Der schwäbische Batteriehersteller Varta hat einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Unternehmen mit Sitz in Ellwangen teilte mit, dass die Geschäftsführung weiterhin die Kontrolle behält, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter die Sanierung begleitet. Die Löhne der rund 4.500 Beschäftigten sind für die kommenden drei Monate durch das Insolvenzgeld gesichert.
Das Traditionsunternehmen, das seit Jahrzehnten für Batterien «made in Germany» steht, geriet in eine schwere Krise, nachdem wichtige Kunden ihre Aufträge zurückgezogen hatten und die Gewinnung neuer Abnehmer nicht gelang. Besonders der Bereich der Lithium-Ionen-Knopfzellen, die in Hörgeräten und medizinischen Geräten eingesetzt werden, leidet unter einem drastischen Nachfragerückgang. Hinzu kommen gestiegene Rohstoffpreise und ein verschärfter Wettbewerb durch asiatische Hersteller, die den Markt mit günstigeren Produkten überschwemmen.
Die Eigentümer des Unternehmens, darunter der österreichische Investor Michael Tojner und der Sportwagenhersteller Porsche, der im vergangenen Jahr eine Minderheitsbeteiligung übernommen hatte, stellten keine weiteren finanziellen Mittel zur Verfügung. Porsche hatte im Jahr 2024 angekündigt, sich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag an Varta zu beteiligen, um die Entwicklung von Batteriezellen für Elektroautos voranzutreiben. Doch die erhoffte Zusammenarbeit brachte nicht die erwarteten Synergien, und die Investitionen flossen langsamer als geplant.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung gilt als letzter Versuch, das Unternehmen zu retten. Dabei bleibt die Geschäftsführung handlungsfähig, kann aber keine Verbindlichkeiten mehr begleichen, die vor der Antragstellung entstanden sind. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht die Sanierungsbemühungen und prüft, ob eine Fortführung des Betriebs möglich ist. Sollte die Sanierung scheitern, droht die Zerschlagung des Unternehmens, bei der die Produktionsstätten und Patente einzeln verkauft würden.
Die Belegschaft blickt mit großer Sorge auf die kommenden Wochen. Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall fordern von der Geschäftsführung einen transparenten Sanierungsplan, der die Arbeitsplätze möglichst vieler Mitarbeiter sichert. In einer ersten Stellungnahme betonte der Betriebsrat, dass man bereit sei, mit der Unternehmensleitung und dem Sachwalter konstruktiv zusammenzuarbeiten, um eine Lösung zu finden. Die IG Metall kündigte an, die Interessen der Beschäftigten in den Verhandlungen entschlossen zu vertreten.
Varta blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Das Unternehmen wurde 1887 in Berlin gegründet und produzierte zunächst Trockenbatterien für die aufkommende Elektroindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte der Konzern seinen Schwerpunkt nach Süddeutschland und entwickelte sich zu einem der führenden Hersteller von Haushaltsbatterien in Europa. In den 1990er Jahren geriet Varta in eine erste Krise, die zu einer umfassenden Restrukturierung führte. In den 2010er Jahren gelang mit der Konzentration auf Lithium-Ionen-Technologie und Hörgerätebatterien eine Renaissance, die das Unternehmen zeitweise an die Börse brachte. Doch der erhoffte Aufschwung hielt nicht an.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich für viele deutsche Industrieunternehmen in den vergangenen Jahren verschlechtert. Hohe Energiepreise, bürokratische Hürden und die schwache Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten belasten die Produktion. Varta ist kein Einzelfall: Zahlreiche mittelständische Betriebe aus der Elektronik- und Automobilzulieferbranche kämpfen mit ähnlichen Problemen. Die Insolvenz von Varta könnte daher als warnendes Beispiel für die strukturellen Schwächen des Industriestandorts Deutschland dienen.
Die Gläubiger des Unternehmens, darunter Banken und Lieferanten, müssen nun auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten, falls die Sanierung gelingt. Sollte es zur Zerschlagung kommen, wären die Verluste noch höher. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat ihre Bereitschaft signalisiert, das Unternehmen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zu unterstützen, betonte aber, dass staatliche Hilfen nur unter strengen Auflagen gewährt werden könnten. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) zeigte sich betroffen über die Entwicklung und versprach, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Varta eine Zukunft hat. Die Geschäftsführung arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an einem Sanierungskonzept, das die Kosten senkt und das Produktportfolio schärft. Ob dies ausreicht, um die Gläubiger zu überzeugen und neue Investoren zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Für die Beschäftigten in Ellwangen und den weiteren Standorten beginnt eine Zeit der Ungewissheit, die das Unternehmen an den Rand des Abgrunds gebracht hat.



