Der Volkswagen-Konzern hat im zweiten Quartal 2025 einen erheblichen Gewinneinbruch erlitten. Das operative Ergebnis sank um rund ein Drittel auf 1,54 Milliarden Euro, wie der Autobauer am Donnerstag mitteilte. Damit setzt sich der Abwärtstrend des vergangenen Jahres fort. Besonders die schwache Nachfrage in China, dem wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns, sowie geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte belasten die Geschäfte.

Konzernchef Oliver Blume sprach von einem herausfordernden Umfeld. «Zölle, Kriege und geopolitische Spannungen führen zu erheblichem Gegenwind», sagte Blume in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Unsicherheit in der Weltwirtschaft habe zugenommen, was sich direkt auf die Verkaufszahlen auswirke. Vor allem in China, wo Volkswagen traditionell stark vertreten ist, gingen die Auslieferungen zurück. Der Konzern reagiert nun mit einem umfassenden Sparprogramm, das deutliche Einschnitte vorsieht.

Die schwache Entwicklung in China ist ein zentraler Faktor für den Gewinnrückgang. Der Markt, der lange Zeit als Wachstumsmotor für Volkswagen galt, hat sich deutlich abgekühlt. Einheimische Hersteller wie BYD und Nio gewinnen zunehmend Marktanteile, insbesondere im Bereich der Elektroautos. Volkswagen kämpft mit einem veralteten Modellportfolio und hohen Kosten für die Umstellung auf Elektromobilität. Zudem belasten die von der EU und den USA verhängten Zölle auf chinesische Elektroautos die Handelsbeziehungen und schaffen zusätzliche Unsicherheit.

Neben den Absatzproblemen in China leidet Volkswagen auch unter den Folgen des Ukraine-Kriegs und der anhaltenden Inflation in Europa. Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise drücken auf die Margen, während die Verbraucher in vielen Ländern aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten zurückhaltender bei großen Anschaffungen sind. Der Konzern hat daher seine Umsatzprognose für das laufende Jahr gesenkt. Statt eines leichten Wachstums rechnet Volkswagen nun mit einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Die angekündigten Sparmaßnahmen sollen die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Details zu den geplanten Einschnitten nannte Blume zunächst nicht, verwies aber auf notwendige Anpassungen in der Produktion und im Vertrieb. Analysten erwarten, dass Volkswagen Stellenstreichungen und Werksschließungen nicht ausschließen kann. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 680.000 Mitarbeiter, davon etwa 300.000 in Deutschland. Die Gewerkschaften haben bereits Widerstand gegen mögliche Kürzungen angekündigt.

Die Aktie von Volkswagen reagierte negativ auf die Nachrichten. Der Kurs fiel am Morgen um mehr als drei Prozent, bevor er sich im Laufe des Tages etwas erholte. Anleger zeigen sich besorgt über die Perspektiven des Konzerns, der in den kommenden Jahren Milliarden in die Elektromobilität und Digitalisierung investieren muss. Gleichzeitig steigt der Druck durch neue Wettbewerber aus den USA und Asien, die mit innovativen Technologien und günstigeren Modellen punkten.

Volkswagen steht damit vor einer der schwierigsten Phasen seiner jüngeren Geschichte. Der Konzern muss nicht nur die operative Krise bewältigen, sondern auch die strategische Transformation hin zu einem nachhaltigen Mobilitätsanbieter vorantreiben. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob die Sparmaßnahmen greifen und ob Volkswagen seine Position in China und anderen Schlüsselmärkten stabilisieren kann. Branchenexperten sehen den Konzern jedoch in einer schwierigen Lage, da die Herausforderungen struktureller Natur sind und nicht allein durch Kostensenkungen gelöst werden können.