Im Falle eines Unfalls oder einer plötzlichen gesundheitlichen Krise zählt jede Sekunde. Das Smartphone, das die meisten Menschen stets bei sich tragen, kann in solchen Situationen zum Lebensretter werden – vorausgesetzt, die entsprechenden Notfall-Funktionen sind korrekt eingerichtet. Sowohl iPhones als auch Android-Smartphones bieten weit mehr als die Möglichkeit, die 112 zu wählen. Sie können selbstständig Rettungskräfte alarmieren, vorab festgelegte Notfallkontakte benachrichtigen und sogar automatisch einen Unfall erkennen. Damit diese Hilfen im Ernstfall zuverlässig funktionieren, müssen Nutzer die Einstellungen einmalig aktivieren und an ihre persönlichen Bedürfnisse anpassen.

Bei iPhones ab dem Modell 14 steht die Unfallerkennung im Mittelpunkt. Das Gerät erfasst über Sensoren, ob der Träger in einen schweren Autounfall verwickelt ist. Reagiert die Person nicht auf die Aufforderung, einen Notruf abzusetzen, wählt das iPhone eigenständig den Rettungsdienst. Diese Funktion lässt sich in den Einstellungen unter dem Punkt «Notruf SOS» aktivieren. Dort können Nutzer auch festlegen, mit welcher Tastenkombination der Notfallmodus manuell ausgelöst wird: entweder durch fünfmaliges schnelles Drücken der Einschalttaste oder durch gleichzeitiges Gedrückthalten der Einschalttaste und einer der Lautstärketasten. In beiden Fällen erscheint ein Countdown auf dem Display, nach dessen Ablauf der Notruf automatisch abgesetzt wird. Wichtig zu wissen: Ein einmal getätigter Notruf lässt sich nicht einfach beenden. Bei Modellen ab dem iPhone 14 funktioniert der Notruf sogar ohne Mobilfunknetz, da das Gerät Satellitenverbindungen nutzen kann.

Zusätzlich zur Notruffunktion bietet das iPhone die Möglichkeit, in der Health-App wichtige medizinische Informationen zu hinterlegen. Dazu gehören Allergien, lebensnotwendige Medikamente, Blutgruppe oder eine Schwangerschaft. Diese Daten werden im Notfallmodus auch auf dem gesperrten Bildschirm angezeigt, sodass Rettungskräfte sie sofort einsehen können. Der Zugang zu diesen Informationen erfolgt über das Notfall-Menü, das auch ohne Entsperren des Geräts erreichbar ist. Um die Gesundheitsdaten zu erfassen, öffnen Nutzer die Health-App, wählen den Bereich «Medizinische ID» und tragen die relevanten Angaben ein. Die Notfallkontakte lassen sich ebenfalls in der Health-App oder direkt im Notruf-SOS-Menü bearbeiten.

Auf Android-Smartphones gestaltet sich die Einrichtung ähnlich, variiert jedoch je nach Hersteller leicht. In den Einstellungen finden Nutzer den Bereich «Sicherheit und Notfall», «Notfälle & Sicherheit» oder «Sicherheit und Datenschutz». Dort wählen sie den Punkt «Notruf SOS» oder «Notfall-SOS». Zunächst können auch hier Notfallkontakte ausgewählt werden. Anschließend legt der Nutzer fest, welche Aktionen bei Aktivierung des Notfallmodus ausgelöst werden sollen: das Wählen des offiziellen Notrufs, das Senden einer Textnachricht mit dem Standort an die Notfallkontakte oder die automatische Aufzeichnung eines Notfallvideos. Entscheidend ist, dass diese Aktionen automatisch ablaufen, ohne dass der Nutzer weitere Eingaben machen muss. Einmal eingerichtet, aktiviert der Nutzer den Notfallmodus durch fünfmaliges schnelles Drücken der Einschalttaste. Nach einem Countdown setzt das Gerät dann je nach Einstellung den Notruf ab oder sendet die Standortdaten an die hinterlegten Kontakte.

Die Einrichtung von Notfallkontakten hat nicht nur im medizinischen Notfall Vorteile. Wie ein Mitarbeiter einer Stadtverwaltung auf der Plattform Reddit berichtete, kann sie auch helfen, ein verlorenes Smartphone schnell zurückzubekommen. In Fundbüros wird systematisch nach Notfallkontakten oder hinterlegten Besitzerinformationen gesucht, um die Geräte den Eigentümern zurückzugeben. Da die Notfallkontakte auch auf dem gesperrten Bildschirm sichtbar sind, können Finder oder Behörden sie nutzen, um den Besitzer zu kontaktieren. Diese Funktion ist besonders nützlich, wenn das Smartphone keine weiteren Besitzerinformationen wie eine Notiz auf dem Sperrbildschirm enthält.

Neben den grundlegenden Notfallfunktionen bieten beide Betriebssysteme weitere Optionen, die im Ernstfall nützlich sein können. Auf iPhones können Nutzer über die Health-App auch den Blutspendestatus oder Organspendeentscheidungen hinterlegen. Android-Geräte erlauben es, in den Notfall-SOS-Einstellungen zusätzlich eine automatische Standortverfolgung zu aktivieren, die den Aufenthaltsort des Nutzers in Echtzeit an die Notfallkontakte sendet. Diese Funktion kann besonders bei Wanderungen oder Reisen in abgelegene Gebiete lebensrettend sein. Es empfiehlt sich, die Einstellungen regelmäßig zu überprüfen und die Notfallkontakte auf dem neuesten Stand zu halten, da sich Telefonnummern oder Gesundheitsdaten ändern können.

Die Aktivierung der Notfall-Funktionen ist in wenigen Minuten erledigt, kann aber im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen. Wer sein Smartphone als Notfallhelfer einrichtet, erhöht nicht nur die eigene Sicherheit, sondern auch die von Angehörigen und Freunden, die als Notfallkontakte benachrichtigt werden. Die Technologie ist bereits in den meisten aktuellen Geräten vorhanden – sie muss nur genutzt werden.

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Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr Party über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.