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Gloria Steinem, Ikone der Frauenbewegung, stirbt mit 92 Jahren

Die US-amerikanische Feministin und Mitbegründerin des Magazins „Ms.“ ist im Alter von 92 Jahren in New York gestorben. Steinem prägte über Jahrzehnte die Frauenbewegung in den USA.

Gloria Steinem, Ikone der Frauenbewegung, stirbt mit 92 Jahren
Gloria Steinem, Feminist Icon and Ms. Founder, Dies at 92

Gloria Steinem, die Schriftstellerin und Aktivistin, die zum öffentlichen Gesicht der amerikanischen Frauenbewegung wurde und das Magazin „Ms.“ mitgründete, ist am Mittwoch in ihrem Zuhause in New York City gestorben. Sie wurde 92 Jahre alt. In einem Instagram-Post teilte die Stiftung der Aktivistin mit, Steinem sei „friedlich in ihrem Zuhause in New York City im Kreis einiger ihrer engsten Vertrauten eingeschlafen“.

Steinem galt über Jahrzehnte als eine der zentralen Figuren des Feminismus in den Vereinigten Staaten. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde sie zur Stimme einer Generation von Frauen, die für Gleichberechtigung, reproduktive Rechte und gleiche Bezahlung kämpften. Mit ihrem unverwechselbaren Auftreten, den langen Haaren und der runden Brille wurde sie zum Symbol der zweiten Welle der Frauenbewegung, die weit über politische Kreise hinauswirkte.

Geboren wurde Steinem 1934 in Toledo, Ohio. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Journalistin, unter anderem für Magazine wie „Esquire“ und „New York“. Bekannt wurde sie 1963 durch ihre verdeckte Recherche als Playboy-Kellnerin im New Yorker Club, für die sie den Alltag von Servicekräften dokumentierte. Diese Erfahrung prägte ihr Bewusstsein für die Arbeitsbedingungen von Frauen nachhaltig.

1971 gehörte Steinem zu den Mitgründerinnen des National Women's Political Caucus, einer Organisation, die Frauen für politische Ämter fördern sollte. Ein Jahr später folgte der Start des Magazins „Ms.“, das sie gemeinsam mit anderen Herausgeberinnen etablierte. Das Blatt entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Sprachrohr der feministischen Bewegung und behandelte Themen wie Abtreibungsrechte, häusliche Gewalt und Lohngleichheit, die in klassischen Frauenmagazinen bis dahin kaum vorkamen.

Über die Jahre hinweg blieb Steinem eine unermüdliche Aktivistin. Sie setzte sich für den Equal Rights Amendment ein, ein Verfassungszusatz zur Gleichberechtigung der Geschlechter, der in den USA bis heute nicht ratifiziert ist. Auch international engagierte sie sich, etwa für Frauenrechte in Indien und anderen Ländern. Ihre 1983 erschienene Essaysammlung „Outrageous Acts and Everyday Rebellions“ wurde zu einem Bestseller und gilt bis heute als Standardwerk der feministischen Literatur.

Steinem war bekannt für ihre Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge verständlich zu erklären und dabei auch jüngere Generationen zu erreichen. In ihren letzten Lebensjahren trat sie weiterhin öffentlich auf, hielt Reden und unterstützte jüngere Aktivistinnen. Sie äußerte sich wiederholt zu aktuellen politischen Debatten und blieb bis ins hohe Alter eine gefragte Gesprächspartnerin in Fragen der Gleichstellung.

Ihre Stiftung kündigte an, dass eine Gedenkveranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden werde. Details dazu sollen in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden. Statt Blumen bittet die Familie nach Angaben der Stiftung um Spenden an Organisationen, die sich für Frauenrechte einsetzen.

Mit Steinems Tod verliert die Frauenbewegung eine ihrer prägendsten Stimmen. Ihr Einfluss reichte weit über die USA hinaus und prägte auch in Europa und anderen Teilen der Welt Diskussionen über Geschlechtergerechtigkeit. Ihr Vermächtnis lebt in den unzähligen Aktivistinnen fort, die sie inspiriert hat.

Lukas Seifert

Autor

Sportredakteur

Lukas Seifert berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.