US-Präsident Donald Trump hat wenige Tage vor dem erwarteten Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Washington die Abhängigkeit Israels von den USA betont. An Bord der Air Force One stellte Trump am Montagabend die rhetorische Frage: «Wissen Sie, wer ohne uns nicht überleben würde? Israel.» Die Äußerung erfolgte vor dem Hintergrund eines Disputs zwischen den beiden Regierungschefs über den geplanten Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei. Trump machte damit unmissverständlich klar, dass er sich von Netanjahu nicht in wirtschaftliche oder militärische Entscheidungen hineinreden lasse.
Netanjahu, der innenpolitisch massiv unter Druck steht und sich im israelischen Wahlkampf befindet, hatte versucht, Trump von dem Geschäft abzubringen. Er bezeichnete die Türkei als eines der größten Sicherheitsrisiken für Israel und warnte vor den Folgen einer Aufrüstung des Nato-Partners. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wiederum hatte Netanjahu im Zusammenhang mit dem Gazakrieg und der israelischen Palästinenserpolitik wiederholt mit Hitler verglichen. Trump wies Netanjahus Einmischung jedoch entschieden zurück: «Niemand sagt mir, was wir verkaufen sollen», stellte der US-Präsident klar.
Der Streit über die Kampfjets ist Teil eines angespannten Verhältnisses zwischen den beiden Staatschefs. Trump genießt in Umfragen derzeit nur eine Zustimmung von 37 Prozent – ein leichter Anstieg um drei Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche. Die Unterstützung der US-Bevölkerung für den seit fünf Monaten andauernden Krieg gegen den Iran ist einer Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge auf ein Rekordtief gefallen. Nur noch ein Drittel der Amerikaner befürwortet den Militäreinsatz. 69 Prozent der Befragten gaben an, Trump habe die Ziele der Intervention nicht klar dargelegt. Der Krieg war am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen und hat seitdem die öffentliche Meinung in den USA stark polarisiert.
Das Weiße Haus wies der Erhebung jede politische Bedeutung ab. Trumps Sprecherin Olivia Wales erklärte, der Präsident lasse seine Entscheidungen nicht von Umfragewerten abhängig. Das vorrangige Ziel bleibe, den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. Die unpopuläre Außenpolitik belastet Trump und seine Republikaner im Vorfeld der Kongresswahlen im November, bei denen sie ihre knappen Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen müssen. Die Midterms 2026 gelten als entscheidend für die politische Zukunft Trumps und seiner Agenda.
Netanjahus Besuch in Washington wird mit Spannung erwartet. Neben den bilateralen Beziehungen dürften der Iran-Krieg, die Lage im Gazastreifen und die Beziehungen zur Türkei auf der Tagesordnung stehen. Der israelische Ministerpräsident steht nicht nur außenpolitisch unter Druck, sondern auch innenpolitisch: Korruptionsvorwürfe und eine tief gespaltene Gesellschaft belasten seine Regierung. Parallel dazu bestätigten die USA eine neue Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Libanon, die vom 4. bis 6. August in Rom stattfinden soll. Technische Arbeitsgruppen sollen dort die vollständige Umsetzung des im Juni geschlossenen Rahmenabkommens voranbringen. Dieses sieht einen schrittweisen israelischen Rückzug aus dem Süden des Libanons vor, während die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen und die Hisbollah entwaffnen soll. Die libanesische Armee hatte zuletzt jedoch die fortgesetzten israelischen Militäreinsätze im Süden kritisiert, die die geplante Stationierung behinderten.
Trump machte mit seinen Äußerungen an Bord der Air Force One deutlich, dass er die Führungsrolle der USA in der Region unmissverständlich beansprucht. Der Besuch Netanjahus wird zeigen, ob die beiden Staatschefs ihre Differenzen überbrücken können oder ob die Spannungen zwischen den beiden Verbündeten weiter zunehmen. In jedem Fall bleibt die US-Unterstützung für Israel nach den Worten des Präsidenten existentiell – aber nicht bedingungslos.


