US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine die Erlaubnis zur eigenen Herstellung von Patriot-Flugabwehrraketen weiterhin nicht erteilt. Die Gespräche darüber dauerten an, sagte Trump am Freitag bei einer Kabinettssitzung in Camp David. Man müsse sehr vorsichtig sein, wem man eine solche Technologie überlasse. «Ich glaube nicht, dass das jemals passieren wird, aber es gibt Leute, denen man diese Technologie gibt und die sich eines Tages gegen einen wenden könnten», erklärte er.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dringt seit Langem auf die Lieferung von Patriot-Raketen und Tomahawk-Marschflugkörpern. Erst in diesem Monat hatte Trump bei einem Treffen mit Selenskyj in der Türkei angekündigt, der Ukraine eine Lizenz für die Produktion der Abfangraketen erteilen zu wollen. Davon ist er inzwischen abgerückt, obwohl er Selenskyj in dieser Woche im Weißen Haus empfing. Auch die «Financial Times» zitiert den Präsidenten aus einem Telefonat mit den Worten, er sei «nicht sicher», ob er den Bau erlauben werde. «Es ist eine sehr außergewöhnliche Waffe, und wir müssen ein wenig vorsichtig sein, an wen wir Lizenzen vergeben.»

Die Ukraine bemüht sich seit Langem um ein Abkommen zur gemeinsamen Produktion der modernsten Patriot-Raketen vom Typ PAC-3. Angesichts russischer Luftangriffe verfügt das Land nur noch über geringe Bestände dieser Raketen, die als einzige im ukrainischen Arsenal ballistische Raketen abfangen können. Die ukrainische Botschafterin Olha Stefanischyna hatte am Donnerstag erklärt, sie sei zuversichtlich, dass der Hersteller Lockheed Martin die Zusammenarbeit vertiefen wolle. Trump kündigte dem Bericht zufolge außerdem an, dass seine Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff in den kommenden Tagen erstmals in die Ukraine reisen werden.

Unterdessen setzt die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf russische Logistik und Infrastruktur fort. Nach zahlreichen Angriffen auf den russischen Versandhändler Wildberries geriet nun offenbar auch dessen Konkurrent Ozon ins Visier. Laut Augenzeugenberichten und Videos auf lokalen Telegramkanälen griffen Drohnen am Morgen ein Warenhaus von Ozon in der Stadt Selenodolsk in der Republik Tatarstan an. Ein Video zeigt Angestellte des Versandriesen, die nach der Evakuierung der Lagerhalle auf einem Parkplatz stehen. Eine Drohne verfehlte das Warenhaus nur knapp und schlug wenige Meter daneben ein.

In der russischen Region Wolgograd stehen nach einem Drohnenangriff eine Energieanlage und mehrere Lagerhallen in Brand. Das teilte der regionale Gouverneur Andrej Botscharow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Fünf Menschen benötigten demnach medizinische Hilfe. Details zu den betroffenen Anlagen nannte er nicht. In der Region befindet sich eine Ölraffinerie des Konzerns Lukoil.

Das Nato- und EU-Mitglied Rumänien ließ nach der Entdeckung von Flugkörpern nahe der Grenze zur Ukraine zwei Kampfjets aufsteigen. Die Ziele seien im Bereich der Flussgrenze geortet worden, teilte das Verteidigungsministerium auf der Plattform X mit. Im grenznahen Bezirk Tulcea sei die Bevölkerung gewarnt worden.

In Russland sorgt unterdessen die Behandlung der liberalen Oppositionspartei Jabloko für Kritik. Die zentrale Wahlleitung ließ Jabloko zwar zur Parlamentswahl im September zu, erklärte ihre Kandidatenliste für das Stadtparlament von St. Petersburg jedoch wegen eines Formfehlers für ungültig. Das berichtete die Zeitung «Kommersant». Jabloko ist bei der Duma-Wahl die einzige politische Kraft, die sich öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ausspricht. In der Stadtverordnetenversammlung von St. Petersburg stellt die Partei bislang zwei der 50 Abgeordneten. Anlass für den Ausschluss war eine fehlerhafte Vollmacht eines Parteivertreters zur Vorlage eines Finanzberichts. Die Parlamentswahl sowie zahlreiche Regionalwahlen sind für den 18. bis 20. September angesetzt.

Die Blockade der Schwarzmeerhäfen trifft zudem die ukrainische Erzindustrie. Wichtige Eisenerz-Exporteure müssen ihren Betrieb vorübergehend einschränken. Der Chef des Bergbaukombinats Poltawa, Viktor Lotous, kündigte Medienberichten zufolge im Parlament einen Stillstand der Förderung von zehn bis 20 Tagen an. Drei von vier Schiffen mit Eisenerzkonzentrat könnten demnach nicht auslaufen.