Die Deutsche Bahn (DB) sperrt ab dem 10. Juli die rechte Rheinstrecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen für rund fünf Monate. Die Totalsperrung auf dem 160 Kilometer langen Abschnitt ist Teil einer grundlegenden Korridorsanierung, in die insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro fließen. In den Abendstunden des Freitags sollen die Oberleitungen abgeschaltet werden, womit die Bauarbeiten offiziell beginnen.

Bis Mitte Dezember werden auf der Strecke, die unter anderem durch den Rheingau und das Mittelrheintal verläuft, Gleise, Weichen, Oberleitungen, Signaltechnik, Brücken, Tunnel, Bahnübergänge und Bahnhöfe erneuert oder modernisiert. Ziel der Maßnahme ist es, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnverkehrs auf dieser wichtigen Verbindung nachhaltig zu verbessern. Die DB erhofft sich von der Generalsanierung eine deutliche Reduzierung von Störungen und Verspätungen.

Für Reisende hat die Bahn ein umfangreiches Ersatzverkehrskonzept ausgearbeitet. Auf 13 Buslinien werden die entfallenden Zughalte bedient. Die Ersatzbusse fahren in Bahnhofsnähe und teilweise weitere gut erreichbare Haltestellen an. Durch eine enge Taktung sollen zahlreiche Fahrtmöglichkeiten entstehen. Expresslinien verbinden Wiesbaden, Rüdesheim und Koblenz sowie Koblenz, Bad Honnef, Bonn-Ramersdorf und Troisdorf möglichst schnell. Im Schülerverkehr sind zusätzliche Fahrten eingeplant.

Die Fahrgäste können die Ersatzverbindungen elektronisch über, den DB Navigator oder die regionalen Apps der Verkehrsverbünde RMV, SPNV-Nord und Go.Rheinland abrufen. Eine spezielle Website unter informiert über den Ersatzverkehr. Die eingesetzten Ersatzfahrzeuge sind nach Angaben der DB barrierefrei, verfügen über WLAN und teilweise über Toiletten an Bord.

In das Ersatzverkehrskonzept sind auch Rheinfähren eingebunden. Die Personenfähre „Nixe“ quert den Fluss zwischen dem rechtsrheinischen Erpel und Remagen. Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV) teilte mit, dass die Fähre eine zusätzliche Möglichkeit biete, Anschlüsse an das bestehende linksrheinische Verkehrsnetz zu erreichen. Dies soll den Reisenden helfen, trotz der Sperrung ihre Ziele zu erreichen.

Während der Bauphase erneuern die Fachkräfte rund 80 Kilometer Gleise, knapp 100 Kilometer Oberleitung, 160 Weichen und 10 Brücken oder setzen sie instand. Hinzu kommen Arbeiten an 36 Bahnhöfen. Der Güterverkehr wird während der Bauphase im Wesentlichen auf die Strecke am linken Rheinufer umgeleitet. Auch dort kommt es zu Einschränkungen im Nahverkehr, die DB versichert jedoch, dass ein stabiles Grundangebot bestehe.

Während der Totalsperrung sind mehrere Bahnübergänge zwischen Wiesbaden und Lorchhausen im Rheingau zum Teil dauerhaft geschlossen, da die Stellwerke außer Betrieb sind. Die Gleise werden von Baufahrzeugen sowie Logistikzügen befahren. Umleitungen sind vor Ort ausgeschildert. Betroffen sind unter anderem die Bahnübergänge in Wiesbaden-Biebrich, Wiesbaden-Schierstein, Eltville, Erbach, Oestrich, Rüdesheim, Assmannshausen und Lorchhausen. Die Schließungszeiten variieren, einige Übergänge sind von Juli bis November durchgehend geschlossen.

An mehreren Streckenabschnitten sollen tagsüber Hubschrauber zum Einsatz kommen, um neue Signale zu transportieren und alte abzutransportieren. Die Bahn kündigte an, dass es dabei nicht nur laut werde. Durch die Rotoren können starke Luftbewegungen entstehen. Anwohner werden gebeten, bewegliche und leichte Gegenstände in Gärten, auf Terrassen und Balkonen vorsorglich zu sichern. Die geplanten Flugtage sind der 11. und 12. Juli zwischen Troisdorf und Bad Honnef, der 10. bis 13. August in Niederlahnstein, der 24. bis 27. August in Rüdesheim und Eltville, der 7. bis 11. September an der Loreley und in Kamp-Bornhofen sowie der 21. bis 23. September in Oberlahnstein.

Die Sperrung der rechten Rheinstrecke stellt eine erhebliche Belastung für Pendler, Touristen und den Güterverkehr dar. Die DB bittet die Fahrgäste um Verständnis für die unvermeidlichen Beeinträchtigungen. Die Generalsanierung sei notwendig, um die Infrastruktur auf den modernsten Stand zu bringen und langfristig einen zuverlässigen Bahnverkehr zu gewährleisten. Nach Abschluss der Arbeiten im Dezember soll die Strecke wieder mit höherer Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit befahren werden können.