Der Krieg in der Ukraine fügt der Wirtschaft auf beiden Seiten weiterhin massive Schäden zu. Am Donnerstag wurde ein Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries in der Stadt Pensa bei einem ukrainischen Drohnenangriff getroffen. Das Gebäude geriet in Brand, eine Person wurde verletzt. Rund 200 Menschen konnten sich in Sicherheit bringen, wie der Gouverneur der Region Pensa, Oleg Melnitschenko, mitteilte. Es ist nicht der erste Angriff auf Logistikzentren des Unternehmens, das in Russland als eine Art „Amazon“ gilt. Die Angriffe auf Wildberries-Standorte sind Teil einer ukrainischen Strategie, die russische Wirtschaft zu schwächen.

Parallel zu den militärischen Aktionen erleidet die ukrainische Wirtschaft schwere Verluste. In der Stadt Bohoduchiw in der Region Charkiw musste ein Milchbetrieb nach einem russischen Drohnenangriff endgültig schließen. Der Betriebsleiter Dmytro Muraschkin erklärte, die Produktionsanlagen seien so schwer beschädigt worden, dass eine Weiterführung unmöglich sei. Es war nicht der erste Angriff auf das Werk, doch dieses Mal sei das Ziel erreicht worden, so Muraschkin. Auf Bildern sind großflächige Zerstörungen und Brandspuren zu erkennen. Die Schließung bedeutet nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch den Verlust von Arbeitsplätzen in einer ohnehin vom Krieg hart getroffenen Region.

Auch internationale Unternehmen sind von den Kriegsfolgen betroffen. Die deutsche Handelskette Metro gab am Mittwoch bekannt, ein Großhandelsgeschäft in der südukrainischen Stadt Saporischschja vorübergehend zu schließen. Grund seien wiederholte russische Angriffe in der Gegend. Zudem haben russische Truppen zuletzt gezielt Tankstellen ins Visier genommen. Ein ukrainischer Branchendienst registrierte allein zwischen April und Anfang Juli mehr als 140 Drohnenangriffe auf Tankstellen. Im Gegenzug greift die Ukraine systematisch russische Raffinerien und Öldepots an, um die russische Treibstoffversorgung zu beeinträchtigen.

Die wirtschaftlichen Verluste gehen mit einer hohen Zahl ziviler Opfer einher. Bei den jüngsten russischen Angriffen in der Ukraine kamen nach Angaben ukrainischer Behörden mindestens acht Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend wurden verletzt. In der Stadt Krywyj Rih wurde ein Wohnhaus einer Großfamilie getroffen. Sechs Menschen starben, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren. In Kiew und der Region Poltawa gab es zwei weitere Tote. In Lwiw im Westen der Ukraine wurden fünf Menschen verletzt. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der polnischen Stadt Lublin, nur 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, wurde am Donnerstagmorgen Luftalarm ausgelöst. Der Sprecher des Woiwoden bestätigte eine glaubwürdige und bestätigte Gefahr. Nach wenigen Minuten wurde Entwarnung gegeben. Die panischen Reaktionen im Nachbarland zeigen, wie nahe der Krieg auch an die Nato-Ostgrenze gerückt ist.

Unterdessen hat die Ukraine einen weiteren ihrer wertvollen westlichen Kampfjets vom Typ F-16 verloren. Die Maschine sei an der Front abgestürzt, als sie russische Luftangriffe abfangen sollte, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. In Russland wurde der Geschäftsführer eines Drohnenherstellers, Andrej Tscheresow, auf dem Heimweg von der Arbeit angeschossen. Der Vorfall ereignete sich in Tula. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes. Beide Ereignisse verdeutlichen, dass die wirtschaftliche Infrastruktur und die Akteure der Rüstungsindustrie zunehmend ins Visier geraten.

Die anhaltenden Angriffe auf wirtschaftliche Ziele zeigen, dass der Krieg längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen wird. Die Zerstörung von Lagern, Produktionsstätten und Energieinfrastruktur soll den Gegner wirtschaftlich schädigen. Experten gehen davon aus, dass beide Seiten ihre Taktik fortsetzen werden, um die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des jeweils anderen zu untergraben. Für die Bevölkerung in den Kriegsgebieten bedeutet dies eine weitere Verschärfung der ohnehin schwierigen Lebensbedingungen.