Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim steigen in Deutschland unvermindert an. Nach aktuellen Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) müssen Bewohner im ersten Aufenthaltsjahr bundesweit im Schnitt 3.364 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen. Das sind 119 Euro mehr als noch zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als im Januar 2025. Besonders stark betroffen sind Bremen, das Saarland und Baden-Württemberg, wo die monatlichen Eigenanteile teils über 3.600 Euro liegen.
Die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen hat sich damit in den vergangenen Jahren drastisch erhöht. Im Januar 2020 lag der durchschnittliche Eigenanteil noch bei 1.969 Euro pro Monat – ein Anstieg um mehr als 1.300 Euro innerhalb von sechseinhalb Jahren. Die Pflegeversicherung ist als Teilleistungsversicherung konzipiert und übernimmt nur einen Teil der Kosten. Hinzu kommen Ausgaben für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen in die Einrichtungen sowie Ausbildungskosten, die die Bewohner selbst tragen müssen.
Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Reform vor, die die Pflegebedürftigen entlasten soll. Details sind noch nicht abschließend geklärt, doch die Koalition steht unter Druck, die steigenden Kosten zu begrenzen. Kritiker befürchten jedoch, dass die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen könnten. Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, betonte, dass die hohen Steigerungen bei den Personalkosten für Pflegekräfte zwar richtig und notwendig seien, aber nicht zulasten der Pflegebedürftigen gehen dürften. „Es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt“, sagte sie.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind weiterhin erheblich. Am günstigsten ist die stationäre Pflege im ersten Jahr in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 2.891 Euro pro Monat, gefolgt von Niedersachsen (3.008 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (3.032 Euro). Bayern liegt mit 3.270 Euro knapp unter dem Bundesdurchschnitt, verzeichnet aber ebenfalls einen deutlichen Anstieg um 176 Euro im Vergleich zum Juli 2025. Die Auswertung des vdek basiert auf den Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit den Heimen in allen Ländern.
Die Stiftung Patientenschutz fordert die Länder auf, ihrer Verantwortung stärker nachzukommen. Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung, kritisierte, dass die Eigenanteile in den ersten zwölf Monaten nach Heimeinzug trotz gestiegener Zuschüsse in den vergangenen zwei Jahren um rund 16 Prozent gestiegen seien. Er forderte, dass die Länder die Ausbildungs- und Investitionskosten vollständig übernehmen. „Eine solche Entlastung würde die stationären Pflegekosten im Freistaat um monatlich 557 Euro senken“, sagte Brysch mit Blick auf Bayern.
Die Höhe der Eigenanteile hängt auch von der Aufenthaltsdauer ab. Je länger ein Bewohner im Heim lebt, desto höher fallen die Entlastungszuschläge aus, die die Pflegekassen zusätzlich zu den regulären Leistungen zahlen. Im ersten Jahr wird der Eigenanteil für die reine Pflege um 15 Prozent gesenkt, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung für viele Betroffene enorm, insbesondere in den ersten Monaten nach dem Einzug.
Die geplante Reform der Bundesregierung soll hier ansetzen und die Eigenanteile weiter reduzieren. Allerdings ist unklar, ob die Koalition die dafür nötigen Mittel bereitstellen wird. Angesichts der angespannten Haushaltslage und der steigenden Zahl Pflegebedürftiger – allein in Bayern leben rund 108.300 Menschen in Pflegeheimen – wächst der Druck auf die Politik, nachhaltige Lösungen zu finden. Die Debatte über die Finanzierung der Pflege wird damit in den kommenden Monaten weiter an Fahrt gewinnen.



