Technologie 5 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
EU-Kids-Act: Altersverifikation für Spiele und soziale Medien geplant
Die EU-Kommission will mit dem Kids Act Online-Plattformen zu Altersprüfungen verpflichten. Betroffen wären soziale Medien, KI-Chatbots und Spiele, die für Minderjährige riskant sind. Der Entwurf liegt dem Europäischen Parlament vor.
Die Europäische Union plant, Nutzerinnen und Nutzer von Online-Plattformen künftig zu Altersverifikationen zu verpflichten. Der sogenannte EU Kids Act soll an diesem Donnerstag dem Europäischen Parlament vorgelegt werden. Wenn das Gesetz verabschiedet wird, hätte es erhebliche Auswirkungen auf Gamerinnen und Gamer jeden Alters, die auf bestimmte Spiele und Dienste zugreifen wollen.
Der EU Kids Act ist ein Gesetzesvorschlag, der Kinder vor Gefahren im Internet schützen soll. Über die Regelung wird seit mehr als einem Jahr diskutiert. Sie soll Altersgrenzen für den Zugang zu Online-Plattformen wie sozialen Medien, KI-Werkzeugen und bestimmten Gaming-Plattformen einführen. Dokumente, die der Nachrichtenagentur Euractiv vorliegen, sehen vor, dass Anbieter von sozialen Medien und Video-Sharing-Plattformen bei der Eröffnung eines neuen Kontos eine Altersüberprüfung durchführen müssen. Diese Pflicht soll sich laut dem Dokument auch auf andere Dienste erstrecken, darunter KI-Chatbots und «Online-Spiele, die für Minderjährige riskant sind».
Nicht betroffen wären nach derzeitigem Stand industrielle KI-Anwendungen, KI-Büroprodukte und pädagogische Online-Dienste. Der Vorschlag reiht sich in eine wachsende Zahl von Maßnahmen zur Altersverifikation ein, die in den vergangenen Monaten weltweit eingeführt wurden.
PlayStation begann im April damit, Altersverifikationen in Irland und dem Vereinigten Königreich einzuführen. Spielerinnen und Spieler müssen dort ihr Alter nachweisen, um auf bestimmte Netzwerkfunktionen wie Sprachchat, Nachrichten und Streaming zugreifen zu können. Die Überprüfung ist per Gesichtsscan, Mobilfunknummer oder Ausweis möglich, wobei die akzeptierten Methoden je nach Land oder Region variieren können.
In Australien gilt seit Anfang des Monats eine Altersverifikationspflicht auf Steam, um Spiele mit der Altersfreigabe R18+ freizuschalten. Anders als bei PlayStation akzeptiert die Plattform jedoch ausschließlich australische Kreditkarten. Das könnte für erwachsene Spielerinnen und Spieler in der Region zum Problem werden, wenn sie keine solche Karte besitzen. Eine Nachricht auf Steam teilt den australischen Nutzern mit, dass Valve aufgrund des «Age-Restricted Material App Distribution Services Code» verpflichtet sei, vor dem Zugriff auf nicht jugendfreie Inhalte zu prüfen, ob sie 18 Jahre oder älter sind. Wer dies wünsche, müsse eine gültige australische Kreditkarte hinterlegen und anschließend die Einstellungen für nicht jugendfreie Inhalte aktualisieren.
In den USA gibt es bislang keine bundesweite Regelung, die Online-Plattformen zu Altersverifikationen verpflichtet. Einige Bundesstaaten haben jedoch entsprechende Gesetze auf Landesebene erlassen. Das Thema ist stark umstritten und steht im Zentrum der Debatte über Online-Privatsphäre. Für Befürworter des Kinderschutzes sind Altersprüfungen ein wichtiges Instrument, um Minderjährige vor schädlichen Inhalten zu bewahren. Kritiker sehen darin einen Eingriff in die Privatsphäre und warnen vor Datenschutzrisiken.
Die Diskussion hat inzwischen auch die Plattform Discord erreicht. Das Unternehmen pausierte seine Pläne für eine weltweite Altersverifikation, nachdem bekannt geworden war, dass Hacker in die Systeme eingedrungen waren und Zugriff auf 70.000 Bilder von Ausweisdokumenten der Nutzer erlangt hatten. Der Vorfall verdeutlicht die Sicherheitsbedenken, die mit der Speicherung sensibler Altersnachweise verbunden sind.
Ob der EU Kids Act in der vorliegenden Form verabschiedet wird, ist offen. Die Vorlage im Europäischen Parlament ist ein erster Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Sollte die Regelung kommen, müssten sich Gaming-Plattformen, soziale Netzwerke und Anbieter von KI-Diensten auf neue technische und organisatorische Anforderungen einstellen. Für junge Nutzerinnen und Nutzer in Europa könnte der Zugang zu bestimmten Spielen und Diensten dann nur noch nach erfolgreicher Altersprüfung möglich sein.



