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Fake-CRT-Monitor Traveller ULW10: Nostalgie trifft auf Praxisprobleme

Der Traveller ULW10 von Unico sieht aus wie ein klassischer Sony-PVM-Röhrenmonitor, ist aber ein LCD-Display. Retro-Fans dürften enttäuscht sein: Die Eingänge unterstützen kein Composite-Signal, und die Bildqualität bleibt hinter einem echten CRT zurück.

Fake-CRT-Monitor Traveller ULW10: Nostalgie trifft auf Praxisprobleme
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Ein neuer Monitor namens Traveller ULW10 will die Magie alter Röhrenfernseher zurückbringen – zumindest optisch. Der Hersteller Unico, bekannt für LCD-Austauschlösungen für Arcade-Automaten, hat das Gerät in ein Gehäuse gepackt, das täuschend echt an die legendären Sony-PVM-Monitore erinnert. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Gerät als LCD-Bildschirm mit Retro-Verkleidung, der weder Gelegenheitsspieler noch eingefleischte Enthusiasten vollständig überzeugen dürfte.

Die Faszination für CRT-Monitore ist unter Retro-Gamern ungebrochen. Sie bieten keine Eingabeverzögerung, variable Bildwiederholraten und eine Bildqualität, die viele Spiele der 8-Bit- und 16-Bit-Ära erst richtig zur Geltung bringt. Viele Klassiker wurden gezielt für die Eigenheiten der Röhrentechnik entwickelt: Transparenzeffekte und Farbmischungen entstehen erst durch die Darstellung auf einem solchen Bildschirm. Doch CRTs werden nicht mehr hergestellt, sind schwer zu finden und oft in schlechtem Zustand. Digitale Shader, die Scanlines und Farbcharakter nachahmen, gibt es zwar für Emulatoren, doch ein eigenständiges Display für klassische Konsolen fehlte bislang.

Der Traveller ULW10 sollte diese Lücke schließen. Das auffälligste Merkmal ist das Gehäuse im Stil eines Sony PVM, inklusive Drehreglern für Lautstärke und Farbe. Da im Inneren kein schweres Röhrenglas steckt, ist das Gerät deutlich leichter als ein echtes PVM. Eine Klappe auf der Rückseite bietet Platz für eine Konsole, sodass sich das gesamte Setup leichter transportieren lässt. Diese Idee ist charmant, dürfte aber nur wenige Käufer wirklich regelmäßig nutzen.

Deutlich problematischer sind die Anschlussmöglichkeiten. Der Monitor bietet nur HDMI, VGA und RGBS. Wer eine PlayStation 2 oder andere Konsolen anschließen möchte, die in Nordamerika und weiten Teilen Europas über Composite-, S-Video- oder Component-Kabel laufen, hat Pech. RGBS ist ein hochwertiger Standard, der vor allem in Europa über SCART-Verbindungen verbreitet ist, aber in Nordamerika kaum eine Rolle spielte. Unico-Sprecher David McIntosh erklärte auf Nachfrage, dass Composite-Eingänge erst bei zukünftigen Modellen unterstützt werden sollen. Für den aktuellen Release bedeutet das: Wer nicht bereits über passende RGBS-Kabel verfügt, muss zusätzlich investieren.

Die Bildqualität selbst bleibt hinter den Erwartungen zurück. Der LCD-Screen ist weder besonders beeindruckend noch katastrophal, doch genau das ist das Problem. Der Monitor lädt durch sein Design zum Vergleich mit echten CRTs ein, und diesen Vergleich verliert er deutlich. Spiele wirken auf dem LCD wie hochskalierte Pixelgrafik, ohne den weichen, authentischen Look eines Röhrenbildschirms. Selbst moderne High-End-Displays tun sich schwer, die besonderen Eigenschaften von CRTs nachzubilden – der Traveller schafft das nicht ansatzweise.

Unterm Strich bleibt ein Produkt, das zwischen den Stühlen sitzt. Für Gelegenheitsspieler ist es zu sperrig und die Eingangsauswahl zu kompliziert. Für Retro-Enthusiasten, die Wert auf authentische Darstellung legen, ist die Bildqualität nicht gut genug. Die Kickstarter-Kampagne des Herstellers nimmt derzeit Vorbestellungen entgegen, doch wer auf der Suche nach einem echten CRT-Ersatz ist, sollte seine Erwartungen deutlich zurückschrauben.

Lukas Seifert

Autor

Sportredakteur

Lukas Seifert berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.