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Dienstag, 11. August 2026 · Berlin

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Mit diesem Tool kannst du Finsternisse bis 2126 vorspulen

Der neue Eclipse Almanac aus der Ukraine macht aus 457 Himmelsereignissen einen Player: Stadt auswählen, Zeit ziehen, zwischen schöner Ansicht und Nerd-Daten wechseln.

Mit diesem Tool kannst du Finsternisse bis 2126 vorspulen
NASA Scientific Visualization Studio

Wenn dir die Sonnenfinsternis am 12. August zu kurz ist, kannst du sie jetzt einfach langsamer laufen lassen — zumindest im Browser. Die Ukrainian Private Space Agency hat mit dem Eclipse Almanac einen kostenlosen Simulator veröffentlicht, der 457 Sonnen- und Mondfinsternisse bis 2126 enthält.

Den ersten großen Bericht zum Projekt hat Science Official veröffentlicht. Im Katalog stecken Sichtbarkeitsdaten für 284 Städte. Du kannst also nicht nur schauen, wann irgendwo auf der Erde eine Finsternis stattfindet, sondern was an einem bestimmten Ort davon übrig bleibt.

Die Oberfläche fühlt sich eher wie ein Player als wie ein Astronomie-Lehrbuch an. Auf der Zeitleiste liegen die wichtigen Phasen, die Geschwindigkeit geht von Echtzeit bis 3.600-fach, und während einer echten Finsternis kann sich die Anzeige mit dem aktuellen Moment synchronisieren.

Dazu kommen drei Ansichten. „Weit“ zeigt den Himmel mit Sonne, Mond, Sternen und Planeten. „Nah“ zoomt auf die Scheiben und zeigt die dramatischen Momente rund um Totalität. In der Datenansicht wird es nerdig: Kontaktzeiten, Winkel, Höhe über dem Horizont und Azimut.

Das Entscheidende: Laut Projekt läuft dahinter kein fertiges Video. Astronomy Engine berechnet die Positionen im Browser. Wenn du die Zeit verschiebst oder die Stadt wechselst, ändert sich die Geometrie. WebGL macht daraus die Grafik.

Damit kann man ziemlich schnell verstehen, warum eine Sonnenfinsternis in Social Media überall gleich aussehen mag, aber in der Realität extrem ortsabhängig ist. Reykjavik bekommt am 12. August Totalität. Mehrere spanische Städte ebenfalls. In Deutschland bleibt die Sonne teilweise sichtbar, und weiter östlich wird der Sonnenuntergang zum Problem.

Die Ukraine liefert ein extremes Beispiel. Dort hat das Projekt 515 Punkte geprüft und findet bis 2126 keine einzige beobachtbare totale Sonnenfinsternis. Morgen bekommt Uzhhorod immerhin ungefähr 47 Prozent Bedeckung, Lwiw rund 43 Prozent. Kiew sieht nur einen kleinen Rest der partiellen Phase direkt am Horizont.

Noch überraschender: Insgesamt bekommen nur 70 von 284 Städten im Katalog innerhalb von hundert Jahren wenigstens eine totale Sonnenfinsternis. Drei Viertel gehen leer aus. Reykjavik hat laut Almanach genau eine — die morgige.

Natürlich ist nicht alles im Bild eine Zukunftsvorhersage. Die Wolken sind Deko, nicht Wetter. Die Korona wird typisch dargestellt, aber niemand kann ihre exakte Form für ein Ereignis Jahrzehnte im Voraus kennen.

Wenn du morgen wirklich nach oben schaust, brauchst du spezielle Finsternisbrillen. Normale Sonnenbrillen sind keine Lösung, und Kamera oder Fernglas ohne passenden Filter sind sogar besonders gefährlich.

Der Eclipse Almanac ist auf vier Sprachen verfügbar und braucht keinen Account. Perfekt für den Moment, in dem du eigentlich nur „kurz“ wissen willst, was morgen passiert — und zehn Minuten später bei einer Finsternis im Jahr 2093 gelandet bist.

Moritz Albrecht

Autor

Redakteur vom Dienst

Moritz Albrecht berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.