Der anhaltende Iran-Krieg hat die saudische Wirtschaft im zweiten Quartal deutlich geschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des weltgrößten Ölexporteurs fiel um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Statistikbehörde Gastat auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Hauptgrund war ein Einbruch des Ölgeschäfts um 24,7 Prozent. Die übrigen Wirtschaftsbereiche legten dagegen um 0,9 Prozent zu, und die Staatsausgaben stiegen um 0,6 Prozent.
Die Ursachen für den wirtschaftlichen Abschwung liegen in den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region, die bereits seit fünf Monaten andauern. Die strategisch wichtige Straße von Hormus, eine Meerenge für den Ölexport, ist praktisch gesperrt. Zudem nehmen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Schifffahrt im Roten Meer unter Beschuss, was den saudischen Ölexport erheblich stört. Eine Entspannung ist nicht in Sicht: Erst am Mittwoch griffen die USA erneut Ziele im Iran an, darunter militärische Kommandozentralen und Raketenanlagen der Revolutionsgarden.
Die Folgen des Konflikts sind für die gesamte Golfregion spürbar. Einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge dürften die meisten Golfstaaten in diesem Jahr wirtschaftlich stärker schrumpfen als noch vor drei Monaten erwartet. Eine Erholung wird frühestens für 2027 prognostiziert.
Parallel dazu erwägt die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen die Einführung von Gebühren für die Durchfahrt von Handelsschiffen durch das Rote Meer. Der Plan wurde bei einem Treffen in Teheran erörtert und bezieht sich auf die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Chinesische Schiffe sollen von den Abgaben ausgenommen sein, da Peking in direkten Gesprächen mit der Miliz erreicht hat, dass seine Tanker das südliche Rote Meer unbehelligt passieren können. Die Volksrepublik ist der weltgrößte Abnehmer von saudischem Öl, aber auch ein großer Abnehmer von iranischem Öl. Sollte der Huthi-Plan umgesetzt werden, würde Saudi-Arabien eine wichtige Alternative zur Straße von Hormus verlieren, was die Furcht vor Versorgungsengpässen bei Öl weiter verstärkt.
Der Iran setzt seinerseits darauf, die USA durch Gebührenforderungen für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus unter Druck zu setzen. Gleichzeitig rüstet Teheran seine Luftabwehr auf: Berichten zufolge wird der Iran innerhalb weniger Wochen eine erste Lieferung von bis zu 400 in China hergestellten, schultergestützten Luftabwehrraketenwerfern erhalten. Der Kauf im Wert von 60 bis 70 Millionen Dollar ist eine der größten bekannten Maßnahmen zur Stärkung der Kurzstrecken-Luftabwehr seit Kriegsbeginn.
Die Eskalation des Konflikts zeigt sich auch in anderen Vorfällen. Eine Drohne traf am Mittwoch im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta einen US-Gastanker. Das schwimmende Tank- und Regasifizierungsschiff «Energos Winter» geriet in Brand, die Flammen griffen auf ein weiteres Schiff über. Es gab keine Verletzten. Der Vorfall schürt in Ägypten die Sorge vor einer weiteren Ausweitung des Iran-Kriegs. Zwei Tage zuvor hatte das iranische Fernsehen eine Karte mit möglichen Zielen für Vergeltung gezeigt, auf der auch Damietta markiert war.
Angesichts der Vielzahl gleichzeitiger Bedrohungen bleibt die Aussicht für die saudische Wirtschaft düster. Der Einbruch des Ölgeschäfts hat die zentralen Einnahmen des Königreichs schwer getroffen, und eine schnelle Besserung ist nicht absehbar, solange die Region von Krieg und Unsicherheit geprägt ist.



