Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli überraschend leicht gestiegen. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich damit etwas verbessert, auch wenn der Optimismus noch verhalten bleibt. Das Münchner Ifo-Institut verzeichnete einen Anstieg des viel beachteten Frühindikators, der auf monatlichen Befragungen von Tausenden Unternehmen basiert. Der Indexwert liegt nun etwas höher als im Vormonat, bleibt aber unter dem langjährigen Durchschnitt.

Der Umfragechef des Ifo-Instituts zeigte sich vorsichtig optimistisch. Die deutsche Wirtschaft sei bereit, Schwung aufzunehmen, erklärte er. Allerdings warnte er zugleich vor neuen Risiken. Besonders die Eskalation der Spannungen im Nahen Osten, konkret der Konflikt rund um die strategisch wichtige Straße von Hormus, sei bei der aktuellen Erhebung noch nicht berücksichtigt worden. Die Daten wurden vor der jüngsten Zuspitzung der Lage im Persischen Golf erhoben.

Ökonomen mahnen zur Vorsicht. Die ungelöste Krise im Nahen Osten könnte die zarte Konjunkturerholung in Deutschland schnell ausbremsen. Im Mittelpunkt steht die Sorge vor steigenden Ölpreisen. Sollte die Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus weiter beeinträchtigt werden, drohen deutlich höhere Energiepreise. Für die deutsche Industrie, die stark von Importen abhängig ist, wäre dies eine erhebliche Belastung. Die Produktionskosten würden steigen, die Margen schrumpfen.

Die leichte Verbesserung des Ifo-Index ist dennoch ein positives Signal nach einer Phase der Stagnation und Rezessionsangst. Viele Unternehmen berichteten von einer etwas weniger pessimistischen Einschätzung der aktuellen Lage. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich leicht aufgehellt. In einigen Branchen, wie dem Dienstleistungssektor, zeigte sich eine spürbare Belebung. Der verarbeitenden Industrie hingegen machen die geopolitischen Unsicherheiten weiterhin zu schaffen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren für Deutschland. Er spiegelt die Einschätzung der Manager zur aktuellen Geschäftslage und den Perspektiven der nächsten sechs Monate wider. Ein Anstieg des Index deutet in der Regel auf eine wirtschaftliche Erholung hin. Allerdings sind die Risiken derzeit außergewöhnlich hoch. Neben dem Nahost-Konflikt belasten auch die schwache Weltkonjunktur und die Unsicherheit über den weiteren Kurs der Geldpolitik die Unternehmen.

Der Konflikt um die Straße von Hormus hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Die Meerenge ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Rohöl weltweit. Jede Störung der Schifffahrt führt unmittelbar zu steigenden Ölpreisen und Verunsicherung an den Finanzmärkten. Bisher haben die Preise zwar noch nicht drastisch angezogen, aber die Lage bleibt angespannt. Ein militärischer Zusammenstoß oder eine Blockade wäre verheerend für die Weltwirtschaft und insbesondere für Europa, das einen großen Teil seines Öls aus dem Nahen Osten bezieht.

Für die deutsche Wirtschaft kommt die neue Unsicherheit zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Erst langsam zeichnet sich eine Erholung von der tiefen Rezession der vergangenen Jahre ab. Die Exportindustrie leidet unter der schwachen Nachfrage aus China und anderen wichtigen Märkten. Die Inlandsnachfrage wird durch hohe Inflation und Zinsbelastung gedämpft. Wenn nun auch noch die Energiepreise steigen, droht ein erneuter Rückschlag. Die Bundesregierung und die Europäische Union beobachten die Entwicklung mit Sorge und prüfen Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung und zur Dämpfung von Preissprüngen.

Trotz der düsteren Wolken am Horizont überwiegt bei den meisten Unternehmen noch eine vorsichtige Zuversicht. Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass die Konjunktur im Laufe des zweiten Halbjahres langsam an Fahrt gewinnen wird. Voraussetzung sei allerdings, dass die geopolitischen Spannungen nicht weiter eskalieren. Der Ifo-Index zeigt, dass die Wirtschaft bereit ist, wieder zu wachsen. Ob diese Bereitschaft in tatsächliches Wachstum umgesetzt werden kann, hängt nun maßgeblich von der Entwicklung am Persischen Golf ab.