Technologie 3 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
The Last of Us-Regisseur Bruce Straley kritisiert moderne AAA-Spiele als «langweilig»
Bruce Straley, Game Director von The Last of Us, findet moderne AAA-Titel uninspiriert und nennt God of War Laufey als Beispiel für fehlende Innovation. Nach seinem Burnout bei Naughty Dog arbeitet er nun an kleineren Projekten bei Wildflower Interactive.
Bruce Straley, der als Game Director hinter The Last of Us und mehreren Uncharted-Titeln bekannt wurde, hat die aktuelle Landschaft der AAA-Spiele scharf kritisiert. In einem Beitrag für das Edge-Magazin bezeichnete er die großen Blockbuster-Titel als «langweilig». Als Hauptgrund nannte er den fehlenden Mut zum Risiko. Die Industrie setze zunehmend auf bewährte Formeln, statt neue Ideen auszuprobieren.
Als konkretes Beispiel führte Straley God of War Laufey an. Er betonte, dass die technische Umsetzung des Spiels beeindruckend sei: «Jeder Pixel ist umwerfend», sagte er. «Der Aufwand und das Können, das in jedes einzelne Bild geflossen ist – ich habe selbst solche Spiele gemacht, und ich bin immer noch überwältigt.» Doch bei der eigentlichen Spielmechanik empfinde er keine Begeisterung. «Wenn ich mir ansehe, was man im Spiel tatsächlich tut, bin ich nicht begeistert. Das ist nichts gegen das God of War-Team. Es fühlt sich einfach so an, als gäbe es in der Triple-A-Branche keine Möglichkeit, frische, innovative Ideen einzubringen.»
Die Ironie dieser Aussage liegt nahe: Straley selbst gilt als Wegbereiter für genau jene Art von Spielen, die er nun kritisiert. Uncharted und The Last of Us prägten das Genre der hyperkinematischen Third-Person-Actionspiele, die heute in großer Zahl erscheinen. Besonders die PlayStation-Studios und die God of War-Reihe orientieren sich an dieser Formel. Der 2018 erschienene God of War-Reboot wurde von Spielern scherzhaft als Kratos-Version von The Last of Us bezeichnet.
Straley verließ Naughty Dog im Jahr 2017 nach der Veröffentlichung von Uncharted 4: A Thief's End. In den Credits von The Last of Us Part 2 wird ihm besonderer Dank ausgesprochen, doch sein genauer Beitrag zum fertigen Spiel ist unklar, da es fast vier Jahre ohne ihn entwickelt wurde. Als Grund für seinen Abschied nannte er einen tiefgreifenden Burnout durch den intensiven AAA-Entwicklungsprozess.
Heute arbeitet Straley bei seinem eigenen Studio Wildflower Interactive an kleineren Spielen. Sein erstes Projekt unter diesem Label wurde bei den Game Awards 2025 vorgestellt und trägt den Titel Coven of the Chicken Foot. Es scheint eine deutliche Abkehr von seiner bisherigen Arbeit bei Naughty Dog zu sein. Ein Veröffentlichungsdatum gibt es bislang nicht.
Die Diskussion über die kreative Stagnation großer Studios ist nicht neu. Immer wieder kritisieren Entwickler und Spieler, dass AAA-Produktionen aufgrund hoher Budgets und wirtschaftlicher Zwänge kaum Raum für Experimente lassen. Straley reiht sich mit seiner Aussage in diese Debatte ein und untermauert sie mit seiner eigenen Erfahrung aus jahrelanger Arbeit an einigen der einflussreichsten Titel der Branche.



