Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Lager des ukrainischen Online-Versandhändlers Rozetka in der Region Kiew ist ein Arbeiter getötet worden. Sieben weitere Beschäftigte wurden nach Angaben ukrainischer Medien verletzt, mehrere von ihnen schwer. Der Angriff gilt offenbar als Reaktion auf die wiederholten ukrainischen Attacken auf den russischen Versandhändler Wildberries.

Die Geran-Drohne schlug am Samstag in dem Gebäude ein. Auf Bildern, die über Telegram verbreitet wurden, sind leichte Schäden an dem Lager sowie mehrere ausgebrannte Fahrzeuge des Unternehmens zu sehen. Einzelheiten zu den Umständen des Einschlags und zum genauen Ausmaß der Zerstörung waren zunächst nicht bekannt. Die Region Kiew ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs immer wieder Ziel von Luftangriffen.

Der Angriff auf Rozetka fügt sich in eine Serie gegenseitiger Schläge auf Logistik und Energieinfrastruktur ein. Nach russischen Angriffen auf ukrainische Zivilinfrastruktur hat auch die Ukraine russische Energieanlagen und Transportwege ins Visier genommen. Erst am Vortag hatte die ukrainische Armee nach eigenen Angaben russische Treibstoffzüge weit hinter der Front attackiert. Die 20. Brigade erklärte, sie habe Diesel- und Benzintransporte für die russischen Einheiten mit Drohnen zerstört. Während der Feind friedliche Ukrainer terrorisiere und zivile Tankstellen an der Front zerstöre, würden die Besatzer überhaupt keinen Treibstoff mehr bekommen, hieß es in einer Erklärung der Brigade. In Russland hatte es zuletzt lange Schlangen vor Tankstellen gegeben.

Unterdessen hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Nach Medienberichten wurden dabei mindestens neun Menschen getötet und 23 weitere verletzt, darunter zwei Jugendliche. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf Telegram, in mehreren Bezirken seien Wohnhäuser und Gewerbegebäude beschädigt worden, Autos hätten gebrannt. Ein fünfstöckiges Wohnhaus sei durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden, in ihm seien Menschen eingeschlossen. Viele Bewohner verbrachten die Nacht in U-Bahnstationen. Das genaue Ausmaß der Schäden blieb zunächst unklar.

Auch im Schwarzen und im Asowschen Meer gingen die Angriffe weiter. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, ukrainische Streitkräfte hätten ein unter russischer Flagge fahrendes Schiff mit einer Ladekapazität von 100.000 Tonnen versenkt. Der russische Atomkonzern Rosatom bestätigte den Untergang. Das Schiff sei etwa 200 Kilometer vor Noworossijsk von zwei Drohnen getroffen worden, teilte Rosatom mit. Konzernchef Alexej Lichatschow bezeichnete das Schiff als gewöhnliches ziviles Containerschiff, das in internationalen Gewässern zivile Güter transportiert habe, und warf Kiew Piratentum und Seeräuberei vor. Die 17 Besatzungsmitglieder seien von einem anderen Schiff und Marinefliegern der russischen Schwarzmeerflotte gerettet worden.

Selenskyj berichtete zudem von Angriffen auf drei Raffinerien in der russischen Teilrepublik Baschkortostan. Republik-Chef Radi Chabirow teilte mit, Trümmer einer abgeschossenen ukrainischen Drohne seien in ein Industriegebiet in Ufa gestürzt. Es habe Rauchbildung gegeben, Verletzte habe es nicht gegeben.

In der Ukraine sorgt derweil die Einberufung des Kiewer Rappers Zipulya für Diskussionen. Der Musiker, bürgerlich Andriy Posysaev, soll in die Armee geholt worden sein. Sein Umfeld wirft den Behörden vor, die Mobilisierung sei illegal gewesen. Er habe die militärische Medizinkommission in fünf Minuten mit dem Ergebnis «diensttauglich» durchlaufen, obwohl er zuvor ein Internat für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen besucht habe. Weder ein Behindertenausweis noch eine Diagnose seien berücksichtigt worden. Zipulya wurde durch Internet-Songs wie «Nu nitchego straschnogo, tjau-tjau-tjau», «Rybaki vnizu lovyat okunya» und «Zanimayus sportom ya» bekannt.

US-Präsident Donald Trump beanspruchte unterdessen weitreichende Zugriffsrechte auf ukrainische Rohstoffe. In einem Interview mit dem rechten US-Sender Real America's Voice sagte Trump, die Ukraine verfüge über große Vorkommen an Seltenen Erden, die für die USA von Interesse sein könnten. Man habe dazu einen Vertrag geschlossen: «Wir können jederzeit einfach dort hingehen und uns alles nehmen, was wir wollen.» Trump nannte die Vereinbarung einen «sehr guten Deal».