Die US-Wirtschaft hat im zweiten Quartal deutlich an Fahrt verloren. Das Bruttoinlandsprodukt stieg annualisiert um lediglich 1,5 Prozent, wie das US-Handelsministerium in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 2,1 Prozent gerechnet. Damit fiel das Wachstum schwächer aus als im ersten Quartal, als noch 2,1 Prozent erreicht wurden. Als Hauptbelastungsfaktor gilt der seit Ende Februar andauernde Iran-Krieg, der die Energiekosten für Unternehmen und Verbraucher stark in die Höhe getrieben hat.

Die höheren Öl- und Gaspreise schlagen sich auf breiter Front nieder: Sie verteuern die Produktion in der Industrie, belasten die Logistik und mindern die Kaufkraft der privaten Haushalte. Gleichzeitig bleibt die Inflation auf erhöhtem Niveau – im Juni lag die Teuerungsrate bei 3,5 Prozent, deutlich über dem Ziel der US-Notenbank von 2 Prozent. Die Federal Reserve reagierte am Mittwoch mit einer erneuten Zinspause. Der Leitzins bleibt zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für diesen Schritt; die drei Abweichler plädierten für eine Erhöhung um 25 Basispunkte.

Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund einer gemischten Konjunkturlage. Zwar zeigte sich die US-Wirtschaft laut Fed zuletzt widerstandsfähig und legte sogar leicht zu – gestützt durch steigende Konsumausgaben, höhere Investitionen und Exporte. Doch gleichzeitig gingen die Staatsausgaben zurück, und die Importe stiegen. Ein Teil des Importanstiegs ist nach Einschätzung von Ökonomen auf den KI-Boom zurückzuführen: Die USA müssen für den Bau von Rechenzentren große Mengen an Ausrüstung importieren. «Es mag sich paradox anhören, aber der KI-Boom schmälert das Wachstum gleichzeitig auch, weil die USA eine Menge an hierfür notwendiger Ausrüstung importieren müssen», sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. «Von dieser Warte aus betrachtet, ist das Wachstum keineswegs enttäuschend.»

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, der als Inflationshawk gilt, hat eine Sondereinheit angekündigt, die den Ursachen der anhaltend hohen Inflation nachgehen soll. Er betonte: «Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation.» Zugleich blieb die Beschäftigungsentwicklung zuletzt hinter den Erwartungen zurück, was die Notenbank in ihrer abwartenden Haltung bestärken dürfte. Eine Zinssenkung war angesichts des Iran-Krieges praktisch ausgeschlossen.

Die USA veröffentlichen ihre BIP-Daten annualisiert, also hochgerechnet auf ein Jahr. Zum Vergleich mit europäischen Werten müsste die US-Rate durch vier geteilt werden. In Europa wird auf diese annualisierte Darstellung verzichtet. Die tatsächliche vierteljährliche Wachstumsrate in den USA lag demnach bei etwa 0,38 Prozent – ebenfalls ein spürbarer Rückgang gegenüber dem Vorquartal.

Präsident Donald Trump hat parallel zum wirtschaftlichen Gegenwind ein ehrgeiziges Bauprojekt angekündigt: den grundlegenden Umbau des internationalen Flughafens Dulles bei Washington. Er bezeichnete den derzeitigen Zustand als «Chaos» und will den Airport zu einem der besten der Welt machen. Die Investitionssumme wird auf rund 22 Milliarden Dollar geschätzt, finanziert werden soll das Projekt über Fluggesellschaften und Flughafeneinnahmen. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2027 geplant.

Der Iran-Krieg belastet auch die militärische Präsenz der USA im Nahen Osten. Iranische Angriffe auf US-Stützpunkte nehmen zu, und Trump drohte mit Vergeltung. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen des Konflikts könnten die amerikanische Konjunktur noch über längere Zeit beeinträchtigen.