Die Huthi-Miliz im Jemen erwägt offenbar die Einführung von Gebühren für die Durchfahrt von Handelsschiffen durch das Rote Meer. Der Plan betrifft die strategisch bedeutende Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, die Überlegungen seien im Gange. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung wurde jedoch nicht genannt.

Die Idee wurde bei einem Treffen in Teheran erörtert, zu dem Huthi-Vertreter im Juli zur Trauerfeier für den obersten Führer Irans gereist waren. Iranische Gesprächspartner schlugen demnach vor, Gebühren zu erheben, um den Druck auf die USA zu erhöhen. Chinesische Schiffe sollen von den Abgaben ausgenommen werden. Peking hatte zuvor in direkten Gesprächen mit der Miliz erreicht, dass seine Tanker das südliche Rote Meer ohne Angriffe passieren können. Die Volksrepublik ist der weltweit größte Abnehmer von saudischem Öl, aber auch ein bedeutender Abnehmer von iranischem Öl.

Der Iran selbst verfolgt ein ähnliches Modell. In den Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende im Konflikt mit den USA fordert Teheran Gebühren für die Schiffspassage durch die Straße von Hormus – eine Forderung, die Washington strikt ablehnt. Die Schließung oder Behinderung der Durchfahrt bei Bab al-Mandab würde Saudi-Arabien einer wichtigen Alternativroute zur Straße von Hormus berauben. Die Furcht vor Engpässen bei der Ölversorgung dürfte damit weiter zunehmen.

Der Schiffsverkehr im Roten Meer hat sich seit Beginn der Huthi-Angriffe vor der jemenitischen Küste im November 2023 nicht vollständig erholt. Die Miliz hatte ihre Attacken als Akt der Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen bezeichnet. In der vergangenen Woche kündigte die Huthi-Miliz eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an. Seither griff sie nach eigenen Angaben saudische Öltanker und Ölanlagen an. Am Dienstag meldete die Miliz einen Angriff auf den Öltanker «NCC Ghazal» im Roten Meer, weil dieser gegen die Blockade verstoßen habe. Das Schiff sei mit Raketen beschossen und zur Umkehr gezwungen worden.

Saudi-Arabien reagierte mit Luftangriffen auf Ziele in von den Huthis kontrollierten Gebieten. Eine von Riad geführte Militärkoalition hatte seit 2015 die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Seit einer von der UNO vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 waren die Kampfhandlungen weitgehend zum Erliegen gekommen. Durch die jüngsten gegenseitigen Angriffe droht diese faktische Feuerpause zu kippen.

Die Einführung von Gebühren für die Passage durch das Rote Meer hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen. Die Meerenge Bab al-Mandab ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt; rund 15 Prozent des globalen Schiffsverkehrs passieren sie täglich. Sollte die Huthi-Miliz tatsächlich Abgaben erheben, könnten die Kosten für den Öltransport steigen und Versicherungsprämien für Schiffe in der Region zunehmen. Viele Reedereien meiden bereits das Rote Meer und nehmen den längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung in Afrika, was die Lieferzeiten und Kosten erhöht.

Die Huthis werden vom Iran unterstützt und kontrollieren weite Teile des Jemens. Ihr Vorgehen gegen die Schifffahrt hat den internationalen Handel empfindlich getroffen. Sollte die Miliz die Gebührenpläne umsetzen, würde dies die wirtschaftlichen Spannungen in der Region weiter verschärfen und die Position Saudi-Arabiens zusätzlich schwächen. Die USA und ihre Verbündeten haben bisher mit militärischen Schlägen reagiert, doch eine dauerhafte Lösung ist nicht in Sicht.