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Dienstag, 11. August 2026 · Berlin

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Kultur 4 Min. Lesezeit Von

Spotify sagt dir bald, ob dein neuer Lieblingsstar gar nicht existiert

AI-Personas bekommen ab September ein sichtbares Label und fliegen aus automatischen Empfehlungen — Fans können ihnen trotzdem bewusst folgen.

Spotify sagt dir bald, ob dein neuer Lieblingsstar gar nicht existiert
Spotify / Hypebeast

Du hörst einen neuen Song, klickst auf das Profil, siehst ein perfekt inszeniertes Gesicht und denkst: neue Sängerin entdeckt. Blöd nur, wenn es diese Person überhaupt nicht gibt. Genau dieses Überraschungsmoment will Spotify künftig vermeiden. Ab Mitte September sollen künstlich erzeugte Künstleridentitäten mit dem Label „AI Persona“ sichtbar gekennzeichnet werden.

Noch wichtiger: Diese Profile werden standardmäßig nicht mehr in personalisierten Empfehlungen oder redaktionellen Playlists auftauchen. Spotify verbietet die Musik also nicht. Der Algorithmus soll sie nur nicht mehr ungefragt in deinen Mix werfen, als wäre dahinter selbstverständlich ein echter Mensch.

Wenn dir eine AI Persona gefällt, kannst du sie weiterhin suchen, hören und folgen. Dabei ist ein Punkt leicht misszuverstehen: Es geht nicht um ein teures Extra-Abo oder darum, dass nur Premium-Nutzer virtuelle Musik hören dürften. Mit „folgen“ ist die normale Follow-Funktion gemeint. Spotify sagt selbst, dass diese Aktion die eigenen Empfehlungen beeinflusst.

Die Plattform macht außerdem einen Unterschied zwischen „Künstler ist künstlich“ und „Künstler nutzt KI“. Das ist ziemlich wichtig. Eine echte Musikerin kann für einen Song KI bei Text, Gesang, Instrumenten oder Produktion einsetzen und bleibt trotzdem eine reale Künstlerin. Spotify testet dafür AI Credits, die einzelne maschinell erzeugte Beiträge in den Songinfos anzeigen.

Ein AI-Persona-Label bedeutet dagegen: Die Identität oben auf dem Profil ist erfunden. Name, Gesicht oder öffentliche Figur stehen nicht für eine reale Person. Damit reagiert Spotify auf eine neue Form von Popstar, die mehr wie ein digitaler Charakter funktioniert als wie ein Mensch mit Bühnenname.

Seit April gibt es schon das Gegenstück: „Verified by Spotify“. Dieses Badge sollen Profile bekommen, bei denen Spotify genug Hinweise auf einen echten Künstler findet. AI-generated und AI-persona Profile sind davon ausgeschlossen. Wer als Mensch KI verantwortungsvoll als Tool nutzt, kann hingegen weiter verifiziert werden.

Natürlich entsteht sofort die nächste Frage: Woher weiß Spotify, ob jemand echt ist? Das Unternehmen will nicht nur auf Selbstangaben vertrauen. Betreiber können eine AI Persona freiwillig kennzeichnen, aber Spotify plant zusätzlich eigene Prüfungen bei größeren Profilen. Dabei sollen Menschen und KI-Werkzeuge zusammenarbeiten. Wenn die Lage unklar ist, kann zunächst „Likely AI Persona“ erscheinen. Wer falsch markiert wurde, soll Einspruch einlegen können.

Härter greift Spotify schon jetzt bei anderen Problemen durch. Unerlaubte Klone der Stimme eines realen Stars können entfernt werden. Außerdem erklärte das Unternehmen 2025, innerhalb eines Jahres mehr als 75 Millionen Spam-Tracks gelöscht zu haben. Je einfacher sich Musik massenhaft generieren lässt, desto wichtiger werden solche Filter.

Für junge Hörer wird sich damit vor allem der Kontext verändern. Virtuelle Stars verschwinden nicht. Vielleicht werden sie sogar eine eigene, offen digitale Popkultur bilden. Aber sie müssen klarer zeigen, was sie sind, und können weniger darauf hoffen, dass ein Algorithmus ihnen unbemerkt das Image eines normalen Newcomers verleiht.

Am Ende bleibt die Entscheidung ziemlich klassisch: Gefällt dir der Song, drückst du auf Follow. Nur weißt du vorher besser, ob du einem Menschen folgst — oder einer Figur, die aus Code, Bildern und Musik besteht.

Marlene Brandt

Autor

Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.