Der Bund ist jetzt Miteigentümer des Übertragungsnetzbetreibers Tennet Germany. Über die staatliche Förderbank KfW hat der Bund 25,1 Prozent des früheren niederländischen Staatsunternehmens übernommen, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. Tennet betreibt mit mehr als 14.000 Trassenkilometern das größte deutsche Stromübertragungsnetz, das von Schleswig-Holstein bis nach Bayern reicht.
Mit diesem Schritt ist der Bund nun an drei der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber beteiligt. Über die KfW hält der Bund bereits 20 Prozent an 50Hertz, das in Mittel- und Ostdeutschland aktiv ist, sowie 24,95 Prozent an TransnetBW in Baden-Württemberg. Lediglich am vierten Netzbetreiber Amprion ist kein Staatsunternehmen beteiligt. Die vier Unternehmen sind für die sogenannten Stromautobahnen zuständig, die Strom mit Höchstspannung von 220.000 oder 380.000 Volt über große Entfernungen transportieren.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte: „Mit dem Transaktionsvollzug sichern wir den Ausbau des Stromübertragungsnetzes als kritische Infrastruktur ab und stärken den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Dass neben der KfW auch drei private Investoren Anteile an Tennet Germany erwerben, sei Ausdruck der Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort. „Mit dieser Eigentümerstruktur ist Tennet für die Zukunft gut aufgestellt“, so Reiche.
Bereits Ende Juni hatten drei internationale Investoren aus Norwegen, den Niederlanden und Singapur ihre Transaktion abgeschlossen. Ihr Anteil soll bis 2029 auf insgesamt 46 Prozent ansteigen. Der übrige Anteil verbleibt bei der niederländischen Tennet Holding. Der Vertrag über den Einstieg der KfW bei Tennet war Anfang Februar unterzeichnet worden. Danach mussten noch die EU-Kommission und die Bundesnetzagentur den Einstieg genehmigen.
Der Ausbau der Stromautobahnen ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende in Deutschland. Vor allem, um mehr Windstrom aus dem Norden in den Süden zu transportieren, wird das Übertragungsnetz derzeit stark ausgebaut. Dies erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Vom Übertragungsnetz ist das viel dichtere Verteilnetz zu unterscheiden, das alle niedrigeren Spannungsebenen umfasst. In Deutschland gibt es 866 Verteilnetzbetreiber, die für die lokale Stromversorgung zuständig sind.
Die Beteiligung des Bundes an den Übertragungsnetzbetreibern soll die Versorgungssicherheit erhöhen und die kritische Infrastruktur vor unerwünschten Einflüssen schützen. Durch die staatliche Beteiligung kann der Bund strategische Entscheidungen beim Netzausbau mitbestimmen und langfristige Planungen sicherstellen. Die privaten Investoren bringen zusätzliches Kapital und Know-how ein, was den Ausbau beschleunigen soll.
Die Übernahme der Anteile an Tennet Germany ist ein weiterer Schritt in der Neuordnung der deutschen Energielandschaft. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die Stromnetze bis 2030 fit für einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Strommix zu machen. Dafür sind nicht nur neue Leitungen nötig, sondern auch die Modernisierung bestehender Trassen und die Integration von Speichertechnologien.
Die vier Übertragungsnetzbetreiber spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Energiewende. Sie sind verantwortlich für den Transport von Strom aus Windkraftanlagen, Solarparks und konventionellen Kraftwerken zu den Verteilnetzen und großen Verbrauchern. Ohne den Ausbau der Stromautobahnen drohen Engpässe und Netzinstabilitäten, die die Versorgungssicherheit gefährden könnten.
Die Beteiligung des Bundes an Tennet Germany wird von Experten als positives Signal für die Investitionssicherheit gewertet. Die langfristige Planung und Finanzierung des Netzausbaus wird durch die staatliche Beteiligung erleichtert. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern erhalten, da die operative Führung weiterhin in privater Hand liegt.
Mit dem Einstieg bei Tennet Germany hat der Bund seine Position in der deutschen Energiewirtschaft weiter gestärkt. Die Kombination aus staatlicher Beteiligung und privatem Kapital soll sicherstellen, dass die notwendigen Investitionen in die Strominfrastruktur zügig umgesetzt werden können. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Eigentümerstruktur den Herausforderungen der Energiewende gewachsen ist.



