Lebensstil 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Hautpflege ohne Retinoide: Dermatologin erklärt Alternativen für empfindliche Haut
Wer Retinoide nicht verträgt, muss auf Anti-Aging nicht verzichten. Dermatologin Dr. Justine Hextall und Beauty-Expertin Sali Hughes erklären, warum Konsistenz wichtiger ist als das perfekte Retinol – und welche Alternativen für empfindliche Haut geeignet sind.
Retinoide gelten als die am besten belegten Wirkstoffe gegen sichtbare Hautalterung. Wer empfindliche Haut hat, reagiert auf die Vitamin-A-Verbindungen jedoch oft mit Trockenheit, Rötungen, Brennen oder gereizten Stellen. Statt die Anwendung abzubrechen, raten viele Beauty-Experten im Netz dazu, einfach das «richtige Retinol» zu finden oder die anfänglichen Beschwerden «durchzustehen». Beauty-Journalistin Sali Hughes hält das für den falschen Weg.
In ihrer Beauty-Kolumne schreibt Hughes, nicht jeder könne Retinoide verwenden – und trotzdem gute Ergebnisse erzielen. Sie beruft sich auf die Dermatologin Dr. Justine Hextall, die Retinoide zwar täglich verschreibt, aber auch Patientinnen und Patienten kennt, für die es einen verträglicheren Weg gibt. «Retinoide sind wirksam, aber sie können schwer zu tolerieren sein und werden bei empfindlicher Haut möglicherweise nicht konsequent angewendet», zitiert Hughes die Ärztin. «Konsistenz ist der Schlüssel in der Hautpflege.»
Der Kern des Problems liegt im Wirkmechanismus: Retinoide beschleunigen die Zellerneuerung und können die Hautbarriere vorübergehend schwächen. Wer mit starken Reaktionen kämpft, gibt die Pflege häufig ganz auf – und verliert damit auch die langfristigen Effekte. Genau hier setzt die Kritik an: Statt die Toleranzgrenze immer weiter auszureizen, lohnt es sich, nach alternativen Formeln zu suchen, die die Haut nicht überfordern.
Hughes und Hextall plädieren dafür, die individuellen Grenzen ernst zu nehmen. Wer auf Retinoide mit anhaltender Rötung, Schuppung oder einem brennenden Gefühl reagiert, sollte nicht weiter experimentieren, sondern auf besser verträgliche Wirkstoffe umsteigen. Diese können ebenfalls die Kollagenproduktion anregen, die Hautstruktur verbessern und feine Linien mildern – nur eben sanfter.
Zu den bewährten Alternativen zählen Peptide, die als Bausteine für die Hautbarriere gelten und die Elastizität unterstützen. Auch Vitamin C in stabiler Form kann Pigmentflecken aufhellen und die Kollagensynthese fördern. Niacinamid beruhigt die Haut, reguliert die Talgproduktion und stärkt die Barriere. Antioxidantien wie Vitamin E oder Ferulasäure schützen vor Umwelteinflüssen. Und nicht zuletzt: ausreichender Sonnenschutz, der als wichtigste Anti-Aging-Maßnahme überhaupt gilt.
Der Rat der Expertinnen richtet sich an eine wachsende Gruppe von Konsumentinnen und Konsumenten, die mit klassischen Retinoid-Produkten nicht zurechtkommen. In sozialen Medien und Foren berichten viele von ähnlichen Erfahrungen: Reizungen, die auch nach Wochen nicht abklingen, oder Haut, die auf jede Steigerung der Wirkstoffkonzentration reagiert. Die Botschaft, dass man einfach «durchhalten» müsse, wird dabei zunehmend kritisch gesehen.
Hextall betont, dass Konsistenz wichtiger ist als die Wahl des stärksten Wirkstoffs. Eine Pflegeroutine, die täglich angewendet werden kann, ohne die Haut zu reizen, bringt langfristig mehr als ein hochdosiertes Produkt, das nur einmal pro Woche zum Einsatz kommt. Für empfindliche Haut bedeutet das: sanfte Formulierungen, langsames Eingewöhnen und der Verzicht auf Kombinationen mehrerer reizender Wirkstoffe.
Die Debatte zeigt, wie sehr sich die Beauty-Branche verändert hat. Während Retinoide weiterhin als Goldstandard gelten, wächst das Bewusstsein dafür, dass Hautpflege individuell sein muss. Wer Retinoide nicht verträgt, ist damit nicht auf sich allein gestellt – es gibt Alternativen, die wissenschaftlich fundiert sind und sich in den Alltag integrieren lassen, ohne die Haut zu belasten.
2



