Junkr

Donnerstag, 17. September 2026 · Berlin

Suche

Kultur 6 Min. Lesezeit Von

Brandon Sanderson spricht über «Blightfall», «Wheel of Time» und George R.R. Martin

Bestsellerautor Brandon Sanderson hat in einem exklusiven Interview über seine Arbeitsweise, die Zusammenarbeit mit Janci Patterson an «Blightfall» und mögliche Adaptionen seiner Werke gesprochen. Der Fantasy-Autor verrät, wie er mehrere Projekte gleichzeitig jongliert und warum er sich nicht auf eine Lieblingsreihe festlegen lässt.

Brandon Sanderson spricht über «Blightfall», «Wheel of Time» und George R.R. Martin
Brandon Sanderson Talks Blightfall, Wheel of Time, and Games of Thrones in Exclusive Interview

Brandon Sanderson, einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren der Gegenwart, hat in einem ausführlichen Interview Einblicke in seine Arbeitsweise und seine aktuellen Projekte gegeben. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand «Blightfall», seine zweite Veröffentlichung des Jahres 2026, die in Zusammenarbeit mit der Co-Autorin Janci Patterson entstanden ist. Sanderson beschreibt die erneute Zusammenarbeit als «absolute Freude» und erklärt, dass er auf Pattersons Stimme zurückgreift, wenn er das Gefühl hat, dass einer Geschichte ein bestimmter Ton oder eine bestimmte Atmosphäre fehlt.

Die Frage, wie er es schafft, mehrere Bücher gleichzeitig zu betreuen, beantwortet Sanderson mit einem ehrlichen Blick auf die Herausforderungen des professionellen Schreibens. Als angehender Autor habe er Projekte noch einfach abgebrochen, wenn das Interesse nachließ. Heute liege die Hürde deutlich höher. «Man muss lernen, sich durch die schwierigen Teile durchzukämpfen, anstatt immer den einfachen Weg zu nehmen», sagt er. In der Regel schreibe er jeweils an einem neuen Buch, doch wenn ein Projekt wie «Blightfall» von seiner Co-Autorin zur Überarbeitung zurückkomme, unterbreche er die laufende Arbeit und widme sich vollständig der Revision, um keine Fristen zu verpassen.

Auf die Frage, ob er irgendwann kürzer treten wolle, antwortet Sanderson mit einer nachdenklichen Perspektive auf die Endlichkeit künstlerischer Möglichkeiten. «Die große Tragödie der Kunst ist, dass es nie genug Zeit gibt – und nie genug Zeit geben wird –, um all das zu tun, was man tun möchte», erklärt er. Er sehe sich nicht langsamer werden, doch der kreative Prozess und die Veröffentlichungspläne seien unvorhersehbar. Manchmal erscheine ein Buch, an dem er jahrelang nicht gearbeitet habe, plötzlich auf dem Markt, was ihn produktiver erscheinen lasse, als er tatsächlich sei. «Die Leute vergessen die Jahre, in denen nur ein Buch oder gar keines erschienen ist», so Sanderson.

Für «Blightfall» hat sich Sanderson bewusst für die Young-Adult-Schiene entschieden. Die Geschichte handelt von Jugendlichen, die auf einem Planeten, auf dem der Krieg einen Großteil der älteren Bevölkerung das Leben gekostet hat, vorzeitig Führungsrollen übernehmen müssen. Diese Prämisse sei von Natur aus jugendbuchtauglich und passe zu den Themen des Romans. Ähnlich wie bei seiner «Skyward»-Reihe, die in den USA als YA und in Großbritannien als Erwachsenenliteratur veröffentlicht wurde, liegt der Fokus auf jungen Protagonisten in extremen Situationen.

Eine Lieblingsreihe oder ein Lieblingsbuch wollte Sanderson nicht benennen. «Nein! Darauf lasse ich mich nicht festnageln. Alle meine Kinder werden gleichermaßen geliebt», sagt er mit einem Augenzwinkern. Seine Schreibprozess habe sich über die Jahre zunehmend bewusster gestaltet. Als neuer Autor habe er oft nicht sagen können, warum eine Szene funktionierte und die nächste auseinanderfiel. Nach zwanzig Jahren als Profi könne er besser einschätzen, was funktionieren werde, und wenn nicht, sei die Analyse des Scheiterns aufschlussreicher.

Inspiration findet Sanderson nach eigener Aussage überall. Häufig stelle er sich die klassischen «Was wäre, wenn»-Fragen der Science-Fiction und Fantasy. Für seine aktuellen Bücher habe er sich gefragt: «Was wäre, wenn die Menschen ins All aufbrächen und nicht als friedliches Mitglied der Gemeinschaft aufträten, sondern versuchten, die Galaxis zu erobern?» Oder: «Was wäre, wenn das dein Vermächtnis wäre? Wie würdest du es ändern?» Er suche nach Perspektiven auf Fragen, die er so noch nicht in anderen Medien gesehen habe.

Adaptionen seiner Werke spielen beim Schreiben nach eigener Aussage keine Rolle. «Ich denke nie wirklich über Adaptionen nach, während ich die Geschichte schreibe», betont er. Wenn der Roman gut genug sei, werde man später einen Weg finden, ihn zu adaptieren. Film und Fernsehen seien andere Medien als Bücher, und es werde Anpassungen geben müssen. Es wäre «Wahnsinn», ein Buch zu schreiben, das «adaptierbarer» sein solle. Zuvor hatte Sanderson in diesem Jahr bekannt gegeben, dass «Skyward» als TV-Serie umgesetzt wird. Auch eine mögliche Videospiel-Adaption seiner Bücher sowie die lang erwartete «Mistborn»-Verfilmung bleiben Themen, die seine Fans weltweit verfolgen.

Neben seinen Romanen hat Sanderson in den vergangenen Jahren auch im Bereich der Tabletop-Spiele mit Brotherwise Games zusammengearbeitet. Ob ähnliche Projekte für das Cosmere-Universum geplant sind, ließ er in dem Gespräch offen. Klar ist jedoch, dass der Autor weiterhin an mehreren Fronten gleichzeitig arbeitet und sein Publikum mit neuen Geschichten versorgt – ohne sich dabei von Erwartungen oder dem Druck des Marktes aus dem Konzept bringen zu lassen.

Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.