US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine erneut mit einem uneingeschränkten Zugriff der USA auf ihre natürlichen Ressourcen gedroht. In einem Interview mit dem rechten US-Sender Real America's Voice sagte Trump, die Vereinigten Staaten hätten mit Kiew einen Vertrag über die großen Vorkommen an Seltenen Erden geschlossen. Man könne «jederzeit einfach hingehen und sich alles nehmen, was man wolle», so der Präsident. Er nannte das Abkommen einen «sehr guten Deal».
Trump sprach in dem Interview von einem Abkommen mit Kiew. Die Ukraine habe große Vorkommen an Seltenen Erden, die für die Vereinigten Staaten von Interesse sein könnten. Einzelheiten zu dem Vertrag nannte er nicht.
Unterdessen hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei wurden nach Medienberichten mindestens neun Menschen getötet und 23 weitere verletzt, unter ihnen zwei Teenager. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von Explosionen in der Stadt und rief die Bewohner auf, in Schutzräumen zu bleiben.
In mehreren Bezirken seien Wohnhäuser und Gewerbegebäude beschädigt worden, Autos hätten gebrannt, teilte Klitschko mit. Ein fünfstöckiges Wohnhaus sei durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden; in dem Gebäude seien Menschen eingeschlossen gewesen. Das genaue Ausmaß der Schäden blieb zunächst unklar. Viele Bewohner verbrachten die Nacht erneut in U-Bahn-Stationen oder im Freien.
Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben ihrerseits russische Treibstoffzüge weit hinter der Front angegriffen. Die 20. Brigade erklärte, der Angriff sei mit Drohnen erfolgt, um die Versorgung russischer Einheiten mit Diesel und Benzin zu unterbinden. «Während der Feind friedliche Ukrainer terrorisiert und zivile Tankstellen in Städten an der Front zerstört, sorgen wir dafür, dass die Besatzer überhaupt keinen Treibstoff mehr bekommen», hieß es in einer Erklärung der Brigade. In Russland gibt es bereits lange Schlangen vor Tankstellen.
Russlands wichtigste Getreidelobby, der Verband der Getreideexporteure, hat unterdessen vor einem Stopp der Getreideexporte über das Schwarze Meer gewarnt. Zur Begründung verwies sie auf ukrainische Drohnenangriffe auf russische Schiffe und Häfen. Die Angriffe könnten bald zu einer «vollständigen Blockade der Exportkorridore» führen, warnte der Verband. Ein Ausfall von 30 bis 35 Millionen Tonnen russischen Weizens wäre die Folge – das entspreche etwa 15 Prozent des weltweiten Weizenhandels.
Die Störung der Schifffahrt stelle «eine direkte Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit» dar und könne zu Hungersnöten in Afrika und dem Nahen Osten führen, so der Verband weiter.
Bei der Frage westlicher Waffenlieferungen bleibt Washington zurückhaltend. Trump sagte, die USA hätten noch nicht zugestimmt, dass die Ukraine Patriot-Flugabwehrraketen selbst herstellt; die Gespräche darüber dauerten an. Bei einer Kabinettssitzung in Camp David betonte er, man müsse sehr vorsichtig sein, wem man eine solche Technologie überlasse. «Ich glaube nicht, dass das jemals passieren wird, aber es gibt Leute, denen man diese Technologie gibt, und die sich eines Tages gegen einen wenden könnten», erklärte er.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dringt weiterhin auf die Lieferung von Patriot-Raketen und Tomahawk-Marschflugkörpern. Trump hatte bei einem Treffen mit Selenskyj in der Türkei eine Lizenz für die Herstellung der Abfangraketen in Aussicht gestellt, ist davon inzwischen aber abgerückt, obwohl er Selenskyj zuletzt im Weißen Haus empfing. Die Ukraine bemüht sich zudem um eine gemeinsame Produktion der modernsten Patriot-Raketen vom Typ PAC-3; Botschafterin Olha Stefanischyna zeigte sich zuversichtlich, dass Hersteller Lockheed Martin die Zusammenarbeit vertiefen will. Die Patriot-Raketen sind die einzigen im ukrainischen Arsenal, die ballistische Raketen abfangen können.



