Der britische Energiekonzern Shell hat im zweiten Quartal seinen bereinigten Gewinn deutlich gesteigert. Wie das Unternehmen am Donnerstag in London mitteilte, belief sich der um Sonderposten bereinigte Gewinn auf 9,8 Milliarden US-Dollar (rund 8,6 Milliarden Euro). Das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres und übertraf die Erwartungen der Analysten.

Haupttreiber des Gewinnsprungs waren den Angaben zufolge das starke Gasgeschäft, die Öl- und Gasförderung sowie die Chemiesparte. Die anhaltend hohen Energiepreise, die unter anderem durch den Krieg im Iran und Produktionsausfälle im Nahen Osten befeuert werden, bescheren den großen Ölkonzernen weiterhin rekordverdächtige Ergebnisse. Shell profitierte dabei von einer anhaltend starken Nachfrage und begrenzten Lieferkapazitäten auf den globalen Märkten.

Der Konzern kündigte zugleich ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Umfang von mindestens drei Milliarden Dollar an. Damit setzt Shell seine Strategie fort, einen erheblichen Teil der Überschüsse direkt an die Aktionäre zurückzugeben. Bereits in den vergangenen Quartalen hatte das Unternehmen großvolumige Rückkäufe durchgeführt und die Dividende erhöht.

Die Entwicklung bei Shell steht im Einklang mit den Ergebnissen anderer großer Energiekonzerne, die ebenfalls von den hohen Rohstoffpreisen profitieren. Allerdings sehen sich die Unternehmen zunehmend politischem Druck ausgesetzt, angesichts der immensen Gewinne mehr in die Energiewende und in bezahlbare Energie für Verbraucher zu investieren. In Großbritannien und anderen europäischen Ländern wird über eine stärkere Besteuerung von Übergewinnen diskutiert.

Shell selbst verweist auf laufende Investitionen in erneuerbare Energien und CO2-arme Technologien, betont jedoch gleichzeitig, dass Öl und Gas auf absehbare Zeit einen wesentlichen Teil des Energiemixes ausmachen würden. Die Produktionsausfälle im Nahen Osten, die durch geopolitische Spannungen verursacht wurden, hätten die Lieferketten zusätzlich belastet und die Preise nach oben getrieben.

Analysten zeigten sich von den Zahlen positiv überrascht. Sie hatten im Schnitt mit einem etwas niedrigeren Gewinn gerechnet. Der Ausblick des Konzerns für das laufende Jahr bleibt verhalten optimistisch, da die Unsicherheiten auf den Weltmärkten – insbesondere die Entwicklung der Iran-Krise und die Opec-Entscheidungen – weiterhin Einfluss auf die Rohstoffpreise haben werden.

Mit dem jüngsten Ergebnis unterstreicht Shell seine finanzielle Stärke und seine Fähigkeit, in einem volatilen Umfeld hohe Renditen zu erwirtschaften. Die Aktie des Unternehmens legte im frühen Handel leicht zu. Beobachter erwarten, dass auch andere große Energiekonzerne in den kommenden Wochen über ähnlich starke Quartalszahlen berichten werden.