Nach einem ukrainischen Angriff ist im Asowschen Meer ein Schiff des russischen Atomkonzerns Rosatom gesunken. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Streitkräfte hätten sowohl im Schwarzen als auch im Asowschen Meer Attacken ausgeführt. Das gesunkene Schiff habe eine Ladekapazität von 100.000 Tonnen gehabt, sei unter russischer Flagge gefahren und «dank der Treffsicherheit» des ukrainischen Militärs untergegangen.
Rosatom bestätigte den Untergang. Nach Angaben des Konzerns wurde das Schiff mehr als 200 Kilometer vor der Hafenstadt Noworossijsk von zwei Drohnen getroffen. Rosatom-Chef Alexej Lichatschow bezeichnete die Attacke als Piraterie und Seeräuberei. Es habe sich um ein «ganz gewöhnliches, ziviles Containerschiff» gehandelt, das in internationalen Gewässern zivile Güter transportiert habe. Die 17 Besatzungsmitglieder seien von einem anderen Schiff und Marinefliegern der russischen Schwarzmeerflotte gerettet worden.
Selenskyj berichtete zudem von Angriffen auf die Infrastruktur dreier Raffinerien in der russischen Teilrepublik Baschkortostan. Der Regionschef Radi Chabirow teilte mit, Trümmer einer abgeschossenen ukrainischen Drohne seien in ein Industriegebiet in Ufa gestürzt. Es habe sich Rauch gebildet, Verletzte habe es nicht gegeben. Die Angriffe auf Energieanlagen sind Teil einer ukrainischen Strategie, die Versorgung der russischen Armee mit Treibstoff zu stören.
Unterdessen warnte Russlands wichtigste Getreidelobby vor einem Stopp der Getreideexporte über das Schwarze Meer. Grund seien ukrainische Drohnenangriffe auf russische Schiffe und Häfen, die bald zu einer «vollständigen Blockade der Exportkorridore» führen könnten. Ein Ausfall von 30 bis 35 Millionen Tonnen russischen Weizens wäre demnach möglich, was etwa 15 Prozent des weltweiten Weizenhandels entspricht. Die Störung der Schifffahrt stelle eine direkte Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar und könne Hungersnöte in Afrika und im Nahen Osten auslösen.
In der Nacht hatte Russland nach Behördenangaben erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew mit ballistischen Raketen beschossen. Mindestens neun Menschen kamen dabei ums Leben, 23 weitere wurden verletzt, darunter zwei Teenager. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von Schäden an Wohnhäusern und Gewerbegebäuden sowie brennenden Autos. Ein fünfstöckiges Wohnhaus sei durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden, Menschen seien eingeschlossen gewesen. Viele Bewohner verbrachten die Nacht in U-Bahn-Stationen oder im Freien. Das genaue Ausmaß der Schäden blieb zunächst unklar.
US-Präsident Donald Trump drohte der Ukraine derweil mit einem einseitigen Zugriff auf deren natürliche Ressourcen. In einem Interview mit dem rechten US-Sender Real America's Voice sagte Trump, die USA hätten einen Vertrag mit der Ukraine geschlossen und könnten sich «jederzeit einfach dorthin begeben und uns alles nehmen, was wir wollen». Die Ukraine verfüge über große Vorkommen an Seltenen Erden, die für die Vereinigten Staaten von Interesse seien. Er bezeichnete die Vereinbarung als «sehr guten Deal».
Im Hinterland der Front hat die 20. Brigade der ukrainischen Armee nach eigenen Angaben russische Treibstoffzüge mit Drohnen angegriffen. Ziel sei es, die Versorgung der russischen Einheiten mit Diesel und Benzin zu unterbrechen. «Dieses Spiel können wir auch spielen», erklärte die Brigade in einer Stellungnahme zu dem Angriff. In Russland bilden sich infolge der Angriffe auf Energie- und Transportinfrastruktur bereits lange Schlangen vor Tankstellen.
Zu einer möglichen eigenen Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen in der Ukraine äußerte sich Trump zurückhaltend. Bei einer Kabinettssitzung in Camp David sagte er, die Gespräche darüber dauerten an. Man müsse jedoch sehr vorsichtig sein, wem man eine solche Technologie überlasse. «Ich glaube nicht, dass das jemals passieren wird, aber es gibt Leute, denen man diese Technologie gibt und die sich eines Tages gegen einen wenden könnten», erklärte der US-Präsident.



