Das 35. Wacken Open Air ist nach vier Tagen zu Ende gegangen – diesmal ohne Schlammchaos. Statt der Wetterkapriolen des Vorjahres bescherten Sonne und Sommerhitze den ausverkauften 85.000 Metalfans in Schleswig-Holstein eine weitgehend entspannte Jubiläumsausgabe. Veranstalter, Polizei und Rettungsdienste zogen eine positive Bilanz.
Rund um die Gemeinde mit gut 2.000 Einwohnern wirbelte in diesem Jahr vor allem Staub über den Wiesen auf, die Temperaturen kletterten zeitweise deutlich über 30 Grad Celsius. Musikalisch setzten die schwedische Band Sabaton, die Rocklegenden von Def Leppard und Judas Priest Akzente. Def Leppard trat am Donnerstag erstmals überhaupt in Wacken auf, Judas Priest legte am Freitagabend einen fulminanten Auftritt hin. Zudem verabschiedete sich Sepultura von der Wacken-Bühne.
«Dass es so gut wird, habe ich natürlich nicht gedacht», sagte Festivalgründer Thomas Jensen. «Das Wetter hat mitgespielt, und wir haben epische, fantastische Shows gesehen.» Co-Gründer Holger Hübner brachte es kürzer: «Wetter gut, alles gut.» Es habe eine «geile Party» gegeben.
Auch die Einsatzkräfte zeigten sich zufrieden. Rettungsdienstleiter Volker Böhm berichtete von rund 3.500 Einsätzen bis Samstagmittag, darunter etwa 160 allgemeine medizinische Probleme und rund 200 Krankentransporte. Wegen Hitzenotfällen hätten nur 15 Fans behandelt werden müssen. «Wir sind eigentlich auf dem Level eines normalen Wacken Open Air in den vergangenen 25 Jahren», sagte Böhm. Fast hätte es eine Premiere gegeben: «Wir hätten fast die erste Geburt gehabt hier», so Böhm. «Schade, hätte legendär werden können.» Eine hochschwangere zweifache Mutter sei am Mittwoch rechtzeitig mit einem Rettungstransport vom Gelände gebracht worden.
Die Polizei registrierte bis Samstagvormittag 226 Einsätze und damit mehr als im Vorjahr mit 187, zugleich aber weniger Straftaten. Der Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, Frank Mathiesen, führte die Zunahme unter anderem auf Unterstützungsleistungen für den Rettungsdienst zurück. Auffällig seien zudem unzulässige Drohnenflüge gewesen: «Das waren alles ahnungslose Hobbypiloten», sagte Mathiesen. Auf sie kämen nun Bußgelder zu.
Für Gespräche sorgte ein Vorfall an den Einlasskontrollen: Sicherheitskräfte hatten Besuchern Aufnäher mit politisch linksorientierten Motiven, sogenannte Patches, abgenommen. Veranstaltungsleiter Daniel Schlatter bestätigte Unregelmäßigkeiten bei der Unterweisung der Sicherheitsdienste. «Dass da Patches weggenommen worden sind, war nicht richtig, ist aber passiert.» Bei den Ordnungsdiensten sei deshalb nachgesteuert worden. Jensen betonte: «Die Veranstaltung ist ja ein Statement für Völkerverständigung.»
Neuer Bierausschank, alte Umsätze: Erstmals wurde auf dem Gelände eine Marke des Brauereiriesen Anheuser-Busch ausgeschenkt, was in den sozialen Medien für Diskussionen sorgte. Festival-Geschäftsführer André Jürgens wies die Kritik mit Verweis auf die Zahlen zurück: «Unsere Umsätze, was das angeht, sprechen eigentlich eine ganz andere Sprache.» Die Bierumsätze hätten über denen des Vorjahres gelegen.
In puncto Datenverkehr war Wacken erneut Spitzenreiter der Festivalsaison. Vodafone zufolge transportierte das eigene Mobilfunknetz rund 115 Terabyte – genug, um bei Spotify 275 Jahre lang ununterbrochen Metal in normaler Qualität zu streamen. Es folgten Parookaville in Weeze mit rund 101 Terabyte, Rock am Ring mit etwa 89 Terabyte, Airbeat One mit rund 71 Terabyte und Hurricane in Scheeßel mit rund 54 Terabyte. Die Festivals dauerten allerdings unterschiedlich lange und hatten unterschiedliche Besucherzahlen.
Der Vorverkauf für die 36. Ausgabe vom 28. bis 31. Juli 2027 läuft bereits: Die ersten 10.000 Tickets sind verkauft, der Verkauf der übrigen 75.000 Karten sollte am Abend um 20.00 Uhr starten. Der Preis bleibt mit 349 Euro plus 2 Euro Ticketgebühr auf dem Niveau dieses Jahres. Angekündigt sind unter anderem Helloween, Five Finger Death Punch, Electric Callboy, Avatar, U.D.O., Hammerfall, Heaven Shall Burn, Napalm Death, Dragonforce, Children of Bodom und Cavalera Conspiracy. «Wir zusammen sind alles, was wir brauchen, wir sind Family, wir sind Wacken», sagte Hübner zum Abschluss.



