Die Fußballwelt trauert um eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Kevin Keegan, der als Spieler des FC Liverpool und des Hamburger SV Weltruhm erlangte, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Seine Familie gab bekannt, dass der frühere Stürmer nach langer Krebserkrankung im Kreise seiner Angehörigen friedlich eingeschlafen sei. Keegan hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

Keegan begann seine große Karriere 1971 beim FC Liverpool, wo er mit seinem aggressiven Spielstil und unermüdlichen Einsatz schnell zum Publikumsliebling wurde. In sechs Jahren an der Anfield Road gewann er drei englische Meisterschaften, den FA Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister. Diese Erfolge machten ihn zu einem der begehrtesten Spieler Europas und ebneten den Weg für einen für damalige Verhältnisse außergewöhnlichen Wechsel: 1977 zog es den Engländer zum Hamburger SV.

„Die Leute hielten mich für verrückt, Liverpool zu verlassen. Vielleicht hatten sie recht. Aber ich musste mir selbst etwas beweisen“, begründete Keegan den Transfer. In Hamburg gelang ihm, was vor ihm keinem Engländer in der Bundesliga gelungen war: Er wurde zu einer der bestimmenden Figuren der Liga. 1979 führte er den HSV zur deutschen Meisterschaft und wurde zweimal in Folge zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Keegan avancierte zum internationalen Superstar und gilt bis heute als einer der größten HSV-Spieler neben Uwe Seeler.

Sein früherer Teamkollege Felix Magath würdigte Keegan im Gespräch mit dem NDR als „super Teamplayer und super Menschen“. Magath betonte: „Er war Vollprofi und uns in der Zeit voraus, was das ganze Auftreten gegenüber Medien und Fans betraf.“ Keegan selbst sagte dem Fachmagazin „Kicker“ später: „Ich habe in Hamburg mehr über mich selbst gelernt als irgendwo sonst.“

Nach seiner Rückkehr nach England ließ Keegan seine Spielerkarriere langsam ausklingen und wechselte ins Trainerfach. Als Coach führte er Newcastle United 1996 beinahe zur Meisterschaft und betreute die englische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2000. Zwar knüpfte er als Trainer nicht an die Erfolge seiner aktiven Zeit an, blieb aber seiner Art treu: kein Taktiktüftler, sondern ein Motivator, der Spieler mit Leidenschaft mitriss. Der frühere Stürmer Alan Shearer sagte über seinen ehemaligen Trainer: „Keegan war nie der Mann für Strategiepapiere – aber einer, der dich mitreißen konnte, weil du wusstest: Der meint das ernst.“

Abseits des Platzes überraschte Keegan die Öffentlichkeit mit einem Ausflug in die Musikbranche. Seine Single „Head over Heels in Love“ landete in den deutschen Charts und zeigte eine weitere Facette seiner Persönlichkeit. Keegan tat stets, wonach ihm der Sinn stand, ohne sich um die Meinung anderer zu scheren – eine Eigenschaft, die ihn zeitlebens auszeichnete.

Mit Kevin Keegan verliert der Fußball ein Unikat, das in einer Zeit des wachsenden Kommerzes und der medialen Inszenierung für Authentizität und Bodenständigkeit stand. Seine Leidenschaft, sein Kampfgeist und seine Menschlichkeit bleiben unvergessen. Der HSV und der FC Liverpool trauern um eine ihrer größten Legenden.