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Montag, 10. August 2026 · Berlin

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Technologie 6 Min. Lesezeit

Macht Zocken aufmerksamer? Was die neue EEG-Studie wirklich zeigt

Nach 120 Stunden Action-Gaming waren 49 Studierende in Aufmerksamkeitstests besser. Das klingt nach CS2 und Dota — getestet wurden diese Spiele aber nicht direkt.

Macht Zocken aufmerksamer? Was die neue EEG-Studie wirklich zeigt
Bigstock

Die perfekte Ausrede für noch eine Runde Ranked? Nicht ganz. Eine neue Studie aus dem Jahr 2026 zeigt zwar, dass 49 Studierende nach sechs Monaten Action-Gaming bei zwei Tests zur visuellen Aufmerksamkeit besser abschnitten. Gleichzeitig veränderten sich EEG-Muster. Aber die oft daraus gebaute Aussage „Dota 2 und CS2 machen schlauer“ ist deutlich größer als das, was die Forschenden tatsächlich untersucht haben.

Die Studie erschien im International Journal of Psychophysiology. Die Teilnehmenden hatten vorher keine umfangreiche Gaming-Erfahrung. Über sechs Monate kamen sie auf insgesamt 120 Stunden Training mit Action-Videospielen. Vor und nach dieser Phase mussten sie verschiedene Aufgaben lösen, bei denen es vor allem darum ging, relevante visuelle Informationen zu finden und Ablenkungen auszublenden.

Eine der Aufgaben war der d2-Test. Dabei stehen viele sehr ähnliche Zeichen nebeneinander, aber nur bestimmte Kombinationen zählen als Treffer. Man muss schnell scannen, die richtigen Reize erkennen und darf sich von fast identischen Störreizen nicht täuschen lassen. Die zweite Aufgabe prüfte, wie weit Aufmerksamkeit über das Gesichtsfeld verteilt werden kann.

Nach dem Training lief beides besser. Das passt ziemlich gut zu dem, was schnelle Multiplayer-Games verlangen: Minimap checken, Bewegungen am Rand des Bildes mitbekommen, gegnerische Aktionen priorisieren, Team-Informationen verarbeiten und trotzdem die unmittelbare Aufgabe nicht verlieren. Genau deshalb interessieren sich Aufmerksamkeitsforscher seit Jahren für Action-Games.

Die Studie ging aber weiter als „Spieler waren nachher besser im Test“. Die Forschenden zeichneten auch ein Ruhe-EEG auf. Sie untersuchten elektrische Aktivität des Gehirns und die funktionelle Organisation größerer Netzwerke. Nach der Trainingsphase fanden sie Veränderungen in der Alpha-Aktivität und in Netzwerkmaßen. Einige dieser EEG-Werte hingen damit zusammen, wie stark sich einzelne Personen in den Aufmerksamkeitstests verbessert hatten.

Das ist spannend, weil es zeigt: Die Verhaltensänderung hatte ein neurophysiologisches Gegenstück. Die Daten passen zu der Idee, dass sich das Gehirn an wiederholte Anforderungen anpasst. Wenn man monatelang eine Umgebung trainiert, in der permanent gefiltert, gesucht und umgeschaltet werden muss, können sich die beteiligten Systeme verändern.

Jetzt kommt der wichtigste Haken. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe. Alle 49 Personen spielten. Es gab keine zweite Gruppe, die sechs Monate lang etwas anderes trainierte oder nur die Tests wiederholte. Damit kann man nicht sicher sagen, dass ausschließlich das Gaming für die Verbesserung verantwortlich war. Wiederholungseffekte, Gewöhnung an die Tests oder andere Veränderungen über sechs Monate könnten einen Teil erklären. Die Autoren schreiben das selbst als Einschränkung.

Und was ist mit CS2 und Dota 2? Im zugänglichen Text der Studie werden die beiden Spiele nicht als Trainingsgames genannt. Die Forscher sprechen allgemein von Action-Videospielen und nennen Ego-Shooter als typisches Beispiel. Das macht einen Bezug zu CS2 logisch, aber nicht bewiesen. Bei Dota 2 ist die Übertragung noch indirekter.

Es gibt separate Studien mit bekannten Esports-Titeln. 2021 trainierte eine kleine Gruppe von FPS-Neulingen drei Wochen lang mit Counter-Strike: Global Offensive. Danach verbesserten sich einige kognitive Messwerte. 2018 fand eine Studie nach einer League-of-Legends-Session kurzfristige Veränderungen bei visueller selektiver Aufmerksamkeit und EEG. Das heißt: CS- und MOBA-artige Spiele tauchen in der Forschung tatsächlich auf — nur eben nicht als Beweis für diese neue 120-Stunden-Studie.

Außerdem ist die Wissenschaft insgesamt weniger eindeutig als TikTok- oder Meme-Versionen. Eine Meta-Analyse fand Vorteile von Action-Games bei Aufmerksamkeit und räumlichem Denken. Eine andere kam zu dem Schluss, dass es keine überzeugenden Belege für einen allgemeinen Intelligenz-Boost durch Videospieltraining gibt. Besser in bestimmten Aufmerksamkeitsaufgaben zu werden, ist nicht dasselbe wie in jedem Bereich „schlauer“ zu werden.

Und der Satz „sogar Verlieren ist gut fürs Gehirn“? Klingt gut, wurde hier aber nicht getestet. Die Forscher haben Siege und Niederlagen nicht getrennt ausgewertet. Natürlich kann man aus Fehlern in einem Match lernen — das ist eine plausible Alltagserfahrung. Diese Studie beweist aber keinen besonderen Gehirnbonus für verlorene Runden.

Die faire Gaming-Version lautet deshalb: Regelmäßiges Action-Gaming war in dieser Gruppe mit messbar besserer visueller Aufmerksamkeit und veränderten EEG-Mustern verbunden. Das ist mehr als nur ein Meme. Aber es ist noch kein wissenschaftlicher Freifahrtschein für endloses Zocken und auch kein direkter Beweis für CS2 oder Dota 2.