers Wildberries. Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigten gewaltige Rauchschwaden und Flammen. Offizielle Schadensangaben liegen bislang nicht vor. Es wäre bereits das elfte von 25 Wildberries-Lagern, das in den vergangenen Wochen durch ukrainische Angriffe zerstört wurde. Mit einer Lagerfläche von 178.000 Quadratmetern wäre es zugleich das drittgrößte betroffene Lager.
Zum Ziel wurde auch eine Ölraffinerie in der russischen Region Saratow, rund 600 Kilometer von der Front entfernt. Bislang unbestätigten Berichten zufolge brach dort ein Brand aus. Die Anlage war bereits mehrfach Ziel von Angriffen. Sie verarbeitet jährlich etwa sieben Millionen Tonnen Rohöl und beliefert auch die russische Armee mit Treibstoff. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurde außerdem der Luftwaffenstützpunkt Engels II attackiert, der ebenfalls in der Region Saratow liegt. Dort sind Langstreckenbomber stationiert, mit denen Russland ukrainische Städte angreift.
Im Mittelmeer hat eine von Italien geführte EU-Mission einen Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte kontrolliert. Der unter der Flagge Kameruns fahrende Tanker «Toa Payoh» war westlich von Pantelleria auf dem Weg von Benin nach Istanbul abgefangen worden. Der Tanker steht unter EU-Sanktionen. Da der Kapitän nicht kooperierte, stiegen italienische Soldaten von einem Hubschrauber aus auf das Schiff, um die Nationalität und die Flaggenregistrierung zu überprüfen. Mit den Sanktionen will die EU verhindern, dass Russland Beschränkungen für seine Ölexporte umgeht.
Unterdessen ist in Moskau die Zahl der Toten nach der Explosion vor dem Luxusrestaurant «Balzi Rossi» vom Samstag auf fünf gestiegen. Sechs weitere Verletzte schweben nach übereinstimmenden russischen Medienberichten in Lebensgefahr. Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von einem Terroranschlag und kündigte an, die Täter würden mit Sicherheit gefunden und bestraft. Die Ermittlungen des Nationalen Antiterror-Komitees dauern an. Bei drei der fünf Toten handelt es sich nach Behördenangaben um eine Frau, die verdächtigt wird, den Sprengsatz gebracht zu haben, sowie um einen Sicherheitsmitarbeiter und einen Gast.
Russische Militärblogger brachten den Anschlag mit einer Geburtstagsfeier in Verbindung. Demnach soll ein General in dem Restaurant seinen 55. Geburtstag gefeiert haben; genannt wird Alexander Tschajko, seit Mai Chef der russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte. Unter den Gästen sollen ranghohe Geheimdienstler, Beamte und Generäle gewesen sein. Tschajko war zuvor stellvertretender Generalstabschef und wurde im März wegen seiner Rolle beim Massaker in Butscha mit EU-Sanktionen belegt.
Am Samstag traf eine russische Drohne zudem ein Warenhaus des ukrainischen Onlinehändlers Rozetka in der Region Kiew. Dabei wurde ein Arbeiter getötet, sieben weitere wurden teils schwer verletzt. Auf Fotos sind leichte Schäden an dem Gebäude und ausgebrannte Fahrzeuge des Unternehmens zu sehen. Die Ereignisse der vergangenen Stunden zeigen, dass der Krieg längst auch die Logistik- und Energieinfrastruktur beider Seiten erfasst hat.



