Der langjährige republikanische US-Senator und enge Verbündete von Präsident Donald Trump, Lindsey Graham, ist tot. Er starb am Samstagabend im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Gefäßerkrankung, wie sein Büro unter Verweis auf eine vorläufige Untersuchung mitteilte. Graham hatte erst am Donnerstag seinen Geburtstag gefeiert und noch in der vergangenen Woche den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew besucht. Für Sonntag war ein Fernsehinterview geplant, und bei den wichtigen Zwischenwahlen im November wollte er für eine fünfte Amtszeit im Senat antreten.
US-Präsident Donald Trump würdigte Graham auf seiner Plattform Truth Social als „einen der großartigsten Menschen und Senatoren, die ich je gekannt habe“. Er sei stets am Arbeiten gewesen und ein wahrer amerikanischer Patriot. Trump ordnete an, die US-Flaggen bis Samstag auf halbmast zu setzen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich betroffen. Graham sei ein echter Freund und Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis gewesen, schrieb Merz auf X. „Ich werde ihn vermissen.“
Graham vertrat den Bundesstaat South Carolina ab Mitte der 1990er Jahre zunächst im Repräsentantenhaus, bevor er 2003 seine erste Amtszeit als Senator begann. Er galt als erfahrener Außenpolitiker und beschäftigte sich bis zuletzt mit den großen Konfliktherden der Welt. Erst vor wenigen Tagen konnte er der Ukraine die Botschaft überbringen, dass das Weiße Haus ein neues Sanktionsgesetz gegen Russland unterstütze. Im Iran sprach er sich für einen Machtwechsel aus. Merz lobte Graham in diesem Zusammenhang bei der Münchner Sicherheitskonferenz, weil er gesagt habe, dass das Regime verschwinden müsse.
Auf seiner Webseite beschrieb sich Graham selbst als „konservativen Problemlöser“ und als einen der entschiedensten Verfechter einer starken Landesverteidigung. Er sicherte sich 2002 erstmals einen Sitz im Senat und gewann die Wiederwahlen in den Jahren 2008, 2014 und 2020. Zuletzt war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Kongress. Seine politische Karriere war geprägt von einer bemerkenswerten Wandlung: War Graham anfangs ein scharfer Kritiker Trumps, entwickelte er sich im Laufe der Jahre zu einem seiner engsten Verbündeten.
Im Jahr 2015, als beide um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner kämpften, bezeichnete Graham Trump öffentlich als „rassistischen, fremdenfeindlichen, religiösen Fanatiker“, der nicht die Werte der Partei vertrete. Er forderte Trump sogar auf, „zur Hölle zu fahren“. Nach Trumps Wahl zum Präsidenten näherten sich die beiden Männer jedoch an. Regelmäßige Treffen zum Golfen trugen laut der „New York Times“ maßgeblich dazu bei. Trump sagte 2018 während einer Pressekonferenz: „Lindsey war früher ein großer Feind von mir, und jetzt ist er ein guter Freund von mir. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich mag ihn wirklich sehr.“
Trotz der Freundschaft gab es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Nach der Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger Trumps im Januar 2021 brach Graham vorübergehend mit dem Präsidenten. Er erkannte zwar selbst über Wochen den Wahlsieg von Joe Biden nicht an, sagte aber mit Blick auf Trumps Versuche, Zweifel an der Wahl zu säen: „Der Präsident muss verstehen, dass sein Handeln das Problem war, nicht die Lösung.“ Der Bruch hielt jedoch nicht. Graham unterstützte schließlich Trumps erneute Präsidentschaftskandidatur und folgte in den meisten politischen Fragen dessen Linie.
Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehörte Graham zu den Republikanern, die sich für ein stärkeres Vorgehen gegen Russland einsetzten. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha zeigte sich erschüttert über Grahams Tod und erklärte, dessen Führungsstärke, Überzeugung und unerschütterliches Engagement für die Ukraine würden niemals in Vergessenheit geraten. Präsident Selenskyj würdigte Graham als einen wahrhaftigen Verteidiger der Freiheit und betonte, dass der jüngste Besuch in Kiew bereits der zehnte während des Krieges gewesen sei. Die Videoaufnahmen aus Kiew, in denen Graham am Freitag die Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionspaket gegen Russland verkündete, gehören zu den letzten Bildern des Senators.



