Die jemenitische Huthi-Miliz hat die Verantwortung für einen Drohnenangriff zurückgewiesen, bei dem im ägyptischen Hafen Damietta zwei Flüssiggastanker beschädigt wurden. Ein Vertreter des außenpolitischen Büros der Huthis erklärte am Donnerstag, Gerüchte über einen Angriff auf Schiffe in Ägypten entbehrten jeder Grundlage. Die Miliz nehme «ausschließlich das saudiarabische Regime ins Visier», hieß es. Zuvor hatte die ägyptische Regierung einen Drohnenangriff als Ursache für das Feuer auf zwei Schiffen genannt. Die britische Sicherheitsfirma Ambrey berichtete, eine Drohne habe am Mittwoch das schwimmende Tank- und Regasifizierungsschiff «Energos Winter» getroffen, das dem US-Unternehmen Energos Infrastructure gehört. Das Feuer habe auf die «Gaslog Salem», einen griechischen LNG-Tanker, übergegriffen. Nach Angaben des ägyptischen Ölministeriums wurden die Flammen rasch gelöscht; Verletzte gab es nicht. Der Vorfall war der erste seiner Art in Ägypten seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar.
Die Huthi-Miliz, die vom Iran unterstützt wird, hatte in der vergangenen Woche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Seither greift sie nach eigenen Angaben saudische Öltanker und Ölanlagen an. Am Montag meldete die Miliz Drohnenangriffe auf «sensible Knotenpunkte» für den Öltransport nach Janbu. Saudi-Arabien wiederum griff Ziele in von den Huthis kontrollierten Gebieten im Jemen an. Die Attacke im ägyptischen Damietta schürt in der Region Sorgen über eine weitere Ausweitung des Iran-Kriegs, der seit fünf Monaten tobt. In den vergangenen Tagen war der Konflikt durch gegenseitige Angriffe der USA und des Iran sowie verbündeter Milizen weiter eskaliert.
Der Iran-Krieg lässt die Wirtschaft Saudi-Arabiens einbrechen. Wie die Statistikbehörde Gastat am Donnerstag mitteilte, fiel das Bruttoinlandsprodukt des weltgrößten Ölexporteurs im zweiten Quartal um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Grund war ein Einbruch des Ölgeschäfts um 24,7 Prozent, während die übrigen Wirtschaftsbereiche um 0,9 Prozent wuchsen. Die Staatsausgaben legten um 0,6 Prozent zu. Die als Meerenge für den Ölexport wichtige Straße von Hormus ist praktisch gesperrt. Hinzu kommt, dass die Huthi-Rebellen die Schifffahrt im Roten Meer unter Beschuss nehmen, was den saudischen Ölexport erheblich stört. Einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge dürften die meisten Golf-Staaten in diesem Jahr wirtschaftlich stärker schrumpfen als noch vor drei Monaten erwartet; eine Erholung wird erst 2027 prognostiziert.
Die USA haben die Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen. Das US-Zentralkommando meldete, man habe Dutzende Ziele des Korps der Islamischen Revolutionsgarden angegriffen, darunter militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen, Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen sowie maritime Kapazitäten. Die Angriffe zielten darauf ab, die Bedrohungen für die amerikanischen Streitkräfte, die Handelsschifffahrt und die Nachbarländer am Persischen Golf weiter zu verringern. Erst am Mittwoch hatten die USA den Iran angegriffen. Der Iran selbst soll nach Informationen von Reuters in wenigen Wochen eine erste Lieferung von bis zu 400 in China hergestellten, schultergestützten Luftabwehrraketenwerfern erhalten. Der Kauf im Wert von 60 bis 70 Millionen US-Dollar ist eine der größten bekannten Maßnahmen Teherans zur Stärkung seiner Kurzstrecken-Luftabwehr seit Kriegsausbruch. Dem Iran war es in den vergangenen Wochen immer wieder gelungen, amerikanische Militärbasen im Nahen Osten anzugreifen. Eine Entspannung der Lage in der Region ist derzeit nicht in Sicht.



