Alte Matratzen, ausgediente Möbel, kaputte Lampen – an vielen Orten in Deutschland türmen sich illegale Müllberge. Um die Verursacher solcher Ablagerungen zu finden, setzen immer mehr Städte auf sogenannte Mülldetektive oder Abfallermittler. Sie durchsuchen Müllhaufen nach Adressen, beobachten neuralgische Punkte und leiten Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Die Dunkelziffer ist hoch, doch die Erfolgsquote der Ermittler liegt in einigen Städten bei über 80 Prozent.
Bonn hat seit Anfang 2025 einen eigenen Abfallermittler: Frank Schaar. Er ist der erste Mitarbeiter des neu geschaffenen „Ermittlungsdienst Abfall“ der Stadt. Mit orangefarbenen Handschuhen greift Schaar in Müllberge, um Spuren zu sichern. Ein Karton mit einem Adressaufkleber reicht aus, um den ehemaligen Besitzer zu identifizieren – der erhält dann Post vom Ordnungsamt. Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden in Bonn rund 300 Ermittlungsverfahren zu wildem Müll eingeleitet. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 waren es 328 Fälle – noch ohne den speziellen Ermittlungsdienst. Sascha Hessenbruch, Leiter des Bereichs Ordnungswidrigkeiten, berichtet, dass in über 80 Prozent der Fälle die Täter ermittelt und mit Bußgeldern belegt werden konnten. Ab September soll Schaar Verstärkung durch zwei weitere Kollegen erhalten.
Auch in anderen Städten sind Mülldetektive erfolgreich. In Düsseldorf führten 14 Mitarbeiter im Jahr 2025 rund 5.600 Kontrollen durch. In knapp 1.900 Fällen wurden Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet, und es wurden Verwarn- und Bußgelder in Höhe von insgesamt 196.000 Euro verhängt. Dortmund meldet für das vergangene Jahr 590 Bußgeldbescheide über insgesamt 130.000 Euro aufgrund der Arbeit des eigenen Ermittlungsdienstes. In Mönchengladbach weisen die Abfallbetriebe darauf hin, dass bereits die unrechtmäßige Entsorgung einer einzigen Tüte Restmüll ein Bußgeld von mindestens 100 Euro nach sich zieht. Für eine Kofferraumladung Sperrmüll werden mindestens 600 Euro fällig. Die Hemmschwelle sinke jedoch dramatisch, sobald bereits Müll an einem Ort liege – ein Phänomen, das als Broken-Window-Prinzip bekannt ist.
In Köln hat die Zahl der Meldungen über wilden Müll in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Wurden 2020 noch rund 24.000 Meldungen registriert, waren es 2025 fast 30.600. Die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) führen diesen Anstieg nicht nur auf eine tatsächliche Zunahme, sondern auch auf ein gestiegenes Problembewusstsein und vereinfachte Meldewege per App zurück. Im vergangenen Jahr entsorgten die Kölner Mitarbeiter rund 2.900 Tonnen illegalen Mülls. Die Kosten dafür beliefen sich auf etwa 15,5 Millionen Euro – eine Summe, die über die Abfallgebühren auf alle Bürger umgelegt wurde. Bislang gibt es in Köln noch keine Mülldetektive, doch der Stadtrat hat Ende 2024 einen „Masterplan Sauberkeit“ beschlossen, der die Einrichtung eines Ermittlungsdienstes vorsieht. Wie dieser umgesetzt werden kann, wird derzeit noch geprüft.
In Dortmund observieren die Ermittler nachts und an Wochenenden bekannte Ablageorte, um Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen. Auch in Bonn sollen sich die Mitarbeiter künftig regelmäßig an neuralgischen Stellen auf die Lauer legen, wie Ordnungsdienst-Leiter Hessenbruch ankündigt. Er zeigt sich überzeugt, dass auf diese Weise zahlreiche Verursacher überführt werden können – und dass dies eine abschreckende Wirkung haben dürfte, sobald sich die erhöhte Kontrolltätigkeit herumspreche.
Besonders ärgerlich ist das Problem, weil die Entsorgung der meisten Abfälle für Privathaushalte kostenlos ist. Sperrmüll und Elektrogeräte werden sogar vor der Haustür abgeholt, betont Jérome Lefèvre, Sprecher der Bonner Abfallbetriebe Bonnorange. Umso unverständlicher sei es, dass Menschen ihren Unrat extra ins Auto packen, um ihn illegal irgendwo abzulegen. Die Städte setzen daher verstärkt auf Detektive, Überwachung und konsequente Bußgelder – in der Hoffnung, das wachsende Problem des wilden Mülls einzudämmen. Bielefeld etwa plant ebenfalls den Einsatz von Mülldetektiven; die Maßnahme befindet sich noch in der Bearbeitung.



