Die italienische Großbank Unicredit geht fest davon aus, die Übernahme der Commerzbank noch in diesem Jahr abschließen zu können. Der Vorstand des Instituts zeigte sich am Dienstag optimistisch, die erforderlichen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden bald zu erhalten. Zugleich hob die Bank ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr an, was Analysten als Zeichen des Vertrauens in die eigene Strategie werteten.

Unicredit-Chef Andrea Orcel treibt die Übernahmepläne seit Monaten voran. Die italienische Bank hatte bereits im vergangenen Jahr einen Anteil von rund neun Prozent an der Commerzbank erworben, teils über Finanzinstrumente. Seither spekulieren die Finanzmärkte über eine mögliche vollständige Übernahme des deutschen Instituts. Orcel verfolgt dabei eine klare Strategie: Er will aus der Commerzbank und der Unicredit einen europäischen Bankenriesen formen, der im Wettbewerb mit den großen US-Instituten bestehen kann.

Die Aussicht auf eine Übernahme stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Insbesondere in Deutschland gibt es politischen Widerstand. Die Bundesregierung hatte sich wiederholt skeptisch zu einer Übernahme geäußert und betont, die Commerzbank sei ein systemrelevantes Institut für die deutsche Wirtschaft. Auch Gewerkschaften befürchten einen massiven Stellenabbau im Zuge einer Fusion. Orcel selbst hat bislang keine konkreten Angaben zu möglichen Personalmaßnahmen gemacht, doch Branchenexperten rechnen mit Einsparungen in Milliardenhöhe, die vor allem durch die Zusammenlegung von Filialnetzen und Verwaltungsbereichen erzielt werden sollen.

Die Unicredit hat ihr Gewinnziel für 2025 nun auf rund zehn Milliarden Euro angehoben, nachdem zuvor ein Wert von etwa neun Milliarden Euro angepeilt worden war. Die Bank profitiert dabei von höheren Zinseinnahmen und einem starken Geschäft in Italien und Osteuropa. Die Übernahme der Commerzbank würde das Gewinnpotenzial weiter steigern, auch wenn die Integration zunächst Kosten verursachen dürfte. Analysten der Investmentbank Morgan Stanley bewerteten die angehobene Prognose als positives Signal, wiesen jedoch auf die Unsicherheiten im Übernahmeprozess hin.

Parallel zu den Übernahmeplänen läuft eine Razzia in der Zentrale der Deutschen Bank, die für zusätzliche Unruhe im deutschen Bankensektor sorgt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt durchsuchte am Dienstag die Räume des Instituts im Zusammenhang mit Cum-Cum-Geschäften. Dabei handelt es sich um umstrittene Steuermodelle, bei denen Aktien vor dem Dividendenstichtag kurzfristig an ausländische Investoren übertragen werden, um Kapitalertragsteuer zu sparen. Die Deutsche Bank erklärte, man kooperiere vollumfänglich mit den Ermittlern. Der Fall zeigt, dass die deutschen Finanzbehörden weiterhin verstärkt gegen mögliche Steuervergehen im Bankensektor vorgehen.

Unterdessen hat der deutsche U-Boot-Bauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) sein Angebot für die Kieler Werft zurückgezogen. Das Unternehmen begründete den Schritt mit unüberbrückbaren Differenzen bei den Verhandlungen über die künftige Ausrichtung der Werft. Die Kieler Werft ist ein wichtiger Standort für den Marineschiffbau in Deutschland. Die Entscheidung von TKMS könnte Auswirkungen auf die geplanten Rüstungsprojekte der Bundeswehr haben, darunter der Bau neuer U-Boote und Fregatten. Die Bundesregierung zeigte sich enttäuscht über den Rückzug und kündigte an, nach alternativen Lösungen zu suchen.

Im internationalen Handel droht US-Präsident Donald Trump mit neuen Zöllen auf Arzneimittel-Generika. Ab Sommer 2028 könnten Importe von Generika mit Strafzöllen belegt werden, wie Trump in einer Rede ankündigte. Die Maßnahme soll die heimische Pharmaindustrie stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Produzenten, insbesondere aus China und Indien, verringern. Deutsche Pharmaunternehmen, die Generika in die USA exportieren, bereiten sich bereits auf mögliche Handelskonflikte vor. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) warnte vor steigenden Medikamentenpreisen in den USA und möglichen Lieferengpässen.

Die Unicredit-Übernahmepläne bleiben damit eines der beherrschenden Themen im europäischen Bankensektor. Sollte die Transaktion gelingen, entstünde eine der größten Banken Europas mit einer Bilanzsumme von mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Entscheidung der europäischen Aufsichtsbehörden wird für die zweite Jahreshälfte 2025 erwartet. Bis dahin wird die Commerzbank-Aktie vermutlich weiter von Spekulationen getrieben werden. Anleger reagierten am Dienstag mit Kursgewinnen auf die optimistischen Signale aus Mailand.