Die ukrainische Führung hat Russland vorgeworfen, bei einem schweren Luftangriff erstmals seit längerer Zeit wieder eine ballistische Rakete aus Nordkorea eingesetzt zu haben. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Rakete habe ein Wohnhaus einer Großfamilie in der Ortschaft Raduschne bei Krywyj Rih getroffen, wobei sechs Menschen getötet wurden. In dem völlig zerstörten Haus lebten insgesamt zehn Personen. Selenskyj kündigte Untersuchungen an, die den Einsatz der nordkoreanischen Waffe bestätigen sollen. Er warf Moskau vor, sich mit dem „wahnsinnigen Regime in Pjöngjang“ zu verbünden, um Waffen und Soldaten zu erhalten.

Russland und das isolierte kommunistische Nordkorea haben eine enge militärische Zusammenarbeit mit gegenseitigem Beistand vereinbart. Bereits in den Jahren 2024 und 2025 kamen nordkoreanische Soldaten in Russland zum Einsatz, um ukrainische Truppen aus dem westrussischen Gebiet Kursk zu verdrängen. Nach Erkenntnissen ukrainischer und westlicher Geheimdienste hat Pjöngjang zudem ballistische Raketen, Artilleriegeschütze und Munition an Moskau geliefert. Die Ukraine warnt davor, dass Nordkorea erneut bis zu 30.000 Soldaten nach Russland entsenden könnte. Der Angriff auf Raduschne unterstreicht die zunehmende militärische Verflechtung der beiden Länder im Krieg gegen die Ukraine.

Unterdessen hat die russische Justiz den Milliardär Waleri Kustow festnehmen lassen. Ihm und dem Generaldirektor seines Lebensmittelkonzerns Efko, Jewgeni Ljaschenko, wird Betrug beim Bau von Drohnen vorgeworfen. Nach Angaben des Internetportals RBK geht es um einen Staatsauftrag für die schwere Transportdrohne C-80, die das russische Militär zur Versorgung seiner Soldaten an der Front einsetzt. An der Drohne gibt es scharfe Kritik aus Armeekreisen; Verteidigungsminister Andrej Beloussow forderte zuletzt eine Überarbeitung. Kustow, der sein Vermögen von umgerechnet rund einer Milliarde Euro mit dem Mayonnaise-Hersteller Efko gemacht hat, sitzt nun in Untersuchungshaft. In dem Fall sind bereits mehrere hohe Beamte inhaftiert, darunter eine Abteilungsleiterin des Industrieministeriums, der Veruntreuung von Staatsgeldern vorgeworfen wird.

Die russische Finanzaufsichtsbehörde Rosfinmonitoring hat zudem den Gründer des Messengerdienstes Telegram, Pawel Durow, auf die Liste der Terroristen und Extremisten gesetzt. Der Eintrag erfolgte ohne nähere Angaben. Zuvor hatte der Inlandsgeheimdienst FSB Durow Beihilfe zum Terror vorgeworfen, da Telegram angeblich von ukrainischen Geheimdiensten genutzt werde, um Russen für Sabotageakte und Anschläge anzuwerben. Durow, der in Dubai lebt und die französische Staatsbürgerschaft besitzt, hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Telegram ist in Russland nicht verboten, aber blockiert; Nutzer können den Dienst nur über verschlüsselte Verbindungen erreichen. Die Behörde Rosfinmonitoring steht in der Kritik, dem Kreml als Instrument politischer Willkür zu dienen.

Im Zusammenhang mit dem Krieg hat die Europäische Union die Aufnahmeregeln für ukrainische Männer verschärft. Wehrfähige Ukrainer profitieren in den EU-Mitgliedsländern künftig nicht mehr von vereinfachten Aufnahmeverfahren, wie ein EU-Sprecher mitteilte. Hintergrund ist der hohe Bedarf der Ukraine an Soldaten. Nach Angaben von Präsident Selenskyj mobilisiert die Ukraine monatlich bis zu 34.000 Männer, kann die Verluste aber wegen einer hohen Zahl von Fahnenflüchtigen kaum ausgleichen. Die Ukraine fahndet eigenen Angaben zufolge nach mehr als zwei Millionen Wehrpflichtigen. Die EU-Kommission folgte mit der Entscheidung einer Bitte der ukrainischen Regierung, um die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu stärken.