Die Spannungen in der Straße von Hormus haben am Samstag eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, zwei Öltanker seien in der Meerenge auf Minen aufgefahren und explodiert. Die US-Armee wies diese Darstellung umgehend zurück und meldete zugleich die siebte Nacht in Folge Luftangriffe auf militärische Ziele im Iran.
Nach Angaben der Revolutionsgarden, die vom staatlichen Fernsehen verbreitet wurden, hätten die beiden Tanker versucht, ein Minenfeld im Süden der Straße von Hormus zu durchqueren. Sie seien von US-Geheimdiensten in die Irre geführt worden und daraufhin in Brand geraten. Teheran machte Washington für den Vorfall verantwortlich. Das US-Regionalkommando Centcom wies die Behauptung auf der Plattform X jedoch als falsch zurück. Angaben zur Nationalität der Schiffe oder zu möglichen Opfern wurden von iranischer Seite nicht gemacht.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Erdöl- und Flüssigerdgas-Handel. Der Iran hatte die Meerenge zu Beginn des Konflikts mit den USA de facto geschlossen und Minen ausgelegt, um die Passage zu blockieren. Die Schließung führte weltweit zu massiv gestiegenen Energiepreisen. Nach einer kurzzeitigen Öffnung im Zuge von Entspannungsbemühungen ist die Straße seit einer Woche erneut geschlossen.
Parallel zu den Vorfällen auf See setzten die USA ihre Luftangriffe auf iranische Ziele fort. In der Nacht zum Samstag wurden nach Centcom-Angaben Überwachungsstandorte, militärische Logistik-Infrastruktur, unterirdische Waffenlager und maritime Fähigkeiten ins Visier genommen. Iranische Medien meldeten Explosionen in verschiedenen Landesteilen. In der südlichen Provinz Hormosgan seien bei den Angriffen drei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Irna.
Als Vergeltung für die US-Angriffe attackierten die iranischen Streitkräfte nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag US-Militäreinrichtungen in Kuwait und Jordanien. In Kuwait seien mehrere Munitionslager, Kommandoeinrichtungen und Kommunikationsanlagen ins Visier genommen worden, hieß es in einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung der Armee. In Jordanien seien Treibstofftanks der US-Armee angegriffen worden. Die jordanische Armee erklärte, sie habe zehn iranische Drohnen zerstört.
Die gegenseitigen Angriffe folgen auf eine Serie eskalierender Maßnahmen. Die USA hatten zuvor ihre Blockade iranischer Häfen wieder in Kraft gesetzt und fliegen seit einer Woche täglich Angriffe. Ein hochrangiger Militärberater des obersten iranischen Führers, Modschtaba Chamenei, drohte mit einer Ausweitung des Krieges. Sein Land sei bereit für eine großangelegte Offensive, sollten die US-Angriffe noch länger als zwei oder drei Tage andauern, sagte Mohsen Resai dem Staatsfernsehen. Der Iran werde sich nicht mehr mit Gegenangriffen begnügen, und keine Grenze werde sicher sein.
Auch US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen mit einer Ausweitung der Angriffe gedroht, falls die Verhandlungen mit Teheran über ein endgültiges Ende des Krieges scheitern sollten. Beide Seiten hatten Mitte Juni ein Rahmenabkommen mit dem Ziel unterzeichnet, binnen 60 Tagen zu einem Friedensabkommen zu gelangen. Trotz der Eskalation der vergangenen Tage dauern die Vermittlungsbemühungen an, ein Durchbruch scheint jedoch derzeit nicht in Sicht.



