Der südkoreanische Leitindex Kospi ist am Dienstag erneut massiv gefallen. Mit einem Minus von 10,8 Prozent löste der Index einen sogenannten Circuit Breaker aus, der den Handel für 20 Minuten unterbrach. Bereits am Vortag hatte der Kospi deutlich verloren. Auslöser der Verkaufswelle waren enttäuschende Quartalszahlen des Chipriesen SK Hynix.

SK Hynix, der zweitgrößte Speicherchip-Hersteller der Welt, hatte für das zweite Quartal zwar Rekordumsätze und einen deutlichen Gewinnanstieg gemeldet. Die Zahlen lagen jedoch unter den optimistischsten Analystenschätzungen, die aufgrund der KI-getriebenen Nachfrage nach HBM-Speichern (High Bandwidth Memory) extrem hoch gesteckt waren. Die Aktie von SK Hynix brach um rund 15 Prozent ein und zog andere Technologiewerte mit sich.

Besonders betroffen war der gesamte südkoreanische Halbleitersektor. Samsung Electronics verlor ebenfalls deutlich. Der Kospi verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit der globalen Finanzkrise 2008. Händler sprachen von einem «perfekten Sturm» aus enttäuschten Erwartungen, Gewinnmitnahmen und technischen Faktoren, da gehebelte ETFs die Verluste überproportional verstärkt hätten.

Der Absturz weitete sich auf andere asiatische Börsen aus. In Japan gab der Nikkei-225-Index um mehr als 5 Prozent nach, während der taiwanesische Taiex und der chinesische Shanghai Composite leichtere Verluste verzeichneten. Die Anleger reagierten verunsichert auf die Signale aus Südkorea, das als wichtiger Indikator für die globale Halbleiternachfrage gilt.

Hintergrund der Kursschwäche ist eine zunehmende Skepsis gegenüber den hohen Bewertungen im Technologiesektor. Viele Chipaktien waren in den vergangenen Monaten stark gestiegen, getrieben von der Euphorie um Künstliche Intelligenz. Die Zahlen von SK Hynix, die zwar stark waren, aber nicht die aggressivsten Erwartungen erfüllten, könnten ein erstes Warnsignal für eine Überhitzung sein.

Der südkoreanische Finanzminister Choi Sang-mok zeigte sich besorgt und kündigte an, die Märkte genau zu beobachten. Die Zentralbank und die Finanzaufsicht stünden bereit, um bei Bedarf mit Stabilitätsmaßnahmen einzugreifen. Zudem wird diskutiert, ob die Regeln für den Einsatz gehebelter ETFs verschärft werden sollten.

Für Privatanleger, die über ETFs in den Kospi investiert haben, bedeutet der Einbruch herbe Verluste. Insbesondere gehebelte Produkte, die Kursbewegungen überproportional abbilden, haben die Talfahrt beschleunigt. Die südkoreanische Börsenaufsicht prüft derzeit, ob regulatorische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um extreme Ausschläge zu dämpfen.

Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die anstehenden Quartalszahlen weiterer Chipkonzerne wie TSMC und Micron. Sollten auch diese hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte sich die Abwärtsbewegung an den globalen Aktienmärkten fortsetzen. Analysten warnen jedoch davor, aus einem einzelnen Unternehmen zu weitreichende Schlüsse zu ziehen, da die langfristige Nachfrage nach KI-Chips intakt bleibe.