Der Volkswagen-Konzern hat im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinneinbruch erlitten. Der Nettogewinn des größten europäischen Autobauers sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal 2025 hatte der Gewinn noch bei 2,29 Milliarden Euro gelegen. Das Unternehmen veröffentlichte die Zahlen am Freitag und bestätigte damit die schwierige Lage, in der sich die gesamte Branche befindet.

Als Hauptgrund für den Rückgang nannte Volkswagen einen drastischen Einbruch des Absatzes in China. Der chinesische Markt, lange Zeit eine der wichtigsten Gewinnquellen des Konzerns, leidet unter einem verschärften Wettbewerb durch einheimische Hersteller und einer schwächeren Nachfrage. Konzernchef Oliver Blume beschrieb das Umfeld für die Autoindustrie als «extrem herausfordernd». Er verwies auf geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und den zunehmenden Wettbewerbsdruck.

Die schwachen Verkaufszahlen in China setzen dem Konzern weiter zu. Auch die einstigen Renditeperlen Audi und Porsche schwächeln, wie aus dem Unternehmensumfeld verlautet. Porsche konnte zwar seinen Umsatz steigern, doch insgesamt bleibt die Ertragslage angespannt. Volkswagen hatte bereits im Vorfeld angekündigt, umfangreiche Sparmaßnahmen umsetzen zu müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Weltweit steht bei Volkswagen der Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen zur Debatte. Umfangreiche Stellenstreichungen sind bereits beschlossen. Besonders betroffen sind die deutschen Standorte: Die Werke in Zwickau, Emden und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm gelten als gefährdet. Die Gewerkschaften und Betriebsräte haben bereits Widerstand angekündigt, doch der Druck auf das Management wächst.

Der Absatz des Konzerns war zuletzt stark eingebrochen. Neben den Problemen in China belasten auch die schwächelnde Konjunktur in Europa und die Unsicherheiten durch Handelskonflikte das Geschäft. Volkswagen hatte seine Umsatzprognose bereits gesenkt, was die Erwartungen an die zweite Jahreshälfte weiter dämpft. Konzernchef Blume will bis Jahresende neue Sparmaßnahmen verabschieden, um die Kosten zu senken und die Profitabilität zu verbessern.

Die Krise bei Volkswagen ist Ausdruck einer tiefergehenden Transformation der Automobilindustrie. Der Übergang zur Elektromobilität, die Digitalisierung und der zunehmende Wettbewerb aus China stellen die traditionellen Hersteller vor enorme Herausforderungen. Volkswagen investiert Milliarden in neue Technologien und Modelle, doch die Rendite bleibt vorerst unter Druck. Analysten erwarten, dass der Konzern in den kommenden Quartalen weitere Belastungen melden wird.

Die Ankündigung von Stellenstreichungen hat in der deutschen Politik und Wirtschaft für Diskussionen gesorgt. Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung bei Volkswagen genau, da der Konzern einer der größten Arbeitgeber und Steuerzahler des Landes ist. Die IG Metall hat bereits Verhandlungen über Sozialpläne und Standortsicherungen gefordert. Volkswagen selbst betont, dass die Maßnahmen notwendig seien, um das Unternehmen langfristig zukunftsfähig zu machen.

Die Aktionäre reagierten verhalten auf die Quartalszahlen. Der Aktienkurs von Volkswagen gab nach Bekanntgabe der Ergebnisse leicht nach. Anleger befürchten, dass die Gewinnwarnung und die unsichere Konjunktur die Dividende für das laufende Jahr gefährden könnten. Volkswagen hatte in den vergangenen Jahren hohe Ausschüttungen gezahlt, doch die finanzielle Lage wird zunehmend angespannter.

Insgesamt zeichnet sich für Volkswagen ein schwieriges Jahr ab. Der Gewinneinbruch im zweiten Quartal ist ein weiteres Signal, dass der Konzern tiefgreifende Reformen benötigt. Ob die geplanten Sparmaßnahmen ausreichen, um die Trendwende zu schaffen, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass Volkswagen vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte steht.