US-Präsident Donald Trump hat auf dem NATO-Gipfel in Ankara einen vollständigen Handelsstopp mit Spanien angekündigt. Er habe Finanzminister Scott Bessent angewiesen, jeglichen Handel mit dem Land einzustellen, sagte Trump vor versammelten Journalisten an der Seite von NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Spanien sei ein „schrecklicher Partner“ in der Militärallianz, erklärte Trump. „Ich will nichts mit Spanien zu tun haben.“

Hintergrund der drastischen Maßnahme ist die Weigerung der spanischen Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez, den USA während ihrer Angriffe auf den Iran die Nutzung von Militärstützpunkten in Andalusien zu gestatten. Zudem hatte Spanien den US-Streitkräften den Überflug über spanisches Hoheitsgebiet untersagt. Diese Entscheidung traf in Washington auf scharfe Ablehnung und führte zu einer massiven Eskalation der bilateralen Beziehungen.

Der Handelsstopp wäre ein beispielloser Schritt in der Geschichte der transatlantischen Beziehungen. Spanien ist einer der größten Handelspartner der USA in Europa. Im Jahr 2024 belief sich das bilaterale Handelsvolumen auf rund 20 Milliarden US-Dollar. Betroffen wären vor allem Exporte von spanischem Olivenöl, Wein und Maschinen in die USA sowie US-amerikanische Lieferungen von Soja, Erdöl und Flugzeugen nach Spanien. Experten warnen vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für beide Länder.

Die Ankündigung Trumps erfolgte im Rahmen des NATO-Gipfels, der ohnehin von Spannungen zwischen den USA und ihren europäischen Partnern geprägt war. Mehrere europäische NATO-Staaten hatten zuvor versucht, Trump mit eigenen Rüstungsanstrengungen zu besänftigen. Doch der US-Präsident legte auf dem Gipfel weiter nach. Unter anderem bekräftigte er den US-Anspruch auf die dänische Insel Grönland im Nordatlantik, was zu heftigen transatlantischen Zerwürfnissen führte. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen entgegnete in Ankara: „Natürlich werden wir das Königreich Dänemark verteidigen.“

Der Streit um die Nutzung von Militärstützpunkten hatte sich bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer hatte sich zunächst ebenfalls zurückhaltend gezeigt, später aber seine ablehnende Haltung zur Nutzung von Stützpunkten in Großbritannien aufgegeben. Spanien hingegen blieb bei seiner Position, was Trump nun mit dem Handelsstopp quittierte.

Die Europäische Union reagierte besorgt auf die Ankündigung. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, man prüfe die rechtlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines möglichen Handelsstopps. Die EU werde geschlossen hinter Spanien stehen, hieß es aus Brüssel. Auch andere NATO-Partner zeigten sich irritiert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte vor einer Spaltung des Bündnisses und rief zu Geschlossenheit gegenüber externen Bedrohungen auf.

Trump kündigte in der Presserunde zudem ein Ende der Waffenruhe mit dem Iran an. Dies könnte die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten weiter verschärfen. Die USA hatten zuletzt mehrere Luftangriffe gegen iranische Einrichtungen geflogen, was international auf Kritik stieß. Spanien hatte sich geweigert, diese Angriffe von seinem Territorium aus zu unterstützen.

Der Handelsstopp gegen Spanien ist das jüngste Beispiel für Trumps konfrontativen Führungsstil innerhalb der NATO. Bereits in der Vergangenheit hatte er mehrfach mit dem Austritt der USA aus dem Bündnis gedroht und von europäischen Partnern höhere Verteidigungsausgaben gefordert. Beobachter sehen in der aktuellen Eskalation einen weiteren Schritt zur Schwächung der transatlantischen Allianz.

Die spanische Regierung hat sich bislang nicht offiziell zu Trumps Ankündigung geäußert. In Madrid hieß es lediglich, man prüfe die Lage. Ministerpräsident Sánchez, der sich derzeit in Brüssel aufhält, dürfte in den kommenden Tagen eine Stellungnahme abgeben. Es wird erwartet, dass Spanien diplomatische Schritte einleitet, um den Handelsstopp abzuwenden oder vor internationalen Gremien anzufechten.

Autor

Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr Party über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.