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Freitag, 28. August 2026 · Berlin

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«Resonance: A Plague Tale Legacy»: Vorgeschichte überzeugt nur mit Vorwissen

Das neue Spiel aus der «A Plague Tale»-Reihe erzählt die Vorgeschichte mit neuer Heldin Sophia, scheitert aber an Gameplay-Schwächen und mangelnder Eigenständigkeit.

«Resonance: A Plague Tale Legacy»: Vorgeschichte überzeugt nur mit Vorwissen
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«Resonance: A Plague Tale Legacy» stellt die beliebte Spielreihe vor eine schwierige Aufgabe: Kann das Abenteuer ohne die berüchtigten Rattenwellen der Vorgänger funktionieren und dennoch übernatürlichen Schrecken mit cleveren Rätseln verbinden? Die Antwort fällt gemischt aus. Besonders in der ersten Hälfte überzeugt der Titel, verliert aber zunehmend an Fahrt und entfernt sich dabei immer weiter von dem, was die ersten beiden Teile so stark machte.

Die Handlung spielt im Jahr 1334, etwa 15 Jahre vor den Ereignissen der ersten beiden Spiele. Statt der bekannten Protagonistin Amicia de Rune steuern die Spielerinnen und Spieler nun Sophia. Als junges Mädchen wurde ihr zwangsweise Blut injiziert, das ihr Visionen einer längst vergangenen Zivilisation beschert. Ihr Vater sucht daraufhin die Insel aus ihren Visionen auf, um eine Heilung zu finden – und wird dort von einem mysteriösen Biest getötet. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Leni reist Sophia schließlich auf die Insel, um die Bedeutung ihrer Visionen zu entschlüsseln und das Schicksal ihres Vaters aufzuklären.

Die Geschichte, insbesondere in der ersten Hälfte, ist stark. Wie schon in den Vorgängern gelingt es dem Spiel, schnell emotionale Bindungen zu Figuren aufzubauen, nur um diese wenig später zu zerstören. Man verbringt viel Zeit mit Sophia und ihrer Adoptivfamilie aus Schmugglern, bevor ein tragisches Ereignis sie zur Reise zwingt. Die Verzweiflung und die Risiken, denen Sophia und Leni ausgesetzt sind, werden deutlich spürbar. Auch das Verhältnis der beiden Freundinnen ist narrativ gelungen: Zwischen neckischem Geplänkel schwingt unterschwellige Romantik mit, und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten – Sophia als Kämpferin, Leni als Taschendiebin – ergänzen sich in den Zwischensequenzen hervorragend.

Doch genau diese Dynamik findet im Gameplay keine Entsprechung. Leni kämpft genauso gut wie Sophia, kann schwere Türen aufstemmen und Hebel bewegen, während Sophia sich durch jede enge Stelle zwängen kann. Die erzählerische Rahmung, dass die beiden nur gemeinsam erfolgreich sind, wird immer wieder untergraben, sobald die Steuerung zurück an die Spielerin oder den Spieler geht. Das wirkt, als halte das Spiel an der Partnerschafts-Idee fest, nur weil die Vorgänger sie nutzten.

Die geheimnisvolle Insel entpuppt sich als Kreta, einst Heimat der minoischen Kultur und, der Mythologie nach, eines Labyrinths mit Minotaurus. Die Figuren wissen das nicht – es ist 1334, diese Geschichten sind noch nicht wiederentdeckt. Diese Ausgangslage ist ideal für ein Rätselspiel. Sophia trägt ein Buch mit Zeichnungen aus ihren Kindheitsvisionen und den Expeditionen ihres Vaters bei sich. Anhand dieser Bilder müssen Spielerinnen und Spieler die Schritte der Vorgänger nachvollziehen und eigene Wege finden. Ein Artefakt aus minoischer Zeit lenkt Licht um, um unsichtbare Symbole sichtbar zu machen und Türen zu öffnen. Die Rätsel sind selten komplex, vermitteln aber das Gefühl, antike Geheimnisse zu lüften – eine idealisierte Vorstellung von Archäologie, die gut umgesetzt ist.

Kreta ist zudem wunderschön gestaltet: helles Licht, kräftige Farben, bronzene Statuen und Maschinen der Minoer. Der Soundtrack ist der beste der Reihe, mit Streichern, die Sophias Reise als großes Abenteuer untermalen und bei aufkommendem übernatürlichem Grauen die Spannung steigern. Es dauert länger als in jedem anderen Spiel der Reihe, bis das Monster auftaucht – doch wenn es kommt, ist die Stimmung schlagartig bedrohlich. Die Kreatur schleicht durch die Ruinen und sorgt für unheimliche Momente.

Trotz dieser Stärken verliert «Resonance» im Verlauf an Qualität. Die anfängliche Balance zwischen Erzählung, Rätseln und Schrecken kippt, und das Spiel findet nicht genug Neues, um den Verlust der vertrauten Elemente auszugleichen. Wer die Vorgänger kennt und bereit ist, sich auf die neue Protagonistin einzulassen, bekommt ein solides Abenteuer – aber nur, wenn man die nötige Geduld und das Vorwissen mitbringt.

Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.