Kultur 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
«No More Room in Hell 2»: Zombie-Survival mit frischem Konzept im 1.0-Release
Nach zwei Jahren Early Access ist der Zombie-Survival-Shooter «No More Room in Hell 2» offiziell erschienen. Das Spiel setzt auf Achter-Teams, langsame Romero-Zombies und ein Infektionssystem, das für spannende soziale Dynamiken sorgt.
Nach zwei Jahren Early Access hat Torn Banner Studios den Zombie-Survival-Shooter «No More Room in Hell 2» in der Version 1.0 veröffentlicht. Das Spiel, das für Teams von acht Spielern konzipiert ist, hebt sich damit bewusst von Genre-Größen wie «DayZ» mit seinen Massen-Lobbys, «Left 4 Dead» mit kleinen Koop-Teams oder Solo-Erlebnissen wie «Days Gone» ab. Die Achter-Konstellation erweist sich als Stärke, doch sie ist bei Weitem nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal des Titels.
Die Entwickler, bekannt durch die mittelalterliche PvP-Kampfserie «Chivalry», setzen auf ein bewusst langsames Tempo. In den Story-Missionen bewegen sich die Spieler durch weitläufige Karten in Pennsylvania – von Wäldern über Wohnviertel bis hin zu Innenstädten. Die Gruppe muss gemeinsam Ziele erfüllen und idealerweise mit allen Überlebenden entkommen. Besonders reizvoll sind jene Missionen, in denen man allein startet und die anderen Teammitglieder erst durch Erkundung finden muss. Diese Passagen vermitteln eine bedrückende Atmosphäre der Verlassenheit, die an die Klassiker von George A. Romero erinnert.
Die Zombies selbst sind überwiegend die klassischen, langsamen Untoten – doch sie sind erstaunlich zäh. Wer sie nicht gezielt am Kopf trifft, braucht oft vier oder mehr Schläge mit einer Nahkampfwaffe. Körperliche Treffer ermüden den Spieler schneller, als sie die Gegner ausschalten. Alternativ lassen sich mit scharfen Waffen Gliedmaßen abtrennen, um die Kreaturen zu stoppen. Das erfordert präzises Timing: Die Untoten müssen nahe genug herankommen, um getroffen zu werden, aber nicht so nah, dass sie zuschlagen oder beißen können. Wer dieses Abstandsgefühl nicht entwickelt, überlebt nicht lange.
Ein zentrales Element ist das Ausdauermanagement. Ein kräftiger Tritt verschafft zwar dringend benötigten Freiraum in Bedrängnis, kostet aber ebenso viel Energie wie das Rennen. Wer vor einer Horde flieht, ohne die Umgebung im Blick zu behalten, läuft Gefahr, direkt in die Arme der nächsten Gruppe Untoter zu laufen – und dann ohne Kraft dazustehen. Diese ständige Abwägung macht die Überlebenskämpfe zu einem taktischen Balanceakt.
Das innovativste Feature ist jedoch das Infektionssystem. Wer sich im Laufe einer Mission ansteckt, verwandelt sich nach einiger Zeit in einen schnelleren Zombie und verliert die Kontrolle über die Spielfigur. Zuvor gibt es jedoch eine Phase, in der die Infizierten regelmäßig husten und ihre Krankheit damit verraten. Pillen können die Infektion vorübergehend unterdrücken, sind aber rar. Das führt zu faszinierenden sozialen Dynamiken: Manche Spieler teilen ihre Medikamente nicht und nehmen in Kauf, dass aus einem Kameraden ein gefährlicher Gegner wird. Andere Infizierte versuchen, ihre Krankheit zu verbergen, um weiterzukommen – ganz wie der egoistische Charakter in jedem Zombiefilm. Altruistische Spieler opfern sich dagegen kurz vor der Verwandlung selbst, sofern sie noch Munition haben, um die Gruppe zu schützen.
Die Entwickler hatten während der Early-Access-Phase mit Balancing-Problemen, Bugs und Designfragen zu kämpfen, die Teile der Community verärgerten. Viele Spieler bevorzugten zeitweise das ursprüngliche, weniger beachtete Spiel. Mit dem 1.0-Release scheinen die meisten dieser Probleme jedoch behoben zu sein. Die Konsolenversion fällt grafisch zwar etwas hinter die PC-Fassung zurück, bietet aber dieselbe dichte Atmosphäre. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad findet das Spiel einen gelungenen Mittelweg, auch wenn auf höheren Stufen die Gegnerdichte mitunter erdrückend wirkt. Für Fans klassischer Zombie-Unterhaltung ist «No More Room in Hell 2» damit ein erfrischend anderer Beitrag zu einem eigentlich ausgereizten Genre.



