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Donnerstag, 17. September 2026 · Berlin

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Lebensstil 6 Min. Lesezeit Von

Herbstmode 2026: Was eine Fashion-Editorin jetzt wirklich kauft

Eine erfahrene Modejournalistin verrät, welche Stücke sie für den Herbst 2026 einplant – und warum die kommende Saison auf zeitlose Luxus-Basics und klare Statements setzt.

Herbstmode 2026: Was eine Fashion-Editorin jetzt wirklich kauft
I'm a Fashion Editor—Here's Everything I'm Shopping for Fall 2026

Wenn eine Mode-Editorin mit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung ihre persönliche Einkaufsliste für den Herbst 2026 vorlegt, lohnt sich der Blick. Kristen Nichols, Associate Director für Sonderprojekte beim Modemagazin Who What Wear, hat ihre Auswahl für die kommende Saison zusammengestellt. Ihr Urteil ist kein spontaner Trendkauf, sondern das Ergebnis jahrelanger Beobachtung von Runways, Luxusmarkt und Straßenmode.

Nichols verantwortet Luxus- und Runway-Inhalte, Hochzeitsstrecken sowie Shopping-Formate und Interviews mit Branchengrößen. Sie hat unter anderem mit Prada, Chanel, Tiffany & Co. und MyTheresa gearbeitet und aufstrebende Designer wie Refine und Tove begleitet. Ihre Karriere begann bei Rodarte, wo sie an Styling, Fotoshootings und Runway-Shows mitwirkte, bevor sie bei Allure in den Print- und Digital-Journalismus wechselte. Sie studierte Kunstgeschichte und Betriebswirtschaft an der University of Southern California und lebt in New York.

Diese Mischung aus Redaktion, Marktkenntnis und persönlichem Stil prägt ihre Herbstauswahl. Wer sich an ihren Empfehlungen orientiert, bekommt keine kurzlebigen Mikrotrends, sondern eine Garderobe, die mehrere Saisons trägt. Der Ansatz passt zu einem wachsenden Bewusstsein junger Konsumentinnen und Konsumenten für Qualität statt Quantität.

Der Herbst 2026 steht in der Modebranche ohnehin im Zeichen großer Namen. Das britische Modekomitee hat die Nominierten für die Fashion Awards 2026 bekannt gegeben. In der Königskategorie Designer of the Year konkurrieren Ashley und Mary-Kate Olsen für The Row, Anthony Vaccarello für Saint Laurent, Haider Ackermann für Tom Ford, Matthieu Blazy für Chanel, Michael Rider für Celine und Sarah Burton für Givenchy. Auch die Kategorien British Womenswear Designer, British Menswear Designer und der Vanguard Award wurden besetzt. Die Gewinner werden am 30. November verkündet.

Parallel bewegt sich die Branche an anderer Stelle: Nike hat den LVMH-Manager Alexandre Arnault in den Verwaltungsrat berufen. Arnault ist seit Februar 2025 stellvertretender CEO von Moët Hennessy und bringt Erfahrung in Innovation, digitaler Transformation und Markenaufbau mit. Nike-CEO Elliot Hill bezeichnete diese Kompetenzen als wichtigen Baustein für die nächste Wachstumsphase des Sportartikelherstellers. Der Schritt fällt zeitlich mit Nikes Ausscheiden aus dem S&P 100 am 21. September zusammen.

Auch die Medienwelt reagiert auf den Herbst: Mikey Madison ziert das zweite von drei Covern der Oktober-Ausgabe 2026 des US-Magazins Vogue. Fotografiert von Drew Vickers und gestylt von Carlos Nazario, trägt sie auf dem Titel eine Jacke von Prada und Schmuck von Tiffany & Co. Im Interview spricht sie über ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin, ihren Wunsch nach einer Familie und ihren kommenden Film «The Social Reckoning». Die Ausgabe erscheint am 29. September.

Ein anderes Thema beschäftigt die Industrie ebenfalls: Tieraktivisten von PETA haben während der New York Fashion Week auf dem Laufsteg der Marke COS protestiert und gefordert, den Verkauf von Wolle einzustellen. Sie behaupten, Schafe würden beim Scheren misshandelt. Eine breite Debatte über ein Wollverbot gibt es bislang kaum, denn Strickware boomt und der International Woolmark Prize gilt als eine der wichtigsten Talentförderungen der Mode. Selbst wenn die Branche morgen alle tierischen Fasern verbannen würde, bräuchte es Jahre, bis pflanzliche Alternativen die nötige Produktionsmenge erreichen.

Abseits der großen Häuser zeigt sich, dass Inklusion im Herbst 2026 kein Nischenthema bleibt. Die in Los Angeles ansässige Marke Gia/irl hat sich auf trendorientierte Kleidung in den Größen 10 bis 30 spezialisiert. Gründerin und CEO Gia Sinatra arbeitet nach einer ersten Brautkollektion nun mit dem Model und Content-Creator Emma Arletta an einer September-Kollektion, die bereits erhältlich ist. Es ist die erste Ready-to-Wear-Zusammenarbeit der Marke und Sinatras erste Kooperation mit einem Influencer überhaupt. Vorgestellt wurde die Kollektion während der New York Fashion Week in der Showroom-Präsentation der Schuhmarke Dolce Vita, die zugleich ihre Herbststiefel in drei verschiedenen Wadenweiten zeigte. Sinatra war dort als Passform-Model tätig und setzt sich weiter für mehr Größenvielfalt ein.

«Unsere Brautkollektion war so ein Erfolg, und Emmas Auge ist einfach perfekt», sagt Sinatra. «Wir arbeiten so gut zusammen, dass wir uns für eine Herbstkollektion entschieden haben.» Arletta ergänzt: «Sie war so erfolgreich, weil auch die großen Mädchen coole Klamotten wollen.» Genau dieser Satz beschreibt den roten Faden der Saison: Mode für den Herbst 2026 wird dann relevant, wenn sie Trends mit Tragbarkeit und Zugänglichkeit verbindet – ob auf dem Laufsteg, im Luxussegment oder in den Größen jenseits der klassischen Konfektion.

Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.