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Montag, 10. August 2026 · Berlin

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Kultur 4 Min. Lesezeit

Aus „Touch Grass“ wird Horror über Bots, KI und digitale Doppelgänger

Der Netzspruch fürs Offlinegehen wird zum Filmtitel: In The Feed verwandeln sich Bots und digitale Spuren in Versionen echter Menschen.

Aus „Touch Grass“ wird Horror über Bots, KI und digitale Doppelgänger
Foto: Vincent Y / Unsplash

„Touch grass“ ist normalerweise der Satz, den jemand bekommt, wenn eine Online-Diskussion endgültig zu ernst geworden ist. Geh raus. Leg das Handy weg. Mach irgendetwas in der echten Welt. Ein neuer Psychhorror mit genau diesem Titel macht daraus jetzt eine ziemlich fiese Idee: Was, wenn die digitale Welt längst eine Version von dir gebaut hat, bevor du überhaupt offline gehst?

Touch Grass wird als Projekt eines Produzenten von Backrooms vorgestellt. Wer aus dem großen Produzententeam gemeint ist, nennt die bisher verfügbare Beschreibung nicht. Backrooms von Kane Parsons lief seit dem 29. Mai 2026 in US-Kinos und hatte unter anderem James Wan, Shawn Levy, Dan Cohen, Dan Levine und Chris Ferguson als Produzenten.

Beim neuen Film geht es nicht um gelbe Flure oder endlose Räume. Die Hauptfigur arbeitet für einen geheimnisvollen Konzern, der KI-Persönlichkeiten entwickelt. Dabei entdeckt sie The Feed, eine Art versteckte Welt unter dem normalen Internet. Dort sammeln sich Bots, Fake-Figuren und die digitalen Spuren echter Menschen.

Dann wird es unangenehm: Aus diesen Spuren entstehen Kopien. Und sie werden laut Synopsis nicht einfach aus Fotos, Posts und Suchverläufen zusammengesetzt, sondern aus den tiefsten Wünschen der Menschen. Der digitale Doppelgänger weiß also im schlimmsten Fall nicht nur, wie du aussiehst, sondern welche Version von dir du selbst gern glauben würdest.

Die Idee ist eine Horrorvariante der Dead-Internet-Theorie. Diese Verschwörungserzählung behauptet, dass große Teile des Netzes gar nicht mehr von Menschen, sondern von Bots, automatisierten Accounts und künstlich erzeugten Inhalten bevölkert werden. Entstanden ist sie in anonymen Onlineforen Ende der 2010er. Belegt ist diese Totalerklärung nicht. Trotzdem wirkt das Grundgefühl heute vertrauter, weil KI-Inhalte im Alltag tatsächlich sichtbarer geworden sind.

Man muss nur durch irgendeinen Feed scrollen: generierte Bilder, synthetische Stimmen und Chatfiguren, die wichtige Details aus langen Unterhaltungen behalten können. Das heißt nicht, dass „das Internet tot“ ist. Aber es macht die Frage nach Echtheit komplizierter. Genau daraus kann ein Horrorfilm viel mehr ziehen als aus dem nächsten Roboter, der plötzlich böse wird.

Der Titel setzt noch einen drauf. Merriam-Webster erklärt „touch grass“ inzwischen ganz nüchtern als Teilnahme am normalen Leben außerhalb von Online-Interaktionen. Der Spruch, der früher vor allem wie ein Meme oder eine Beleidigung klang, ist also längst Teil der Alltagssprache geworden.

Touch Grass dreht ihn nun um. Wenn The Feed wirklich Kopien aus deinen Daten und Wünschen baut, ist „Geh einfach offline“ keine Lösung mehr. Vielleicht bist du draußen, aber deine digitale Version bleibt drin — und wird dort immer überzeugender. Einen Regisseur, Cast oder Starttermin nennt die bisherige Projektbeschreibung noch nicht. Bis dahin ist der stärkste Teil des Films seine Idee: Das gruseligste Profil im Feed ist möglicherweise nicht irgendein Bot, sondern die Person, die du selbst gern wärst.