Der deutsche Leitindex Dax hat erstmals die Marke von 26.000 Punkten überschritten. Den Impuls gaben die Aussicht auf neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran sowie die jüngste Erholung im Technologiesektor. Am Montag schloss der Dax mit einem Plus von 1,45 Prozent bei 26.001 Zählern und damit auf einem neuen Rekordstand.
Bereits kurz nach Handelsauftakt hatte der Index das Anfang Juli erreichte Hoch von 25.900,10 Punkten übertroffen. Gestützt wurde das Börsenbarometer vor allem von den Kursgewinnen der Schwergewichte SAP und Deutsche Telekom. Innerhalb von nur drei Wochen hat der deutsche Leitindex mehr als 1.300 Punkte gutgemacht, wie Birgit Henseler, Senior-Analystin bei der DZ Bank, anmerkte. «Den unmittelbaren Impuls liefert die geopolitische Entspannung», sagte sie. «Eine große Rolle spielt auch die Berichtssaison zum zweiten Quartal, die in den USA und in Europa bislang besser verläuft als erwartet.»
Auslöser der Marktbewegung war die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, neue Gespräche mit dem Iran führen zu wollen. Trump hatte am Wochenende einen nach seinen Worten größten Angriff des US-Militärs seit dem Zweiten Weltkrieg vorerst abgesagt, um Verhandlungen eine Chance zu geben. Die Gespräche sollten am Montagnachmittag beginnen, wie Trump ankündigte. Es blieb zunächst unklar, wo sie stattfinden sollen, wie lange sie dauern dürften und wer genau daran beteiligt ist. Aus dem Iran gab es in der Nacht zunächst keine Bestätigung für geplante Gespräche. Allerdings deutete Teheran an, dass die Verhandlungen, die darauf abzielen, mehr Schiffe durch die Straße von Hormus zu lassen, Fortschritte machten. Auch das umstrittene Atomprogramm des Iran soll Gegenstand der Gespräche sein.
Die Entspannungssignale drückten die Ölpreise kräftig. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober fiel zuletzt auf 83,36 US-Dollar und damit um 5,20 Prozent. Der Preis für die US-Sorte WTI gab noch etwas stärker nach. Dadurch schwinden Inflationsängste und zugleich die Sorge vor weiter steigenden Leitzinsen. Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies allerdings auf die weiterhin fragile Lage: «Viele wichtige Fragen im Irankonflikt sind ungeklärt. Die Anleger sind dennoch zuversichtlich, aber von Euphorie ist keine Spur.» Ein perspektivisch sinkender Ölpreis begünstige die zyklische und energieabhängige Industrie im Dax.
Hinzu kommt eine gut laufende Berichtssaison. Überwiegend gute Quartalszahlen von Unternehmen sowie die jüngste Erholung bei KI-Werten hatten dem Dax bereits Ende vergangener Woche Auftrieb gegeben. Mislav Matejka, Aktienstratege bei JPMorgan, hob hervor, dass das Gewinnwachstum auf beiden Seiten des Atlantiks besser ausfalle als erwartet. Alle Sektoren in den USA und fast alle in Europa zeigten ein höheres Wachstum beim Ergebnis je Aktie im Vergleich zum Vorjahresquartal. Besonders Technologieaktien legten zu, wobei dies mit starken Vorgaben von US-Technologiekonzernen begründet wurde. Zuletzt hatten Microsoft und Amazon mit ihren Quartalsberichten überzeugt.
In der neuen Woche dürfte die Berichtssaison weitere Impulse liefern. Allein bei rund der Hälfte der 40 Dax-Konzerne stehen Quartalszahlen an. Am Dienstag öffnen Bayer, Continental, FMC und Zalando ihre Bücher, am Mittwoch folgen Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon und Beiersdorf. Am Donnerstag berichten Commerzbank, Deutsche Telekom, Merck KGaA und Siemens, am Freitag Allianz, Daimler Truck und Munich Re.
Die aktuelle Erholung markiert zugleich das Ende einer Schwächephase. Mitte Juli war der Dax bis auf rund 24.650 Punkte zurückgefallen, nachdem die USA den Iran erneut angegriffen hatten und der Ölpreis der Nordseesorte Brent zeitweise wieder über die Marke von 100 Dollar gestiegen war. Seither hat der Index die Verluste wettgemacht und ein neues Rekordniveau erreicht. Ob die Rally anhält, dürfte maßgeblich von den weiteren Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie von den anstehenden Unternehmenszahlen abhängen.



