Die US-Streitkräfte haben zwei Nächte hintereinander auf Angriffe gegen Ziele im Iran verzichtet. Die iranische Armee kündigte daraufhin am Sonntag an, ihre Attacken in der Region ebenfalls einzustellen. Die Entscheidung überrascht, da US-Präsident Donald Trump noch am Freitag neue, massivere Schläge erwogen hatte. Stattdessen betonte er nun, Washington spreche mit Teheran – die Gespräche würden „von Tag zu Tag ernsthafter“. Ohne Abkommen drohte Trump jedoch mit einem „weitaus höheren Niveau“ der Gewalt. Die vorläufige Waffenruhe hat unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte, da der Konflikt die Durchfahrt von Öltankern durch die Straße von Hormus massiv behindert.
Innerhalb der US-Regierung wachsen offenbar die Bedenken über die schwindenden Bestände an Militärmaterial. Die „New York Times“ berichtete, dass vor allem die Abwehrraketen der Golfstaaten, etwa Patriot-Systeme, knapp werden. Der Sender CNN zitiert Vizepräsident JD Vance und General Dan Caine, die Bedenken gegen eine Fortsetzung der Angriffe geäußert hätten. Die iranische Armee erklärte daraufhin, auch ihre Vergeltungsmaßnahmen auszusetzen. Armeesprecher Mohammed Akraminia sagte: „Da unsere Strategie im Wesentlichen auf Vergeltung beruhte, haben auch wir unsere Vergeltungsmaßnahmen gestoppt.“ Die USA befänden sich in einer „schwierigen und instabilen“ Lage und suchten vermutlich nach einer neuen Strategie. Ein entscheidender Faktor könnte der Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Dienstag in Washington sein. Akraminia warnte: Sollte sich die US-Regierung erneut von Israel in die Irre führen lassen und auf Krieg beharren, werde der Iran den Konflikt „geografisch ausweiten“.
Während die direkten Angriffe auf das iranische Festland pausieren, bleibt die Straße von Hormus ein Brennpunkt. Die US-Armee beschoss am Freitag einen Tanker, der nach US-Angaben viermal versucht hatte, die Blockade iranischer Häfen zu durchbrechen. Die iranischen Streitkräfte erklärten, sie hätten binnen 24 Stunden sechs Schiffe an der Durchfahrt gehindert, die eine „illegale und unsichere Route“ genommen hätten. Teheran zwingt Tanker, die omanische oder iranische Hoheitsgewässer nutzen, zur Zahlung einer Maut für eine sichere Passage. Diese Gebühr hatte der Iran im Juni angekündigt – offiziell, um Kriegsschäden zu finanzieren. Der Iran verhandelt seit Wochen mit dem Oman über die künftige Maut. Am Sonntag meldete Teheran Fortschritte „zu gemeinsamen Prinzipien und operativen Mechanismen“ der Schifffahrt in der Meerenge.
Parallel dazu eskalieren die Kämpfe zwischen der jemenitischen Huthi-Miliz und Saudi-Arabien. Die mit dem Iran verbündeten Huthis gaben am Sonntag bekannt, eine saudische Aufklärungsdrohne türkischer Produktion abgeschossen zu haben. Bereits am Samstag hatten sie Anlagen des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco in Dschisan und Janbu am Roten Meer mit Drohnen und Raketen angegriffen. Ein von der Nachrichtenagentur AFP überprüftes Video zeigt dunklen Rauch über der Aramco-Raffinerie in Dschisan. Huthi-Sprecher Jahja Saree drohte mit einer „Eskalation in den kommenden Stunden und Tagen“. Die Angriffe folgten auf saudische Luftschläge im Jemen, die nach Angaben einer jemenitischen Sicherheitsquelle einen Marinestützpunkt in der Hafenstadt Hodeida und ein Militärlager auf der Insel Kamaran trafen. Huthi-Medien meldeten zwei Verletzte. Die Miliz hatte am Montag eine Blockade gegen saudische Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden verhängt und anschließend zwei Schiffe attackiert. Da die Straße von Hormus weitgehend gesperrt ist, bleiben Saudi-Arabien nur noch wenige Exportrouten für Rohöl und Erdgas.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi rief angesichts der Kämpfe zum Dialog auf. Es gebe „keine militärische Lösung“ für den Konflikt im Jemen und um die Meerenge Bab-al-Mandab. Die Entwicklung dürfe nicht dem Iran zugeschrieben werden, sondern wurzele in alten Streitigkeiten zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien. Im Jemen wütet seit über einem Jahrzehnt ein bewaffneter Konflikt. Saudi-Arabien unterstützt seit 2015 die international anerkannte Regierung gegen die Huthis. Eine von der UNO vermittelte Waffenruhe im Jahr 2022 hatte die Kämpfe weitgehend zum Erliegen gebracht. Der Krieg forderte hunderttausende Todesopfer und löste eine schwere humanitäre Krise aus. Papst Leo XIV. rief im Anschluss an das Angelusgebet zu Friedensverhandlungen auf. Die Gewalt gefährde „das Leben vieler Zivilisten ernsthaft“ und verschlimmere „den Mangel an Trinkwasser und Elektrizität“, sagte er in Rom.
Die derzeitige Patte könnte den Ölpreis weiter unter Druck setzen, da die Unsicherheit über die Sicherheit der Schifffahrtswege anhält. Beobachter rechnen mit anhaltenden Schwankungen an den Rohstoffmärkten, sollten die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran scheitern.



